Grönland, DÀnemark

Beamter: Niemand wird USA wegen Grönland-Anspruch angreifen

06.01.2026 - 05:48:14

PrĂ€sident Trump will sich Grönland weiterhin als Teil der USA einverleiben. Einer seiner Top-Mitarbeiter deutet nun an, dass dafĂŒr noch nicht mal ein MilitĂ€reinsatz nötig wĂ€re.

Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses hat den US-Anspruch auf die Kontrolle ĂŒber das zu DĂ€nemark gehörende Grönland als «offizielle Position der US-Regierung» beschrieben. Auf die wiederholte Frage eines CNN-Moderators, ob die Regierung einen MilitĂ€reinsatz zur Einnahme Grönlands ausschließe, sagte US-PrĂ€sident Donald Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller: «Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militĂ€risch gegen die Vereinigten Staaten kĂ€mpfen. Das macht keinen Sinn.»

Die USA sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten «haben», betonte Miller. Der PrĂ€sident habe dies seit Beginn seiner Amtszeit vor knapp einem Jahr sehr klargemacht. Es gebe dabei ĂŒberhaupt keinen Bedarf, ĂŒber einen MilitĂ€reinsatz nachzudenken, sagte Miller CNN weiter. Die USA seien die wichtigste MilitĂ€rmacht der Nato und brĂ€uchten daher die Kontrolle ĂŒber Grönland, um die Arktisregion zu sichern und damit die Sicherheit des VerteidigungsbĂŒndnisses zu garantieren, argumentierte er. 

Miller stellte auch infrage, wieso das autonom verwaltete Grönland ĂŒberhaupt offiziell zum Nato-Partner DĂ€nemark gehört. «Nach welchem Recht hat DĂ€nemark die Kontrolle ĂŒber Grönland? Was ist die Grundlage ihres Gebietsanspruchs? Was ist die Grundlage dafĂŒr, Grönland als eine Kolonie DĂ€nemarks zu haben?» fragte er in dem CNN-Interview. 

DÀnemark: Wenn die USA ein Nato-Land angreifen, hört alles auf 

DĂ€nemark, seine skandinavischen Nachbarn, Großbritannien, Deutschland und auch die EU hatten am Montag den von Trump erneut angemeldeten US-Anspruch auf Grönland entschieden zurĂŒckgewiesen. FĂŒr die dĂ€nische Regierungschefin Mette Frederiksen herrscht kein Zweifel daran, dass Trump es ernst meint. «Er hat es immer wieder direkt und indirekt gesagt», sagte Frederiksen in einem Interview des dĂ€nischen Rundfunks. «Aber wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf», warnte sie. Das wĂ€re das Ende des westlichen VerteidigungsbĂŒndnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. 

«Wir sind uns in der Nato einig darin, die Sicherheit im hohen Norden zu verstĂ€rken.» Man könne aber nicht einfach hergehen und einen Teil des Territoriums eines anderen Landes ĂŒbernehmen, sagte Frederiksen. Auch Grönlands Regierung lehnt den US-Gebietsanspruch ab. Trump hat den Einsatz militĂ€rischer Gewalt zur Einverleibung Grönlands durch die USA in der Vergangenheit nicht ausgeschlossen.

Warum interessieren sich die USA fĂŒr Grönland? 

Grönland ist bedeutend fĂŒr das Weltklima, aber auch fĂŒr die militĂ€rische Kontrolle der Arktis. Die Insel liegt strategisch zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend fĂŒr die Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltenen Erden, vermutet. 

Das US-MilitĂ€r betreibt seit langem im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der grönlĂ€ndischen Hauptstadt Nuuk, einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt. Dieser unterstĂŒtzt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und WeltraumĂŒberwachungsmissionen. 

Die großteils von Eis bedeckte Insel Grönland ist flĂ€chenmĂ€ĂŸig etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Die grĂ¶ĂŸte Insel der Welt hat mehr als 44 000 Kilometer KĂŒste. In Grönland leben aber nur rund 57.000 Menschen. Bereits seit 1979 genießt die Insel weitgehende Autonomie innerhalb DĂ€nemarks. 

Beitrag von Millers Frau jĂŒngster Stein des Anstoßes 

Die jĂŒngsten diplomatischen Verstimmungen um Grönland schienen nach dem US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela zunĂ€chst von einem Social-Media-Beitrag ausgelöst worden zu sein. In einem Post auf X von Ex-Regierungsberaterin und Influencerin Katie Miller - die Frau des Vize-Stabschefs - war eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge zu sehen. Dazu schrieb sie in Großbuchstaben ein einziges Wort: «BALD».

@ dpa.de