Juristischer Erfolg fĂŒr Trump passend zur KĂŒr als Kandidat
15.07.2024 - 18:28:57 | dpa.deKurz vor seiner KĂŒr zum PrĂ€sidentschaftskandidaten der Republikaner beim Parteitag in Milwaukee hat Donald Trump einen gewaltigen juristischen Sieg eingefahren. In der AffĂ€re um die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente stellte die zustĂ€ndige Richterin Aileen Cannon das Strafverfahren gegen Trump ein, wie sie kurz vor dem Start der Parteiversammlung bekanntgab. Der juristische Paukenschlag gibt dem Ex-PrĂ€sidenten weiteren RĂŒckenwind im Wahlkampf.Â
Nachdem Trump ein Attentat am Samstag leicht verletzt ĂŒberstanden hat, inszeniert sich der 78-JĂ€hrige mehr denn je als starker AnfĂŒhrer fĂŒr das Land, der selbst durch eine bewaffnete Attacke nicht zu stoppen ist. Der demokratische US-PrĂ€sident Joe Biden warnte nach dem Angriff auf seinen Kontrahenten vor weiterer politischer Gewalt und rief die Amerikaner zum Zusammenhalt auf. Auch Trump warb fĂŒr Einheit - und forderte als Zeichen dafĂŒr, dass auch die anderen Strafverfahren gegen ihn fallen gelassen werden sollten.
Richterin stellt Verfahren in Dokumenten-AffÀre ein
Trump wurde in vier verschiedenen Verfahren angeklagt, als erster Ex-PrĂ€sident in der Geschichte der USA. In einem wurde er bereits verurteilt - wegen illegal verbuchter Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar. Damit bestreitet er den PrĂ€sidentschaftswahlkampf als verurteilter StraftĂ€ter.Â
In den anderen drei FĂ€llen kam es bislang nicht zum Prozess. Dass das Verfahren zur Dokumenten-AffĂ€re in Miami im Bundesstaat Florida nun vor einem Prozessauftakt eingestellt werden soll, kommt ĂŒberraschend.
Richterin Cannon begrĂŒndete die Entscheidung mit Zweifeln an der rechtmĂ€Ăigen Ernennung des Sonderermittlers in dem Fall. Sonderermittler Jack Smith kann Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Klar ist, dass sich ein Prozessbeginn damit verschiebt, weil die aufgeworfenen juristischen Fragen zunĂ€chst geklĂ€rt werden mĂŒssen. Das ist ganz im Sinne Trumps, der mit allen Mitteln versucht, seine juristischen Probleme zu verschleppen.Â
Hausdurchsuchung bei Trump vor zwei Jahren
Trump war in der Dokumenten-AffĂ€re im vergangenen Jahr auf Bundesebene angeklagt worden. Ihm wird in diesem Fall die gesetzeswidrige Aufbewahrung höchst sensibler Informationen aus seiner Zeit als PrĂ€sident (2017 bis 2021) vorgeworfen.Â
Im August 2022 hatte die Bundespolizei FBI Trumps Villa in Florida durchsucht und mehrere als streng geheim eingestufte Dokumenten-SĂ€tze beschlagnahmt. Vorgeworfen wird Trump auch eine Verschwörung zur Behinderung der Ermittlungen: So soll er versucht haben, mithilfe von Mitarbeitern Material aus Ăberwachungskameras verschwinden und Kisten mit Dokumenten wegschaffen zu lassen.Â
Trump plĂ€dierte bei der Vorstellung der Anklage in Miami im vergangenen Jahr auf «nicht schuldig». Seine AnwĂ€lte versuchten, das Verfahren mit diversen AntrĂ€gen zu stoppen. Richterin Cannon wurde einst von Trump ernannt. Kritiker warfen ihr in den vergangenen Monaten vor, das Verfahren zu verschleppen und AntrĂ€ge in Zeitlupe zu bearbeiten.Â
Supreme-Court-Richter lieferte Vorlage
Vor einigen Wochen hatte Trump in einem anderen Fall vor dem Supreme Court einen Erfolg eingefahren. Das Oberste Gericht entschied, dass Trump fĂŒr Handlungen im PrĂ€sidentenamt weitgehenden Schutz vor Strafverfolgung genieĂt. Die Entscheidung hatte zunĂ€chst nicht direkt etwas mit der Einstellung des Verfahrens in Miami zu tun, aber möglicherweise indirekt.Â
Supreme-Court-Richter Clarence Thomas hatte in einer Stellungnahme zu dem ImmunitĂ€ts-Urteil geschrieben, dass Sonderermittler Smith, der auch einen anderen Fall gegen Trump leitet, nicht rechtmĂ€Ăig ernannt sei und deshalb keine Befugnis habe, Trump anzuklagen. In dem Verfahren in Miami hatten Trumps AnwĂ€lte genau dieses Argument, das von vielen Fachleuten zurĂŒckgewiesen wird, vorgebracht.Â
Trump reagierte erfreut auf Cannons Entscheidung. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, da das Land nach dem Attentat auf ihn nun zusammenrĂŒcke, sollte dies «nur der erste Schritt» sein, schnell gefolgt von der Einstellung aller Verfahren gegen ihn.
