PrÀsidentenwahl, Iran

PrÀsidentenwahl im Iran: Bewerber können sich anmelden

30.05.2024 - 09:30:05

Im Iran können sich Bewerber fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl am 28. Juni registrieren lassen. Der mĂ€chtige WĂ€chterrat entscheidet dann, ob sie ideologisch geeignet sind. Reformer hatten zuletzt das Nachsehen.

Im Iran können sich ab diesem Donnerstag Bewerber fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl in gut einem Monat registrieren lassen. DafĂŒr mĂŒssen sie in den kommenden fĂŒnf Tagen persönlich im Innenministerium erscheinen. Die Neuwahl ist notwendig geworden, weil der bisherigen Amtsinhaber Ebrahim Raisi am 19. Mai bei einem HubschrauberunglĂŒck ums Leben kam

Nachdem sich die Bewerber angemeldet haben, wird der sogenannte WÀchterrat innerhalb einer Woche entscheiden, ob sie ideologisch geeignet sind. Der Rat ist ein mÀchtiges Kontrollgremium, dem islamische Geistliche und Juristen angehören. Insbesondere Politiker des Reformlagers wurden in der Vergangenheit oft von einer Wahl ausgeschlossen. 

Eine BestĂ€tigung moderater Bewerber durch den WĂ€chterrat wĂ€re laut Beobachtern ein Zeichen dafĂŒr, dass das islamische Land einen neuen und offeneren Kurs einschlĂ€gt. Ansonsten wĂŒrden weiterhin die erzkonservativen KrĂ€fte oder die Hardliner die politische Zukunft des Landes bestimmen.

Zwei Wochen Zeit fĂŒr Wahlkampf

FĂŒr ihren Wahlkampf haben die vom WĂ€chterrat genehmigten Kandidaten dann zwei Wochen Zeit. Falls dann im ersten Durchgang der Wahl am 28. Juni niemand eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichen sollte, wird eine Woche spĂ€ter am 5. Juli eine Stichwahl ĂŒber den zukĂŒnftigen PrĂ€sidenten entscheiden.

Seit Raisis Tod brodelt im Land die GerĂŒchtekĂŒche ĂŒber mögliche Nachfolger. Gehandelt werden die Ex-PrĂ€sidenten Mohammed Chatami und Mahmud Ahmadinedschad oder der Spitzendiplomat und ehemalige Außenminister Mohammed-Dschawad Sarif. 

BestĂ€tigt sind bislang die Kandidaturen von Raisis Vize Mohammed Mochber sowie dem ehemaligen AtomchefunterhĂ€ndler Said Dschalili. Beide sind erzkonservativ und wĂŒrden mit großer Wahrscheinlichkeit Raisis Kurs weiterfĂŒhren. 

Medienberichten zufolge gilt auch eine Bewerbung des ehemaligen ParlamentsprÀsidenten Ali Laridschani, der als moderat-konservativ eingestuft wird, als sicher.

Bewerber aus dem Reformlager

Großes Interesse wecken die Bewerber des Reformlagers. Die Reformer bilden zwar die Opposition im Land, sie hatten aber in den vergangenen Jahren keinerlei politischen Einfluss. 

Laut Nachrichtenagentur Tasnim wird Mohsen Haschemi, der Sohn des verstorbenen Klerikers und einflussreichen Ex-PrÀsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani, als Spitzenkandidat der Reformer gehandelt. Der 62-JÀhrige hat den Bericht zwar nicht bestÀtigt, aber auch nicht dementiert. 

Es wird sich zeigen, ob Bewerber aus dem Reformlager ĂŒberhaupt fĂŒr die Wahl zugelassen werden oder ob der WĂ€chterrat, wie 2021, ihre Bewerbungen schon im Vorfeld aus ideologischen ErwĂ€gungen ablehnt.

@ dpa.de