Putin bestÀtigt indirekt Prigoschins Tod
24.08.2023 - 19:33:22Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat den mutmaĂlichen Tod des Chefs der Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, bei einem Flugzeugabsturz indirekt bestĂ€tigt. Bei ĂuĂerungen am Donnerstag sprach Putin in der Vergangenheitsform: «Er war ein Mensch mit einem schwierigen Schicksal, und er hat ernsthafte Fehler gemacht.» Zugleich habe der GeschĂ€ftsmann und SöldnerfĂŒhrer Ergebnisse erzielt - fĂŒr sich wie fĂŒr die gemeinsame Sache, sagte Putin russischen Nachrichtenagenturen zufolge.
Am Tag nach dem Absturz des Privatjets gab es viele Trauerbekundungen in Russland. Zugleich mehrten sich Spekulationen zur Ursache. So berichtete unter anderem der russische Telegram-Nachrichtenkanal Shot unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der Absturz womöglich durch eine Bombe im Bereich des Fahrgestells ausgelöst worden sei. Zuvor hatte der Prigoschin nahe stehende Kanal Grey Zone die Version verbreitet, die Maschine sei von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden. Die Autoren schrieben diesbezĂŒglich von Mord.
Putin: Kannte Prigoschin schon lange
Eine offizielle Identifizierung der insgesamt zehn Absturzopfer durch russische Behörden stand noch aus. Putin formulierte vorsichtig, dass ersten Erkenntnissen zufolge am Vorabend ein Flugzeug mit Angehörigen der Privatarmee Wagner abgestĂŒrzt sei. Wagner habe einen wichtigen Beitrag in den KĂ€mpfen in der Ukraine geleistet, der nicht vergessen werde.
Putin sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er kĂŒndigte eine umfassende AufklĂ€rung des Absturzes an. Diese habe bereits begonnen, werde aber eine Zeit lang dauern, sagte er bei einem Treffen mit dem russischen Verwaltungschef von Donezk, Denis Puschilin. Er selbst habe Prigoschin, einen «talentierten Menschen», seit den 1990er Jahren gekannt.
Am Mittwoch war der Kremlchef kurz nach Bekanntwerden des Absturzes bei einem Konzert zu den Feierlichkeiten des 80. Jahrestags der Schlacht von Kursk aufgetaucht. Prigoschin galt lange als Putins GĂŒnstling. Nach dessen kurzzeitigem Aufstand gegen die MilitĂ€rfĂŒhrung nannte Putin ihn aber einen VerrĂ€ter. Angeblich gewĂ€hrte er ihm aber Amnestie.
Russlandweite Trauerkundgebungen
Prigoschins AnhĂ€nger reagierten mit Trauer und Wut auf die Nachricht vom mutmaĂlichen Tod des 62-JĂ€hrigen. Am CafĂ© «Patriot» in St. Petersburg, das viele Einwohner der Stadt mit Prigoschin und seiner Wagner-Truppe verbinden, seien massenhaft Blumen niedergelegt worden, berichtete die Tageszeitung «Kommersant» am Donnerstag. Auch aus anderen russischen StĂ€dten wie Nowosibirsk wurde von Trauer- und Gedenkaktionen berichtet.
Am frĂŒheren Wagner-Firmensitz in St. Petersburg wurden neben Blumen auch ein Vorschlaghammer niedergelegt, teilte der Telegram-Kanal Grey Zone mit. Der Vorschlaghammer gilt als grausiges Erkennungszeichen der Wagner-Söldner, nachdem ein Video Angehörige der Gruppe zeigte, die damit einen angeblichen ĂberlĂ€ufer ermordeten.
Am Mittwochabend war Prigoschins Privatjet auf dem Flug von Moskau nach St. Petersburg im Gebiet Twer abgestĂŒrzt. Alle zehn Insassen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. Auf der Passagierliste des Flugs stand unter anderem Prigoschins Name. Die Behörden haben den Tod des reichen und einflussreichen GeschĂ€ftsmanns allerdings offiziell noch nicht bestĂ€tigt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung mit DNA-Abgleich soll die IdentitĂ€t der Leichen klĂ€ren.
