Polizei, TrÀnengas

Polizei verhindert mit TrÀnengas Mai-Marsch in Istanbul

01.05.2024 - 12:36:13

TrÀnengas, Gerangel mit der Polizei und Festnahmen - in Istanbul verhindern Polizisten einen Marsch anlÀsslich des 1. Mai zum Taksim-Platz. Demonstrationen sind dort verboten - der Ort hat Symbolkraft.

Die tĂŒrkische Polizei hat in der Millionenmetropole Istanbul einen Protestmarsch anlĂ€sslich des Maifeiertags zum symbolisch wichtigen Taksim-Platz verhindert. Sie setzten dabei am Mittwoch TrĂ€nengas gegen Protestierende ein, wie Aufnahmen des Senders CNN TĂŒrk zeigten. Es war auch Gerangel zwischen Demonstranten und Polizei zu sehen. SicherheitskrĂ€fte blockierten in mehreren Reihen den Weg vom Stadtteil Sarachane zum mehrere Kilometer entfernten Taksim-Platz. Nach Angaben von Innenminister Ali Yerlikaya wurden 210 Menschen festgenommen. 

Die Behörden hatten ein Demonstrationsverbot fĂŒr den Taksim-Platz erlassen und sperrten das Zentrum großrĂ€umig ab. Sie begrĂŒndeten dies unter anderem mit Sicherheitsbedenken. Amnesty International nannte diese BegrĂŒndung «fadenscheinig» und forderte mit Verweis auf ein Urteil des Verfassungsgerichts eine Aufhebung des Verbots. 

Das Verfassungsgericht hatte Ende vergangenen Jahres entschieden, dass ein Demonstrationsverbot am Taksim-Platz das Recht auf friedliche Versammlung verletze. OppositionsfĂŒhrer ÖzgĂŒr Özel bezeichnete das Verbot als beschĂ€mend und verwies darauf, dass die Urteile des Verfassungsgerichts bindend seien. 

Taksim-Platz als symboltrÀchtiger Ort

Der Taksim-Platz im Zentrum Istanbuls ist fĂŒr Gewerkschaften und Opposition symbolisch wichtig: Gewerkschaftler wollen mit einer Versammlung dort an den 1. Mai 1977 erinnern. Damals hatten HeckenschĂŒtzen auf eine Demonstration am Taksim-Platz mit rund 500.000 Teilnehmern geschossen und zahlreiche Menschen getötet. 

FĂŒr Regierungsgegner ist der Platz ebenfalls zum Symbol geworden, weil die regierungskritischen Gezi-Proteste 2013 dort ihren Ausgang nahmen. Die Proteste richteten sich damals zunĂ€chst gegen die Bebauung des Gezi-Parks, der neben dem Taksim-Platz liegt. Sie weiteten sich aus zu landesweiten Demonstrationen gegen den damaligen MinisterprĂ€sidenten und heutigen StaatsprĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan. Der ließ die Proteste niederschlagen. Regierungskritische Versammlungen auf dem Taksim-Platz sind seitdem nicht mehr erlaubt.

@ dpa.de