Jewgeni Prigoschin, Wladimir Putin

Putin bestÀtigt indirekt Prigoschins Tod

24.08.2023 - 19:33:22

Putin spricht von Prigoschin in der Vergangenheitsform - deutlicher werden die BestĂ€tigungen fĂŒr den Tod des russischen SöldnerfĂŒhrers bislang nicht. Seine AnhĂ€nger sind von einem Anschlag ĂŒberzeugt.

  • Die Behörden bestĂ€tigten sehr schnell, Prigoschin habe auf der Passagierliste der abgestĂŒrzten Maschine gestanden. - Foto: Sergei Ilnitsky/Pool EPA/AP/dpa

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  • Dieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/TASS/XinHua/dpa

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  • Dieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Investigative Committee of Russia/XinHua/dpa

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  • Dieses Bild aus einem Video, das von Ostorozhno Novosti veröffentlicht wurde, soll die Absturzstelle eines Privatjets in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino in Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Ostorozhno Novosti/AP/dpa

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  • EinsatzkrĂ€fte am Absturzort in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino. Über die Ursache des Absturzes gibt es bislang nur Spekulationen. - Foto: Uncredited/AP/dpa

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  • Fahrzeugkonvoi in der NĂ€he des abgestĂŒrzten Privatjets. Hier im nordrussischen Gebiet Twer nahe dem Waldai-See ist auch eine MilitĂ€rbasis und eine Flugabwehreinheit stationiert. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

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  • Russische Soldaten inspizieren ein Teil eines abgestĂŒrzten Privatjets bei Kushenkino. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP

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  • SöldnerfĂŒhrer Jewgeni Prigoschin serviert dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin in Prigoschins Restaurant außerhalb von Moskau Essen. Putin bestĂ€tigte indirekt dessen mutmaßlichen Tod bei einem Flugzeugabsturz. - Foto: -/AP/dpa

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Die Behörden bestĂ€tigten sehr schnell, Prigoschin habe auf der Passagierliste der abgestĂŒrzten Maschine gestanden. - Foto: Sergei Ilnitsky/Pool EPA/AP/dpaDieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/TASS/XinHua/dpaDieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Investigative Committee of Russia/XinHua/dpaDieses Bild aus einem Video, das von Ostorozhno Novosti veröffentlicht wurde, soll die Absturzstelle eines Privatjets in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino in Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Ostorozhno Novosti/AP/dpaEinsatzkrĂ€fte am Absturzort in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino. Über die Ursache des Absturzes gibt es bislang nur Spekulationen. - Foto: Uncredited/AP/dpaFahrzeugkonvoi in der NĂ€he des abgestĂŒrzten Privatjets. Hier im nordrussischen Gebiet Twer nahe dem Waldai-See ist auch eine MilitĂ€rbasis und eine Flugabwehreinheit stationiert. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpaRussische Soldaten inspizieren ein Teil eines abgestĂŒrzten Privatjets bei Kushenkino. - Foto: Alexander Zemlianichenko/APSöldnerfĂŒhrer Jewgeni Prigoschin serviert dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin in Prigoschins Restaurant außerhalb von Moskau Essen. Putin bestĂ€tigte indirekt dessen mutmaßlichen Tod bei einem Flugzeugabsturz. - Foto: -/AP/dpa

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat den mutmaßlichen Tod des Chefs der Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, bei einem Flugzeugabsturz indirekt bestĂ€tigt. Bei Äußerungen am Donnerstag sprach Putin in der Vergangenheitsform: «Er war ein Mensch mit einem schwierigen Schicksal, und er hat ernsthafte Fehler gemacht.» Zugleich habe der GeschĂ€ftsmann und SöldnerfĂŒhrer Ergebnisse erzielt - fĂŒr sich wie fĂŒr die gemeinsame Sache, sagte Putin russischen Nachrichtenagenturen zufolge.

Am Tag nach dem Absturz des Privatjets gab es viele Trauerbekundungen in Russland. Zugleich mehrten sich Spekulationen zur Ursache. So berichtete unter anderem der russische Telegram-Nachrichtenkanal Shot unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der Absturz womöglich durch eine Bombe im Bereich des Fahrgestells ausgelöst worden sei. Zuvor hatte der Prigoschin nahe stehende Kanal Grey Zone die Version verbreitet, die Maschine sei von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden. Die Autoren schrieben diesbezĂŒglich von Mord.

Putin: Kannte Prigoschin schon lange

Eine offizielle Identifizierung der insgesamt zehn Absturzopfer durch russische Behörden stand noch aus. Putin formulierte vorsichtig, dass ersten Erkenntnissen zufolge am Vorabend ein Flugzeug mit Angehörigen der Privatarmee Wagner abgestĂŒrzt sei. Wagner habe einen wichtigen Beitrag in den KĂ€mpfen in der Ukraine geleistet, der nicht vergessen werde.

Putin sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er kĂŒndigte eine umfassende AufklĂ€rung des Absturzes an. Diese habe bereits begonnen, werde aber eine Zeit lang dauern, sagte er bei einem Treffen mit dem russischen Verwaltungschef von Donezk, Denis Puschilin. Er selbst habe Prigoschin, einen «talentierten Menschen», seit den 1990er Jahren gekannt.