Kreml inoffiziell: Keine Ăberraschung
Prigoschin ist im Zuge von Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine zu groĂer Bekanntheit in Russland gelangt. Zum einen galt er nach der Einnahme der Stadt Bachmut durch seine Wagner-Truppen nach monatelangen blutigen KĂ€mpfen als vergleichsweise erfolgreicher Armeechef vor dem Hintergrund russischer Niederlagen in Charkiw und Cherson. Zum anderen profilierte er sich mit scharfer Kritik an der eigenen MilitĂ€rfĂŒhrung, der er Inkompetenz und Korruption vorwarf. Damit lieferte er vielen einfachen Russen eine ErklĂ€rung fĂŒr den aus ihrer Sicht unbefriedigenden Kriegsverlauf.
Der Absturz Prigoschins sei keine Ăberraschung gewesen, berichtete das unabhĂ€ngige Internetportal Meduza unter Berufung auf einen ungenannten Informanten aus der Kremlverwaltung. «Es gab das GefĂŒhl, dass er nach dem Aufstand schlecht endet, so etwas verzeiht man (im Kreml) nicht», zitiert Meduza den Beamten.
Kiew dementiert Beteiligung
Ein potenzieller weiterer VerdĂ€chtigter hat bereits vorsorglich dementiert, in einen Anschlag auf Prigoschin verwickelt zu sein. Die Ukraine hat laut PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nichts mit dem möglichen Tod der Wagner-FĂŒhrung zu tun. «Alle begreifen, wer daran beteiligt ist», sagte er vor Journalisten am Donnerstag. Gleichzeitig nutze der Tod der SöldnerfĂŒhrung Kiew «im bestimmten Sinne».
Baerbock: Kein Zufall, dass Welt jetzt auf Kreml schaut
BundesauĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) Ă€uĂerte VerstĂ€ndnis fĂŒr Spekulationen rund um Prigoschins mutmaĂlichen Tod. Auf offizielle russische Verlautbarungen sei «kein Verlass», sagte sie am Rande eines Treffens mit ihrem kirgisischen Amtskollegen Dscheenbek Kulubajew in Berlin. Immer wieder werde man vom Kreml belogen. «Von daher ist es kein Zufall, dass die ganze Welt auch jetzt auf den Kreml schaut, wenn ein in Ungnade gefallener Ex-Vertrauter Putins plötzlich sprichwörtlich vom Himmel fĂ€llt, zwei Monate nachdem er einen Aufstand probte.»
Man kenne dieses Muster, sagte Baerbock und erwĂ€hnte «TodesfĂ€lle und dubiose Selbstmorde, FensterabstĂŒrze, die alle letztendlich unaufgeklĂ€rt bleiben». Die GrĂŒnen-Politikerin nannte es wichtig, «nicht auf irgendwelche Behauptungen, Fake News oder Versprechungen des russischen PrĂ€sidenten» zu vertrauen, sondern die Ukraine in ihrem Recht auf Selbstverteidigung zu unterstĂŒtzen «mit allem, was wir haben».
Litauen: Prigoschins Schicksal Àndert wenig an Sicherheitslage
Auch Litauens StaatsprÀsident Gitanas Nauseda verdÀchtigte den Kreml, Prigoschin ausgeschaltet zu haben. «Das zeigt, dass das Regime in die nÀchste Phase eintritt und diese Leute, wie man sie auch nennen mag, bereits gegeneinander kÀmpfen», sagte er litauischen Medienberichten zufolge bei einem Besuch in der Ukraine. Das habe aber keinen Einfluss auf die Sicherheitslage. «Der Tod von Prigoschin, wenn er tatsÀchlich bestÀtigt wird, Àndert wenig», sagte er.

















