USA wollen sich fĂĽr Jahre Zugriff auf Venezuelas Ă–l sichern
08.01.2026 - 15:16:01Die USA wollen sich langfristig den Zugriff auf venezolanisches Erdöl sichern. Präsident Donald Trump erwarte, dass die Vereinigten Staaten über Jahre hinweg Venezuela führen und die riesigen Ölreserven dort fördern werden, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf ein Gespräch mit dem US-Präsidenten. Die venezolanische Führung sei bereit, alles zu geben, was die US-Regierung für notwendig halte, habe Trump weiter gesagt.
Venezuelas geschäftsfĂĽhrende Präsidentin Delcy RodrĂguez wies den Druck aus Washington hingegen zurĂĽck. «Wir haben uns der wirtschaftlichen Aggression nicht gebeugt und werden uns auch keiner anderen Art von Aggression beugen», sagte sie. Vielmehr strebt die neue FĂĽhrung in Caracas eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Beziehungen des sĂĽdamerikanischen Landes an. «Wir reichen allen Ländern der Welt die Hand, um die Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Handelskooperationen und die Zusammenarbeit im Energiebereich auszubauen», sagte RodrĂguez.Â
Ă–lexport ist wichtigste Devisenquelle fĂĽr Venezuela
Trump hatte schon zuvor AnsprĂĽche auf die Einnahmen aus dem Export venezolanischen Ă–ls angemeldet. Das sĂĽdamerikanische Land verfĂĽgt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) ĂĽber die größten Ă–lreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik raffiniert werden kann. An der US-GolfkĂĽste sind mehrere Raffinerien auf solches Rohöl spezialisiert.Â
Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag derzeit recht niedrig – vor 20 Jahren wurden noch fast 3 Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Dennoch ist Öl die wichtigste Devisenquelle des Landes. Zuletzt war China der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl.
Der Wiederaufbau der maroden venezolanischen Ölindustrie dürfte nach Einschätzung von Experten Jahre dauern und Investitionen in Milliardenhöhe erfordern. Das räumte auch Trump in dem Interview ein. «Wir werden es auf sehr gewinnbringende Weise wiederaufbauen», sagte er über Venezuela. «Wir werden Öl nutzen, und wir werden Öl nehmen. Wir senken die Ölpreise und wir werden Venezuela Geld geben, das sie dringend brauchen.»
Caracas: Verhältnis zu USA mit Makel behaftet
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag Ziele in Venezuela angegriffen sowie Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau wegen angeblicher Drogengeschäfte gefangen genommen und auĂźer Landes gebracht. Die venezolanische Regierung verurteilte die Attacke als völkerrechtswidrige Aggression und warf Washington vor, es auf die gewaltigen Bodenschätze des Landes abgesehen zu haben. Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela sei nun mit einem Makel behaftet wie noch nie zuvor in der Geschichte, sagte RodrĂguez.
Die US-Regierung hatte zuvor deutlich gemacht, dass sie mit der Kontrolle über das venezolanische Ölgeschäft auch Druck auf die Regierung in Caracas ausüben will. Die Blockade von Öltankern sei ein «enormer Hebel», um politische Veränderungen in Venezuela herbeizuführen, sagte US-Außenminister Marco Rubio.
Politische Zukunft Venezuelas weiterhin unklar
Allerdings sind die Pläne der US-Regierung zur politischen Zukunft Venezuelas unklar. Trump äuĂźerte sich im Gespräch mit der «New York Times» beispielsweise nicht dazu, wann in Venezuela Wahlen stattfinden könnten und weshalb er sich nicht hinter die OppositionsfĂĽhrerin und Nobelpreisträgerin MarĂa Corina Machado stellt.
Gleich nach dem US-Angriff in Caracas hatte Trump gesagt, die Vereinigten Staaten wĂĽrden Venezuela nun vorĂĽbergehend fĂĽhren. Die geschäftsfĂĽhrende Präsidentin RodrĂguez betont allerdings immer wieder die Unabhängigkeit des Landes und das mächtige Militär hat sich öffentlich hinter die neue FĂĽhrungsriege in Caracas gestellt.
Russland verurteilt «illegale Gewaltaktion» im Nordatlantik
Am Mittwoch brachten die USA wegen «Verstößen gegen US-Sanktionen» zwei Schiffe auf, darunter einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik. Moskau bezeichnete den Einsatz als illegale Gewaltaktion. Das Vorgehen könne nur als grobe Verletzung der Grundprinzipien und Normen des internationalen Seerechts und auch der Freiheit der Schifffahrt interpretiert werden, hieß es in einer Mitteilung des russischen Außenministeriums. Die Bereitschaft Washingtons, akute internationale Krisensituationen zu provozieren, sei beunruhigend, unter anderem im Hinblick auf die ohnehin schon durch die Differenzen der vergangenen Jahre stark belasteten russisch-amerikanischen Beziehungen.
China warf den USA nach dem Einsatz im Nordatlantik Willkür vor. Die willkürliche Beschlagnahmung ausländischer Schiffe durch die USA in internationalen Gewässern sei ein schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking. China habe sich stets gegen «illegale einseitige Sanktionen» ausgesprochen, die keine Grundlage im Völkerrecht hätten und nicht vom UN-Sicherheitsrat genehmigt worden seien, erklärte sie.







