Papst Leo XIV. warnt Frankreich vor Sterbehilfe und Abtreibung
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 16:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPapst Leo XIV. hat Frankreich zum Auftakt seines viertägigen Besuchs als Land der Menschenrechte gewürdigt und zugleich eine „neue Brüderlichkeit“ sowie den Schutz des Lebens von der Zeugung bis zum Tod angemahnt.
Kritik an Sterbehilfe und Abtreibung
Bei einem Empfang im Élysée-Palast in Paris bezog sich das Oberhaupt der katholischen Kirche auf Frankreichs neues Gesetz zur Sterbehilfe und auf das unter Präsident Emmanuel Macron in der Verfassung verankerte Recht auf Abtreibung. „Der Schutz des Rechts auf Leben bildet die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte“, sagte Leo.
Zum Lebensschutz gehöre, „das Leben bedingungslos anzunehmen“. Frankreich erlaubt seit diesem Sommer nach streng festgelegten Regeln assistierten Suizid für unheilbar kranke Menschen mit unerträglichen Leiden. Leo lehnt die Regelung ebenso ab wie das Recht auf Abtreibung.
Warnung vor Technik ohne Verantwortung
Der Papst warnte außerdem davor, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln. Er nannte Genmanipulationen, Leihmutterschaft, Organhandel und das Angebot eines geplanten Todes als Beispiele. Angesichts der Debatte über Künstliche Intelligenz warnte er vor einem „Paradies der Maschinen“.
Vor Macron sagte Leo zudem: „Die Suche nach Frieden an allen Fronten ist eine essenzielle Notwendigkeit.“ Frankreichs Präsident erklärte, angesichts des Leids in der Welt verspürten viele Menschen im Land Hoffnung durch den Besuch.
Französische Wurzeln des US-Papstes
Leo XIV., der mit bürgerlichem Namen Robert Prevost heißt, ist seit dem vergangenen Jahr im Amt und hält sich bis Montag erstmals in Frankreich auf. Seine Familie hat französische Wurzeln; seine Großmutter stammt aus der Normandie.
Mit der „neuen Brüderlichkeit“ griff der Papst den offiziellen französischen Leitspruch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ auf, der auf die Französische Revolution von 1789 zurückgeht. Frankreich gilt wegen der Taufe des fränkischen Königs Chlodwig im fünften Jahrhundert als „älteste Tochter“ der katholischen Kirche.
Strikte Trennung von Kirche und Staat
In Frankreich gilt – mit Ausnahme einiger Regionen im Osten – seit mehr als einem Jahrhundert eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Es gibt keine Kirchensteuer, an staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht. Weniger als ein Drittel der 69 Millionen Einwohner bekennt sich heute zum katholischen Glauben.
Nach seinem Besuch bei der Unesco war am Abend ein Vespergottesdienst mit 80.000 Teilnehmern im Stade de France im Vorort Saint-Denis geplant. Für die Messe am Samstag auf der Place de la Concorde unterhalb der Champs-Élysées haben sich mehr als eine halbe Million Menschen angemeldet. Frankreich erwartet zu den Gottesdiensten insgesamt Hunderttausende.
Lourdes, Metz und Treffen mit Missbrauchsopfern
In Lourdes will sich Leo mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche treffen. In Metz nahe der deutsch-französischen Grenze ist eine Rede über Europa vorgesehen. Einen Termin für eine Deutschland-Reise gibt es bislang nicht; der Papst hat jedoch mehrere Einladungen erhalten.
Wegen des Besuchs sind 14.000 Beamte im Einsatz. In Paris waren bereits am Morgen zahlreiche Straßen gesperrt. Bei Leos Ankunft auf dem Flughafen Orly läuteten landesweit die Kirchenglocken; Tausende Menschen standen am Straßenrand.
Laizität prägt den politischen Rahmen
Der Besuch fällt in ein Land, dessen Verhältnis zu Religion und Staat besonders strikt geregelt ist. Die französische Laizität trennt öffentliche Institutionen grundsätzlich von religiösen Bindungen. Zugleich bleibt die katholische Kirche historisch und kulturell präsent – von der Taufe Chlodwigs bis zu den großen Wallfahrtsorten und Kathedralen.
Politisch trifft Leo XIV. auf Entscheidungen, die der Vatikan ablehnt. Frankreich hat das Recht auf Abtreibung 2024 in der Verfassung verankert; seit Sommer 2026 erlaubt ein Gesetz unter engen Voraussetzungen assistierten Suizid. Die päpstliche Forderung nach einem umfassenden Lebensschutz richtet sich damit nicht nur an Gläubige, sondern berührt zentrale Grundsatzfragen des französischen Staates.
Religiöse Mobilisierung und europäische Botschaft
Der erwartete Andrang zeigt zugleich, dass sinkende kirchliche Bindung nicht mit gesellschaftlicher Bedeutungslosigkeit gleichzusetzen ist. Hunderttausende Menschen werden zu Gottesdiensten und Begegnungen erwartet. Für Besucher in Paris bedeutet der Papstbesuch erhebliche Einschränkungen durch Sperrungen und Sicherheitsmaßnahmen.
Mit Lourdes und Metz reicht die Reise über die Hauptstadt hinaus. Das Treffen mit Missbrauchsopfern stellt die Kirche ihrer eigenen Verantwortung, während die Europa-Rede den Blick auf Frieden und Einheit lenken soll. Damit verbindet der Besuch religiöse Fragen mit Themen, die angesichts internationaler Konflikte auch für die europäische Politik relevant sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestätige, dass Macron an den Messen nicht teilnehme, und ordne dies vor allem im Spannungsfeld von staatlicher Laizität und religiösem Programm ein. Zugleich hebe er hervor, dass Macron den Papst bei politischen Terminen empfange; als offen stelle der Artikel dar, ob die Trennung von diplomatischen und religiösen Anlässen abgesprochen worden sei.
Frankfurter Rundschau: „Macron bleibt Papstmesse fern – weil der Vatikan ihn abblitzen ließ“ (23.09.2026)
Der Artikel bestätige den viertägigen Besuch und den Schwerpunkt auf Paris, Lourdes und Metz, setze den Akzent jedoch stärker auf das angespannte Verhältnis zwischen Élysée und Vatikan. Er führe Macrons Verfassungsänderung zum Abtreibungsrecht und das neue Sterbehilfegesetz als mögliche politische Konfliktlinien an und ergänze Angaben zu geplanten Begegnungen mit Missbrauchsopfern.
Beide Berichte stellten den Besuch als Verbindung religiöser Großveranstaltungen und politischer Gespräche dar; unterschiedlich bewerteten sie vor allem die Gründe für Macrons Fernbleiben von den Messen.
