Ex-PrÀsident, Bolsonaro

Ex-PrÀsident Bolsonaro in Brasilien vor historischem Urteil

02.09.2025 - 16:32:38

Putschvorwurf und mögliche jahrzehntelange Haftstrafe: In Brasilien beginnt mit der Urteilsfindung gegen Ex-PrÀsident Bolsonaro die letzte Phase des historischen Prozesses.

In Brasilien geht der Prozess gegen den frĂŒheren PrĂ€sidenten Jair Bolsonaro vor dem Obersten Gericht in die entscheidende Schlussphase. Die Institutionen hĂ€tten «ihre StĂ€rke und WiderstandsfĂ€higkeit» gezeigt, sagte der Oberste Richter Alexandre de Moraes zum Beginn der Urteilsfindung in dem historischen Gerichtsverfahren. Bolsonaro und sieben Mitangeklagten wird ein versuchter Staatsstreich nach der Wahl 2022 vorgeworfen. Es ist das erste Mal in der Geschichte des sĂŒdamerikanischen Landes, dass ein Ex-PrĂ€sident wegen eines mutmaßlichen Umsturzversuchs verurteilt werden könnte. Der 70-JĂ€hrige blieb dem Auftakt aus gesundheitlichen GrĂŒnden fern, wie sein Anwalt erklĂ€rte. In der Hauptstadt BrasĂ­lia wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschĂ€rft.

Ablauf der Urteilsfindung

ZunĂ€chst verliest Moraes den Bericht der Generalstaatsanwaltschaft, anschließend treten Anklage und Verteidigung auf. Danach stimmen die fĂŒnf Richter der Ersten Kammer ab. FĂŒr eine Verurteilung reicht eine Mehrheit von drei Stimmen. Bis zum 12. September sind fĂŒnf Sitzungstage angesetzt. Ein Urteil könnte damit Ende kommender Woche fallen.

Im Falle einer Verurteilung drohen Bolsonaro bis zu 43 Jahre Haft. Wegen seines Alters und gesundheitlicher Probleme nach einem Attentat könnte eine Strafe im Hausarrest verbĂŒĂŸt werden. Da der Prozess vor dem Obersten Gericht (STF) gefĂŒhrt wird, gibt es keine höhere Instanz. Innerhalb des STF sind jedoch begrenzte Rechtsmittel möglich, etwa bei formalen Unklarheiten oder nicht einstimmigen Urteilen. Bei mindestens zwei abweichenden Stimmen könnte eine ÜberprĂŒfung einzelner Streitpunkte noch einmal im Plenum beantragt werden.

Mitangeklagte aus MilitÀr und Regierung

Bolsonaro soll nach seiner Wahlniederlage gemeinsam mit MilitĂ€rs und VerbĂŒndeten einen Putschversuch gegen die Regierung seines linken Nachfolgers Luiz InĂĄcio Lula da Silva geplant haben. Am 8. Januar 2023 hatten AnhĂ€nger Bolsonaros kurz nach Amtsantritt Lulas den Kongress, das Oberste Gericht und den PrĂ€sidentenpalast gestĂŒrmt. Der Ex-PrĂ€sident weist alle VorwĂŒrfe zurĂŒck. Seine AnwĂ€lte sprechen von fehlenden Beweisen.

Neben Bolsonaro sind auch frĂŒhere Kabinettsmitglieder und hochrangige MilitĂ€rs angeklagt, darunter Ex-Verteidigungsminister Paulo SĂ©rgio Nogueira, der frĂŒhere Marinechef Almir Garnier und Bolsonaros damaliger Sicherheitsberater Augusto Heleno. Ihnen werden bis zu fĂŒnf Straftaten zur Last gelegt - unter anderem versuchter Staatsstreich, die Beteiligung an einer bewaffneten kriminellen Vereinigung und die BeschĂ€digung denkmalgeschĂŒtzter GĂŒter.

US-PrĂ€sident Trump als UnterstĂŒtzer

Bolsonaros juristische Auseinandersetzungen wirken sich auch auf das VerhĂ€ltnis zu den USA aus. US-PrĂ€sident Donald Trump gilt als enger UnterstĂŒtzer Bolsonaros, der sich wĂ€hrend seiner frĂŒheren Amtszeit auch den Beinamen «Tropen-Trump» erwarb. Als Reaktion auf die Strafverfolgung des Brasilianers verhĂ€ngte Trump zuletzt Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche brasilianische Produkte.

Bolsonaro steht bereits seit Anfang August wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen Auflagen unter Hausarrest und wird wegen Fluchtgefahr rund um die Uhr ĂŒberwacht.

@ dpa.de