Columbia-UniversitÀt, Protesten

Columbia-UniversitÀt droht wegen Protesten mit Rauswurf

01.05.2024 - 03:16:04

PolizeieinsÀtze, Festnahmen und ein besetztes GebÀude: An US-UniversitÀten spitzt sich die Lage um propalÀstinensische Proteste zu.

PropalĂ€stinensischen Demonstrierenden droht nach der Besetzung eines GebĂ€udes der New Yorker Elite-UniversitĂ€t Columbia der Rausschmiss. Man habe sehr deutlich gemacht, «dass die Arbeit der UniversitĂ€t nicht endlos durch Demonstranten gestört werden kann, die gegen die Regeln verstoßen. Wenn dies weiterhin geschieht, wird dies klare Konsequenzen nach sich ziehen», hieß es in einer Stellungnahme der Hochschule.

Den Dutzenden Studierenden, die die Hamilton Hall besetzt hielten, drohe der Ausschluss. Auch das Weiße Haus ĂŒbte deutliche Kritik am Vorgehen der Demonstrantinnen und Demonstranten, die gegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg und die UnterstĂŒtzung des jĂŒdischen Staates durch die US-Regierung protestieren.

Die seit knapp zwei Wochen andauernden Proteste an der UniversitĂ€t in der liberalen OstkĂŒstenmetropole New York waren eskaliert. Demonstrierende drangen in die Hamilton Hall auf dem Campus im Norden Manhattans ein, die schon 1968 wĂ€hrend eines Protests gegen den Vietnam-Krieg besetzt worden war.

Protestwelle im ganzen Land

Auch andere UniversitÀten sind lÀngst von der Protestwelle erfasst worden. Laut US-Medien wurden seit Beginn der Unmutsbekundungen im ganzen Land mehr als 1000 Demonstranten vorlÀufig festgenommen - gestern griff die Polizei unter anderem in den Bundesstaaten Kalifornien, Georgia und North Carolina ein.

Am Montag hatte die Columbia-UniversitĂ€t angekĂŒndigt, Studentinnen und Studenten zu suspendieren, sollten sie ein Protestcamp auf dem UniversitĂ€tsgelĂ€nde nicht bis zum Nachmittag verlassen. Doch das Gegenteil geschah: Auf Videos vom Campus war zu sehen, wie Vermummte mit schwarz-weißen PalĂ€stinensertĂŒchern Fenster einschlagen und den Eingang der Hamilton Hall mit StĂŒhlen und Tischen verbarrikadieren. Nach Angaben der Studierendenzeitung «Columbia Spectator» drangen mehrere Dutzend Protestierende in das GebĂ€ude ein, wĂ€hrend Hunderte weitere davor demonstrierten.

Die Studierendengruppen «Columbia Students for Justice in Palestine» und «Columbia University Apartheid Divest» kĂŒndigten an, die Hamilton Hall nicht zu verlassen, bis ihre Forderungen erfĂŒllt wĂŒrden. «Ein GebĂ€ude zu besetzen, ist ein geringes Risiko im Vergleich zum tĂ€glichen Widerstand der PalĂ€stinenser im Gazastreifen», hieß es in einer auf der Plattform X, frĂŒher Twitter, verbreiteten Stellungnahme. Die Demonstrierenden kritisieren das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und fordern SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern. Außerdem verlangen sie von der Hochschule, finanzielle Beziehungen mit Israel zu kappen. Die UniversitĂ€t lehnte das bisher ab.

UN-GeneralsekretĂ€r: Freie MeinungsĂ€ußerung muss möglich sein

Auch die US-Regierung reagierte auf die Besetzung wĂ€hrend der Nacht: «Die gewaltsame Übernahme eines GebĂ€udes auf dem Campus ist der absolut falsche Weg. Das ist kein Beispiel fĂŒr friedlichen Protest», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby. Ein kleiner Prozentsatz von Studierenden sollte nicht in der Lage sein, die akademische Ausbildung aller zu stören. «Studenten, die fĂŒr ihren UniversitĂ€tsbesuch bezahlen und eine Ausbildung anstreben, sollten dieser ungestört folgen können, und sie sollten sich dabei sicher fĂŒhlen können», sagte Kirby. Hassrede und Symbole des Hasses hĂ€tten in den USA keinen Platz.

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres wandte sich ebenfalls gegen Hassrede, betonte aber auch, dass freie MeinungsĂ€ußerung möglich sein mĂŒsse. Die UniversitĂ€ten sollten ihre Weisheit nutzen, um angemessen mit der Situation umzugehen.

Kritik an New Yorker Polizei

Vor knapp zwei Wochen hatte ein Einsatz der New Yorker Polizei an der Columbia-UniversitĂ€t fĂŒr Aufsehen und Kritik gesorgt, in der Folge kam es an Dutzenden UniversitĂ€ten in den USA zu Protesten und der Errichtung von Zeltlagern. Einigen Demonstrierenden wird Antisemitismus und die Verharmlosung der islamistischen Hamas vorgeworfen, deren Ziel die Vernichtung des Staates Israel ist.

Israels PrĂ€sident Izchak Herzog nannte die «entsetzlichen antisemitischen Aktionen» an der UniversitĂ€t Columbia zutiefst beunruhigend. «Die amerikanische Wissenschaft muss sich der Bedrohung bewusst werden», schrieb Herzog auf der Plattform X. Er sprach von «einer klaren und gegenwĂ€rtigen Gefahr fĂŒr die akademische Freiheit und fĂŒr das Leben der Juden auf dem Campus». Herzog forderte, antisemitische Aktionen auf dem Campus zu unterbinden.

Die Hamas und andere islamistische Gruppen hatten bei ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres etwa 1200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte darauf mit einer Bodenoffensive und Luftangriffen auf das KĂŒstengebiet. In der Folge wurden nach - unabhĂ€ngig kaum zu verifizierenden - Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde seit Kriegsbeginn etwa 34 500 Menschen getötet.

@ dpa.de