Serbien, Parlament

Serbien wÀhlt neues Parlament

17.12.2023 - 16:09:30

PrĂ€sident Vucic lĂ€sst sein Volk gerne wĂ€hlen. Seine Übermacht im Lande ist erdrĂŒckend - auch bei der sechsten Parlamentswahl in zwölf Jahren. Die liberale Opposition ist dennoch nicht ohne Zuversicht.

Bei vorgezogenen Wahlen haben die BĂŒrger in Serbien am Sonntag ĂŒber ein neues Parlament entschieden. Bis zum frĂŒhen Nachmittag gaben 32,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die Wahlkommission in Belgrad mitteilte. Das waren um 0,8 Prozentpunkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor 17 Monaten. Damals hatten vorgezogene Parlamentswahlen zusammen mit einer regulĂ€ren PrĂ€sidentschaftswahl stattgefunden. Die Beteiligung an der Wahl im April 2022 hatte am Ende des Tages bei 59 Prozent gelegen.

Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag aufgerufen, die 250 Abgeordneten der Volksversammlung (Skupstina) zu wĂ€hlen. Die rechts-nationale Serbische Fortschrittspartei (SNS) von PrĂ€sident Aleksandar Vucic galt als klare Favoritin. Letzten Meinungsumfragen zufolge könnte sie auf bis zu 45 Prozent der Stimmen kommen. Zusammen mit ihrem langjĂ€hrigen Koalitionspartner, der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) von Außenminister Ivica Dacic, dĂŒrfte sie weiterhin die bestimmende Kraft im Land bleiben.

Die SPS kann nach diesen Angaben mit neun Prozent der Stimmen rechnen. Das liberale OppositionsbĂŒndnis «Serbien gegen Gewalt» lĂ€ge demnach bei einem Stimmenanteil von 24 Prozent. Ins Parlament einziehen könnte auch die eine oder andere rechtsextreme Partei. Mit einer parlamentarischen Vertretung rechnen können zudem die Parteien der ethnischen Minderheiten - Ungarn, Bosniaken, Albaner, Kroaten -, fĂŒr die die Sperrklausel von drei Prozent nicht gilt.

PrÀsident Vucic will Macht festigen

Vucic hatte das letzte Parlament nach nicht einmal zwei Jahren aufgelöst. Der PrÀsident, der seit 2012 in wechselnden Funktionen die Politik des Landes bestimmt, nutzt vorgezogene Wahlen immer wieder, um sich der LoyalitÀt seiner FunktionÀre und AnhÀnger zu versichern. Kritiker werfen ihm einen autoritÀren Regierungsstil vor.

Vucic missbraucht diesen Stimmen zufolge den Regierungsapparat, Polizei und Geheimdienste, um politische Konkurrenten wirtschaftlich zu ruinieren und in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Zugleich seien die Machthabenden um Vucic mit der organisierten KriminalitĂ€t im Bunde, lauten VorwĂŒrfe der Kritiker. TĂ€tliche Angriffe auf Oppositionelle wĂŒrden hĂ€ufig von SchlĂ€gertrupps aus diesem Milieu durchgefĂŒhrt.

Auslöser der vorgezogenen Wahl waren vor allem zwei AmoklĂ€ufe im Mai mit 18 Toten sowie Konflikte in dem seit 2008 unabhĂ€ngigen Kosovo. Serbien beansprucht seine einstige, heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Provinz weiterhin fĂŒr sich.

Protestbewegung gegen Vucic-Regierung

Die AmoklĂ€ufe im Mai hatten eine massive Protestbewegung gegen die Vucic-Regierung ausgelöst. Sie warf der Regierung und ihren Medien vor, ein Klima des Hasses und der Gewaltverherrlichung zu schĂŒren. Die liberale Opposition schloss sich infolgedessen zum WahlbĂŒndnis «Serbien gegen Gewalt» zusammen. Ihre Politiker und AnhĂ€nger hoffen darauf, bei gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen die Hauptstadt zu erobern. Ein Sieg in Belgrad und ein besseres Ergebnis im Landesschnitt als sonst wĂŒrden den Niedergang der Vucic-Herrschaft einleiten, glaubt die Opposition. 

GewĂ€hlt wurden am Sonntag auch die Abgeordnetenkammer der halbautonomen Nordprovinz Vojvodina sowie 65 von 197 Gemeindevertretungen im Land, darunter die in Belgrad. Die Wahllokale sollten um 20.00 Uhr MEZ schließen. Mit ersten Ergebnissen wurde am spĂ€ten Abend gerechnet.

@ dpa.de