GroĂe Krönungsmesse fĂŒr Trump
Der Republikaner soll beim Parteitag in Milwaukee offiziell als Kandidat fĂŒr die Wahl Anfang November nominiert werden. Dies wurde fĂŒr Montagabend deutscher Zeit erwartet. Der Schritt ist nur eine Formalie. Seine mit Spannung erwartete Rede dort wird Trump erst in der deutschen Nacht zu Freitag halten.
Der Ex-PrĂ€sident sagte in einem Interview der Boulevardzeitung «New York Post», nach dem Attentat habe er seine ursprĂŒnglich geplante und gegenĂŒber der Regierung «extrem harte Rede» verworfen. Er wolle stattdessen versuchen, das Land zu einen. «Aber ich weiĂ nicht, ob es möglich ist. Die Menschen sind sehr gespalten.»
Die politische Stimmung in den USA ist seit Jahren aufgeheizt. Drohungen gegen AmtstrĂ€ger und demokratische Institutionen im Land nehmen zu. Das Attentat auf Trump bestĂ€tigte die dĂŒstersten BefĂŒrchtungen, dass die Gewalt im laufenden Wahlkampf eskalieren könnte.Â
Angst vor weiterer Gewalt nach Attentat auf Trump
Ein Mann hatte am Samstag bei einer Wahlkampfrede im Bundesstaat Pennsylvania auf Trump geschossen und ihn am Ohr verletzt. Der TĂ€ter, laut Bundespolizei FBI ein 20 Jahre alter Mann aus der Region, wurde von SicherheitskrĂ€ften getötet. Das Motiv ist noch unklar. Es steht die Frage im Raum, ob die Veranstaltung und Trump ausreichend geschĂŒtzt waren. US-Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas sprach von einem Sicherheitsversagen.Â
Bei der Attacke auf Trump wurde ein Zuschauer getötet, zwei weitere wurden schwer verletzt. Der Ex-PrĂ€sident zeigte sich im GesprĂ€ch mit der «New York Post» dankbar, dass er selbst den Angriff ĂŒberlebte. «Ich sollte tot sein», sagte er. «Durch GlĂŒck oder durch Gott - und viele Leute sagen, es war Gottes Werk - bin ich noch hier.»
Biden verurteilte die Attacke scharf und nahm sie zum Anlass, sich direkt aus dem Oval Office an die Nation zu wenden und zum Zusammenhalt aufzurufen. Die politische Debatte im Land sei sehr hitzig geworden, sagte der PrĂ€sident bei einer seltenen Ansprache aus seinem Amtszimmer im WeiĂen Haus. «Es ist Zeit, sie abzukĂŒhlen», mahnte er. «Wir alle haben die Verantwortung, das zu tun.» Gewalt sei nie eine Lösung. «Wir lösen unsere Meinungsverschiedenheiten an der Wahlurne. So machen wir es - an der Wahlurne, nicht mit Kugeln.» Ob es mit diesem Wunsch klappen wird, und wie lange eine mögliche MĂ€Ăigung der bislang teils bitterbösen Rhetorik im Wahlkampf anhalten wird, ist aber fraglich.
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