Papst Leo XIV. warnt in Metz vor Zukunftsangst und Europas Abschottung
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPapst Leo XIV. hat Europas Jugend am letzten Tag seines Frankreich-Besuchs in Metz aufgefordert, sich von Krisen und Konflikten nicht entmutigen zu lassen.
Warnung vor rauerem Umgang
«Habt keine Angst vor der Zukunft!», mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Zugleich beklagte er, der Umgang zwischen Staaten und Menschen werde immer barbarischer. Das gegebene Wort werde missachtet, während Lüge und Täuschung gerühmt würden.
Leo nannte keine Politiker oder Länder. Im Beisein des französischen Staatschefs Emmanuel Macron forderte er Europa auf, eine «Abwärtsspirale» zu stoppen und seine Werte kreativ neu zu entdecken.
Metz erinnert an die Anfänge der EU
Für Metz als letzte Station seiner Reise entschied sich der Papst auch wegen Robert Schuman. Der französische Politiker und spätere Mitbegründer der europäischen Einigung stammte aus der Stadt und legte nach dem Zweiten Weltkrieg als Außenminister wichtige Grundlagen für die heutige EU.
Leo verwies auf die vergangenen 80 Jahre, in denen Europa unterschiedliche Interessen durch Begegnung statt durch Bekämpfung zusammengeführt habe. Zuvor war er in Paris und Lourdes bei Gottesdiensten unter freiem Himmel von mehr als einer Million Menschen begrüßt worden.
Appell zu Aufnahme und Integration
Der Papst warnte vor einer Abschottung Europas und verlangte «ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse» für Kriegs- und Armutsflüchtlinge. Wer einen Menschen aufnehme, müsse ihn wie ein Familienmitglied integrieren und ihm ermöglichen, seine Fähigkeiten zu entfalten. Zugleich gehöre dazu, dass sich der Ankömmling «in den Geist des Hauses» einfüge.
Auch die Langsamkeit Europas sprach Leo an. Das Vertrauen in die eigene Fähigkeit zu Fortschritten dürfe nicht verloren gehen, selbst wenn die Schritte klein und kaum sichtbar seien.
Ukrainekrieg als «sinnloses Gemetzel»
Den seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg in der Ukraine bezeichnete Leo als «sinnloses Gemetzel». Europa dürfe nicht der «Illusion der Wiederaufrüstung» nachgeben, sondern müsse kreative Anstrengungen für den Weltfrieden unternehmen.
Zum Abschluss rief der Papst junge Menschen auf, sich nicht der Logik von Gewalt und Unterdrückung zu unterwerfen. Sie sollten das Leben lieben und keine Angst davor haben, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen.
Rückkehr nach Rom
Macron hatte zu der Europa-Rede auch Staats- und Regierungschefs der EU eingeladen, was jedoch kaum auf Resonanz stieß. Aus Deutschland nahm die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger teil. Am Nachmittag war in der Kathedrale von Metz noch eine Messe geplant, an der Macron überraschend teilnehmen wollte.
Am Abend sollte Leo XIV. nach Rom zurückfliegen. Seine nächste größere Reise führt ihn im November für zehn Tage nach Südamerika. Geplant sind Stationen in Uruguay, Argentinien und Peru, wo er vor seiner Wahl zum Papst als Missionar und Bischof tätig war.
Metz als europäischer Erinnerungsort
Die Wahl von Metz verknüpft die päpstliche Rede mit der Entstehung der europäischen Einigung. Robert Schuman, der in Metz geboren wurde, legte als französischer Außenminister 1950 mit seinem Plan für eine gemeinsame Verwaltung von Kohle und Stahl einen wichtigen Grundstein der späteren Europäischen Union. Leo XIV. stellte diese Geschichte als Beleg dafür heraus, dass politische Gegensätze durch Zusammenarbeit und nicht durch Konfrontation überwunden werden können.
Seine Warnung vor Abschottung fällt in eine Phase, in der europäische Staaten zugleich über Migration, Grenzkontrollen und die Integration Schutzsuchender streiten. Der Papst verband die Forderung nach Aufnahme ausdrücklich mit Integrationsleistungen der Ankommenden. Damit beschrieb er kein rein offenes Modell, sondern einen gegenseitigen Prozess: Schutz und Teilhabe auf der einen, das Einfügen in die Gesellschaft auf der anderen Seite.
Friedensappell im Schatten des Ukrainekriegs
Mit der Bezeichnung des Ukrainekriegs als «sinnloses Gemetzel» und seiner Warnung vor einer «Illusion der Wiederaufrüstung» positionierte sich Leo gegen eine politische Logik, die Sicherheit vor allem militärisch denkt. Europas Staaten stehen jedoch vor dem Dilemma, ihre Verteidigungsfähigkeit angesichts des anhaltenden russischen Angriffs zu stärken und zugleich Wege zu Verhandlungen offenzuhalten. Die Rede richtet sich deshalb nicht nur an Jugendliche, sondern an die europäische Politik insgesamt.
Für die Zuhörer in Deutschland ist die Botschaft besonders nah: Metz liegt unweit der Grenze, und mit Anke Rehlinger nahm eine deutsche Regierungschefin an dem Termin teil. Die Rede verbindet damit europäische Erinnerung, aktuelle Sicherheitsfragen und die Suche nach einem gesellschaftlichen Umgang mit Migration.