Am Mittwoch war der Kremlchef kurz nach Bekanntwerden des Absturzes bei einem Konzert zu den Feierlichkeiten des 80. Jahrestags der Schlacht von Kursk aufgetaucht. Prigoschin galt lange als Putins GĂŒnstling. Nach dessen kurzzeitigem Aufstand gegen die MilitĂ€rfĂŒhrung nannte Putin ihn aber einen VerrĂ€ter. Angeblich gewĂ€hrte er ihm aber Amnestie.

Russlandweite Trauerkundgebungen

Prigoschins AnhĂ€nger reagierten mit Trauer und Wut auf die Nachricht vom mutmaßlichen Tod des 62-JĂ€hrigen. Am CafĂ© «Patriot» in St. Petersburg, das viele Einwohner der Stadt mit Prigoschin und seiner Wagner-Truppe verbinden, seien massenhaft Blumen niedergelegt worden, berichtete die Tageszeitung «Kommersant» am Donnerstag. Auch aus anderen russischen StĂ€dten wie Nowosibirsk wurde von Trauer- und Gedenkaktionen berichtet.

Am frĂŒheren Wagner-Firmensitz in St. Petersburg wurden neben Blumen auch ein Vorschlaghammer niedergelegt, teilte der Telegram-Kanal Grey Zone mit. Der Vorschlaghammer gilt als grausiges Erkennungszeichen der Wagner-Söldner, nachdem ein Video Angehörige der Gruppe zeigte, die damit einen angeblichen ÜberlĂ€ufer ermordeten.

Am Mittwochabend war Prigoschins Privatjet auf dem Flug von Moskau nach St. Petersburg im Gebiet Twer abgestĂŒrzt. Alle zehn Insassen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. Auf der Passagierliste des Flugs stand unter anderem Prigoschins Name. Die Behörden haben den Tod des reichen und einflussreichen GeschĂ€ftsmanns allerdings offiziell noch nicht bestĂ€tigt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung mit DNA-Abgleich soll die IdentitĂ€t der Leichen klĂ€ren.

Kreml inoffiziell: Keine Überraschung

Prigoschin ist im Zuge von Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine zu großer Bekanntheit in Russland gelangt. Zum einen galt er nach der Einnahme der Stadt Bachmut durch seine Wagner-Truppen nach monatelangen blutigen KĂ€mpfen als vergleichsweise erfolgreicher Armeechef vor dem Hintergrund russischer Niederlagen in Charkiw und Cherson. Zum anderen profilierte er sich mit scharfer Kritik an der eigenen MilitĂ€rfĂŒhrung, der er Inkompetenz und Korruption vorwarf. Damit lieferte er vielen einfachen Russen eine ErklĂ€rung fĂŒr den aus ihrer Sicht unbefriedigenden Kriegsverlauf.

Der Absturz Prigoschins sei keine Überraschung gewesen, berichtete das unabhĂ€ngige Internetportal Meduza unter Berufung auf einen ungenannten Informanten aus der Kremlverwaltung. «Es gab das GefĂŒhl, dass er nach dem Aufstand schlecht endet, so etwas verzeiht man (im Kreml) nicht», zitiert Meduza den Beamten.

Kiew dementiert Beteiligung

Ein potenzieller weiterer VerdĂ€chtigter hat bereits vorsorglich dementiert, in einen Anschlag auf Prigoschin verwickelt zu sein. Die Ukraine hat laut PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nichts mit dem möglichen Tod der Wagner-FĂŒhrung zu tun. «Alle begreifen, wer daran beteiligt ist», sagte er vor Journalisten am Donnerstag. Gleichzeitig nutze der Tod der SöldnerfĂŒhrung Kiew «im bestimmten Sinne».

Baerbock: Kein Zufall, dass Welt jetzt auf Kreml schaut

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) Ă€ußerte VerstĂ€ndnis fĂŒr Spekulationen rund um Prigoschins mutmaßlichen Tod. Auf offizielle russische Verlautbarungen sei «kein Verlass», sagte sie am Rande eines Treffens mit ihrem kirgisischen Amtskollegen Dscheenbek Kulubajew in Berlin. Immer wieder werde man vom Kreml belogen. «Von daher ist es kein Zufall, dass die ganze Welt auch jetzt auf den Kreml schaut, wenn ein in Ungnade gefallener Ex-Vertrauter Putins plötzlich sprichwörtlich vom Himmel fĂ€llt, zwei Monate nachdem er einen Aufstand probte.»

Man kenne dieses Muster, sagte Baerbock und erwĂ€hnte «TodesfĂ€lle und dubiose Selbstmorde, FensterabstĂŒrze, die alle letztendlich unaufgeklĂ€rt bleiben». Die GrĂŒnen-Politikerin nannte es wichtig, «nicht auf irgendwelche Behauptungen, Fake News oder Versprechungen des russischen PrĂ€sidenten» zu vertrauen, sondern die Ukraine in ihrem Recht auf Selbstverteidigung zu unterstĂŒtzen «mit allem, was wir haben».

Litauen: Prigoschins Schicksal Àndert wenig an Sicherheitslage

Auch Litauens StaatsprÀsident Gitanas Nauseda verdÀchtigte den Kreml, Prigoschin ausgeschaltet zu haben. «Das zeigt, dass das Regime in die nÀchste Phase eintritt und diese Leute, wie man sie auch nennen mag, bereits gegeneinander kÀmpfen», sagte er litauischen Medienberichten zufolge bei einem Besuch in der Ukraine. Das habe aber keinen Einfluss auf die Sicherheitslage. «Der Tod von Prigoschin, wenn er tatsÀchlich bestÀtigt wird, Àndert wenig», sagte er.

@ dpa.de