Wladimir Putin, Russland

Putin gibt sich siegesgewiss - Selenskyj bietet Treffen an

05.06.2026 - 00:15:04 | dpa.de

Putin zeigt sich beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg weiter siegessicher und erneuert seine Forderungen fĂŒr Frieden in der Ukraine. Selenskyj kommt mit eigenen VorschlĂ€gen in einem offenen Brief.

Der russische PrÀsident Wladimir Putin gab sich vor internationalen Journalisten zuversichtlich. - Bild: Dmitri Lovetsky/AP/dpa
Der russische PrÀsident Wladimir Putin gab sich vor internationalen Journalisten zuversichtlich. - Bild: Dmitri Lovetsky/AP/dpa

Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg hat der russische PrĂ€sident Wladimir Putin vor seiner heute mit Spannung erwarteten Rede eine Pressekonferenz fĂŒr auslĂ€ndische Nachrichtenagenturen gegeben. In seinen Antworten zeigte er sich fĂŒr seinen seit 2022 wĂ€hrenden Krieg gegen die Ukraine weiter siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische Gegenseite. 

Parallel dazu bot ihm der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in einem offenen Brief direkte FriedensgesprĂ€che in einem Drittstaat an. Als Antwort wiederholte der Kreml nur sein altes Angebot fĂŒr Verhandlungen in Moskau. 

Am Freitag muss Putin jedoch in seiner Rede Lösungen fĂŒr die aufgestauten Probleme in seinem eigenen Land aufzeigen. Bei der Veranstaltung beantwortet er traditionell Fragen, die sich auch um den Ukraine-Krieg drehen. Im fĂŒnften Kriegsjahr sieht sich Russland dabei mit einem Wachstumseinbruch und andauernden westlichen Sanktionen konfrontiert. Dennoch will der Kreml auf dem Forum ökonomische Kraft demonstrieren. 

Selenskyj drÀngt auf direkte Verhandlungen mit Putin 

Selenskyj bot Putin die direkten GesprĂ€che vor dem Hintergrund stockender US-amerikanischer Vermittlungen an. «Ich schlage Ihnen ein Treffen vor», hieß es in dem vom PrĂ€sidentenbĂŒro in Kiew veröffentlichten Schreiben. Die StaatsfĂŒhrer sollten die «SchlĂŒsselfragen» selbst besprechen. 

Als ersten Schritt schlug Selenskyj eine Waffenruhe entlang der jetzigen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten ĂŒberwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch «aller gegen alle» und eine RĂŒckkehr von Zivilisten und «wĂ€hrend des Krieges verschleppten» Kindern folgen. An den GesprĂ€chen sollten der Ansicht Selenskyjs nach zudem Vertreter Europas und der Vereinigten Staaten auch als mögliche Garanten beteiligt werden. 

Kremlsprecher Dmitri Peskow ging vor Journalisten in St. Petersburg nicht auf den Inhalt des Briefes ein. «PrÀsident Putin hat gesagt, dass Selenskyj nach Moskau kommen könne, wenn er reden möchte», sagte Peskow. Selenskyj hatte Moskau als GesprÀchsort bereits mehrfach abgelehnt.

Russland beharrt auf voller Kontrolle ĂŒber Donbass 

Zuvor hatte Kremlchef Wladimir Putin seine Forderung nach einer vollstĂ€ndigen russischen Kontrolle der als Donbass bezeichneten Gebiete Donezk und Luhansk als Voraussetzung fĂŒr einen Frieden in der Ukraine erneuert. Die Forderung sei kein Widerspruch zu der postulierten Dialogbereitschaft, sagte Putin beim Treffen mit auslĂ€ndischen Nachrichtenagenturen. 

Der russische PrĂ€sident wiederholte dabei alte Thesen: Russland greife auf ganzer Front an, sagte er. Der Ukraine wiederum fehlten Soldaten, weil die monatlichen Verluste und Desertationen bei weitem die Neurekrutierungen ĂŒberstiegen. Das Defizit bezifferte er auf insgesamt 30.000 Mann pro Monat. Die Zahl von 15.000 laut Putin in die ukrainische Armee gepressten Rekruten steht dabei im Widerspruch zu den offiziellen Angaben aus Kiew. Danach werden mehr als 30.000 pro Monat neu gewonnen. 

Der russische PrĂ€sident verwies zur BegrĂŒndung seiner Forderung nach dem gesamten Donbass auch auf Gebietsgewinne, die das russische MilitĂ€r seinen Angaben nach stĂ€ndig mache. Dabei liegt die von ihm angegebene Zahl von 2.440 Quadratkilometern ebenfalls deutlich ĂŒber Kiews Angaben. Nach Berechnungen regierungsnaher ukrainischer MilitĂ€rbeobachter hat die russische Armee mit abnehmendem Tempo seit Jahresbeginn knapp 700 Quadratkilometer erobert. 

Putin: Russischer Angriff auf Nato-Land ist «Unsinn» 

Putin wies bei der Pressekonferenz die im Westen verbreiteten Warnungen vor einer russischen Gefahr und einem womöglich baldigen Angriff Moskaus auf ein Nato-Land mit Nachdruck als «Unsinn» zurĂŒck. «Aber meiner Meinung nach ist es nicht nur Unsinn – es ist eine bewusste Provokation», sagte Putin. Es werde gezielt eine Bedrohungslage heraufbeschworen, «die in Wirklichkeit gar nicht existiert», sagte der PrĂ€sident. 

Ziel sei es, «die Bevölkerung der eigenen LĂ€nder dazu zu zwingen, mehr Geld fĂŒr die Verteidigung auszugeben», sagte Putin. Er sei verwundert, dass ein Teil der Bevölkerung in den europĂ€ischen LĂ€ndern diese ErzĂ€hlungen glaube. «Es wĂ€re lĂ€cherlich, wenn es nicht so traurig wĂ€re», sagte er. «Jeder, der denkt, dass Russland das Territorium der Nato ĂŒberfallen könnte, sollte sich die Frage stellen: Wozu?», sagte Putin. Das westliche BĂŒndnis gilt Russland militĂ€risch ĂŒberlegen. 

Den Beteuerungen Putins, er plane keine Attacken gegen Nato-Gebiet, werden immer wieder angezweifelt im Westen. Der Kremlchef hatte auch vor Beginn der russischen Invasion der Ukraine erklÀren lassen, dass Moskau keinen Krieg plane. 

Kreml besteht auf neutralen Vermittlern 

GegenĂŒber den Journalisten bekrĂ€ftigte Putin seine Bereitschaft zum Dialog auch mit Europa zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine. Als Vermittler kĂ€men aber nur neutrale «Leute» infrage, «denen man vertrauen kann», sagte Putin. Dabei zeigte er sich «verwundert», dass sein PlĂ€doyer fĂŒr den Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei in Deutschland. 

Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler sei ein Staatsmann, der fĂŒr die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige, sagte Putin bei dem PressegesprĂ€ch. Wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine kritisierte er Deutschland und Europa als nicht neutral.

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