Russland, Deutschland

VieraugengesprÀch im Kreml: Schröders Rolle weiter offen

05.06.2026 - 22:31:48 | dpa.de

Putin brachte Ex-Bundeskanzler Schröder als möglichen «neutralen Vermittler» zwischen der EU und Russland ins GesprÀch. Nun kam es zu einem VieraugengesprÀch im Kreml. Wie kann es weitergehen?

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kremlchef Wladimir Putin hatten nach russischen Angaben ein VieraugengesprÀch. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kremlchef Wladimir Putin hatten nach russischen Angaben ein VieraugengesprÀch. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Vor dem Hintergrund von möglichen Sondierungen zwischen der EU und Russland hat sich der russische PrĂ€sident Wladimir Putin nach Kreml-Angaben zu einem VieraugengesprĂ€ch mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) getroffen. «Ja, sie haben sich getroffen. Es war ein gutes GesprĂ€ch», sagte der außenpolitische Berater Putins, Juri Uschakow, der Agentur Interfax. Zum Inhalt und dabei möglichen Perspektiven fĂŒr Verhandlungen zwischen Russland und der EuropĂ€ischen Union konnte er keine Angaben machen. Das Treffen fand demnach im Kreml in Moskau statt. 

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind seit dem russischen Einmarsch in das Nachbarland Ukraine 2022 und der UnterstĂŒtzung Kiews durch BrĂŒssel zerrĂŒttet.

Putin vertraut Schröder

Die Unterredungen von Putin und Schröder wurden kurz nach einer öffentlichen FĂŒrsprache des Kremlchefs fĂŒr den Ex-Bundeskanzler als Mittelsmann bekannt. Als Vermittler zwischen der EU und Russland kĂ€men nur neutrale «Leute» infrage, «denen man vertrauen kann», sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur, im Konstantin-Palast in St. Petersburg. Dabei zeigte er sich «verwundert» dass sein PlĂ€doyer fĂŒr den Ex-Kanzler Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei in Deutschland.

Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler sei ein Staatsmann, der fĂŒr die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige, sagte Putin bei dem GesprĂ€ch am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums. Wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine kritisierte er Deutschland und Europa als nicht neutral.

Externer UnterhÀndler unwahrscheinlich

Die Benennung eines UnterhĂ€ndlers durch die 27 Mitgliedsstaaten der EuropĂ€ischen Union, der nicht zu einer Regierung gehört, gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich. Das wurde bereits vergangene Woche bei einem informellen EU-Außenministertreffen auf Zypern deutlich. Dort warnte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor weiteren Diskussionen darĂŒber: «Es ist eine Falle, in die Russland uns locken will.»

Neben Schröder waren von anderer Seite die frĂŒhere Kanzlerin Angela Merkel, der finnische PrĂ€sident Alexander Stubb sowie Ex-EZB-Chef Mario Draghi als mögliche Vermittler genannt worden.

Beratungen mit Selenskyj am Sonntag in London

Trotz zunehmender Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg geht man in der Bundesregierung davon aus, dass es in den nĂ€chsten Monaten zu GesprĂ€chen mit Russland ĂŒber ein Ende des Krieges kommen kann. «Langsam öffnet sich ein Fenster fĂŒr GesprĂ€che der europĂ€ischen Seite mit Russland», hieß es aus Regierungskreisen. «Die harten KĂ€mpfe der letzten Tage zeigen aber, es dĂŒrfte nicht Wochen, sondern Monate dauern.»

Wer die GesprĂ€che fĂŒr die EuropĂ€er fĂŒhren könne, werde derzeit auf europĂ€ischer Seite diskutiert. Es mĂŒsse sich um ein möglichst handlungsfĂ€higes Format handeln, das von den EuropĂ€ern als möglichst legitim angesehen werde. «Es spricht einiges dafĂŒr, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden.»

Als E3 werden Deutschland, Großbritannien und Frankreich bezeichnet. Am Sonntagabend wird es nach Angaben eines britischen Regierungssprechers Beratungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs StaatsprĂ€sident Emmanuel Macron und des britischen Premiers Keir Starmer mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in London geben. Die E3-Gruppe war bereits im vergangenen Jahr ĂŒber GesprĂ€che mit den USA und der Ukraine an den BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges beteiligt.

Im Juni und Juli stehen zudem mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema eine Rolle spielen könnte. ÜbernĂ€chste Woche kommt zunĂ€chst die G7 der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf Spitzenebene zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der TĂŒrkei.

Erst Bundeskanzler, dann russischer Lobbyist

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. In seiner Regierungszeit baute er gute Beziehungen zu Wladimir Putin auf, der seit 2000 PrÀsident der Russischen Föderation ist. Zum Ende von Schröders Amtszeit vereinbarte er mit Putin den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream unter Umgehung der Ukraine. SpÀter wurde der Ex-Bundeskanzler zuerst Aufsichtsratschef der Nord Stream AG und im weiteren Verlauf auch des russischen Energiekonzerns Rosneft. Das brachte ihm den Ruf eines russischen Lobbyisten ein. Dennoch war der Altkanzler zu Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im MÀrz 2022 auf Bitten Kiews kurzzeitig erfolglos als Vermittler tÀtig.

Ob der 82-JÀhrige gesundheitlich einer Vermittlerrolle gewachsen wÀre, bleibt dabei im Unklaren. 2025 hatte er Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baues der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind durch den seit 2022 wÀhrenden russischen Krieg gegen das Nachbarland Ukraine schwer belastet.

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