Paraguay: Präsident Peña tritt wegen Bankenkrise zurück
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 18:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUeno-Krise trifft Paraguays Finanzsystem
- Die Zentralbank leitete ein Abwicklungsverfahren gegen die Digitalbank Ueno ein.
- Peña war bis März 2025 an der Muttergesellschaft der Bank beteiligt.
- In Asunción protestierten Menschen wegen eingefrorener Konten und ausbleibender Zugriffe.
Rücktritt inmitten der Ueno-Bankenkrise
Paraguays Präsident Santiago Peña hat inmitten einer schweren Bankenkrise seinen Rücktritt erklärt. In einer Fernsehansprache begründete er den Schritt mit dem Interesse an der Stabilität des Landes.
Abwicklung der Digitalbank
Die Zentralbank leitete gegen die Digitalbank Ueno ein Abwicklungsverfahren ein, nachdem deren Eigenkapitalquote unter 50 Prozent des vorgeschriebenen Mindestwerts gefallen war. Danach konnten Kunden zeitweise nicht auf ihre Konten zugreifen.
Peña sagte, für ihn habe die Ruhe der Paraguayer Priorität, die ihre Ersparnisse dem Finanzsystem anvertraut hätten. Er äußerte zudem den Wunsch, dass die Auszahlung der Gelder garantiert werde, und bat das paraguayische Volk um Entschuldigung, falls er Fehler gemacht habe.
Vorwürfe wegen früherer Geschäftsbeziehungen
Der Präsident stand wegen seiner früheren geschäftlichen Verbindung zu Ueno in der Kritik. Bis März 2025 war er an der Muttergesellschaft der Bank beteiligt. Vorwürfe möglicher Interessenkonflikte hatte Peña bereits zuvor zurückgewiesen.
Die Opposition beantragte ein laufendes Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten. Auch Zentralbankchef Carvallo musste zuvor zurücktreten, nachdem ihm wegen seiner früheren leitenden Tätigkeit bei der Digitalbank ein Interessenkonflikt vorgeworfen worden war.
2,8 Millionen Kunden betroffen
Ueno hatte nach eigenen Angaben im ersten Quartal dieses Jahres 2,8 Millionen Kunden. Das entsprach rund 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Paraguays und machte die Bank zu einem der größten Institute des Landes.
Über die derzeit eingefrorenen Konten wurden auch Rentenzahlungen abgewickelt. In der Hauptstadt Asunción kam es zu Straßenprotesten.
Der Rücktritt fällt in eine Krise, die den Finanzsektor und die politische Führung Paraguays zugleich erfasst. Auslöser ist das Abwicklungsverfahren gegen die Digitalbank Ueno, deren Eigenkapitalquote unter die Hälfte des vorgeschriebenen Mindestwerts gefallen war. Für die Kundinnen und Kunden bedeutete dies zeitweise, dass sie nicht auf ihre Konten zugreifen konnten.
Die Größenordnung erklärt die politische Sprengkraft: Ueno hatte nach eigenen Angaben 2,8 Millionen Kunden – rund 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Paraguays. Über die Bank liefen zudem Rentenzahlungen. Damit reicht die Krise über einzelne Sparer hinaus und berührt die soziale Absicherung sowie das Vertrauen in die staatliche Finanzaufsicht.
Politische Verantwortung und Finanzstabilität
Peñas frühere Beteiligung an der Muttergesellschaft der Bank verstärkte die Kritik. Die Opposition beantragte ein Amtsenthebungsverfahren und stellte mögliche Interessenkonflikte in den Mittelpunkt. Auch der Rücktritt des Zentralbankchefs wegen seiner früheren Tätigkeit bei Ueno verschärfte den Eindruck institutioneller Verflechtungen.
Für Paraguay stehen nun zwei Aufgaben parallel an: Die Behörden müssen die Auszahlung der Kundengelder organisieren und zugleich Verantwortlichkeiten im Bankensektor klären. Straßenproteste in Asunción zeigen, dass jede Verzögerung die politische Krise weiter verschärfen kann. Für Bürgerinnen und Bürger sind kurzfristig vor allem der Zugang zu Ersparnissen, laufende Rentenzahlungen und die Stabilität des Finanzsystems entscheidend.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Bankenpleite stürzt Paraguay in eine Krise“ (05.11.2026)
Der Beitrag ordnet den Kollaps als finanzielle und politische Krise ein und hebt die eingefrorenen Konten, blockierte Rentenzahlungen sowie Peñas frühere Verbindung zur Bank hervor. Anders als die dpa-Meldung nennt er zusätzlich geplante Auszahlungen und Ermittlungen gegen Bankmanager.
Euronews: „Paraguay: Kollaps der Ueno Bank stürzt Regierung Peña in Krise“ (05.11.2026)
Der Bericht schildert die Auswirkungen auf Kunden und Proteste in Asunción ausführlich und stellt die politische Verantwortung Peñas in den Mittelpunkt. Gemeinsam ist den Beiträgen die Einschätzung, dass der Bankenkollaps über den Finanzsektor hinausreicht; offen bleibt, wie schnell die Gelder ausgezahlt und die Verantwortlichkeiten geklärt werden.
