Philippinischer Ex-PrÀsident Duterte festgenommen
11.03.2025 - 05:53:49Der ehemalige philippinische StaatsprĂ€sident Rodrigo Duterte ist wegen mutmaĂlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgenommen worden. Gegen ihn lag ein Interpol-Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag vor, wie das PrĂ€sidentenbĂŒro des sĂŒdostasiatischen Landes mitteilte. Demnach wurde der 79-JĂ€hrige nach seiner Ankunft aus Hongkong am internationalen Flughafen der Hauptstadt Manila von der philippinischen Polizei festgenommen.
Ein im Fernsehen gezeigtes Video soll den Moment der Festnahme in einem Flugzeug zeigen. Darin ist angeblich Duterte zu hören, wie er die Polizisten anfĂ€hrt: «Ihr werdet mich schon töten mĂŒssen.» Ein zweites Video scheint ihn mit Gehstock am Flughafen in Polizeibegleitung zu zeigen.
Morde im Krieg gegen Drogen
Die AnklĂ€ger des Internationalen Strafgerichtshofs verdĂ€chtigen Duterte zahlreicher Morde im sogenannten «Krieg gegen die Drogen». Er soll fĂŒr systematische Tötungen von Tausenden Menschen verantwortlich gewesen sein. Das Gericht in Den Haag veröffentlichte den Haftbefehl vorerst noch nicht.Â
Das Weltstrafgericht ermittelt bereits seit 2018 zu den Morden im Inselstaat. Duterte hatte daraufhin den Austritt seines Landes aus dem Grundlagenvertrag des Gerichts verkĂŒndet. Doch das bleibt weiter zustĂ€ndig fĂŒr Verfolgung von Straftaten bis 2019, als der Austritt rechtskrĂ€ftig wurde.Â
Auslieferung fraglich
Die Festnahme Dutertes bedeutet nicht automatisch, dass der Ex-PrĂ€sident nun auch dem Gericht in Den Haag ĂŒbergeben wird. Dazu ist das Land auch nicht verpflichtet, da es kein Vertragsstaat mehr ist.Â
Der Internationale Strafgerichtshof ist ein sogenanntes KomplementĂ€rgericht, das heiĂt, er schreitet nur dann ein, wenn der betroffene Staat die strafrechtliche Verfolgung ablehnt oder dazu nicht in der Lage ist.Â
Tausende Tote bei Anti-Drogen-Krieg
Duterte war von 2016 bis 2022 an der Macht und ist vor allem wegen seines brutal gefĂŒhrten Kriegs gegen die DrogenkriminalitĂ€t umstritten. Der Polizei zufolge wurden in seiner Amtszeit bei Anti-Drogen-EinsĂ€tzen mehr als 6000 Menschen getötet. Menschenrechtler sind ĂŒberzeugt, dass die wahre Zahl viel höher ist. Gegen VerdĂ€chtige wurde demnach oft nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien vorgegangen, sondern sie wurden ohne Festnahme, Anklage oder Verurteilung regelrecht hingerichtet. Der IStGH nahm 2018 Ermittlungen wegen mutmaĂlicher Morde im Zuge des staatlich organisierten Anti-Drogen-Kriegs auf.
Human Rights Watch begrĂŒĂte Dutertes Festnahme und rief die philippinische Regierung dazu auf, ihn schnell an den IStGH auszuliefern. «Seine Festnahme könnte die Opfer und ihre Familien der Gerechtigkeit nĂ€her bringen und sendet die klare Botschaft, dass niemand ĂŒber dem Gesetz steht», teilte die Vize-Asien-Chefin der Menschenrechtsorganisation, Bryony Lau, mit.
Dutertes Tochter Sara ist derzeit VizeprÀsidentin unter seinem Nachfolger, dem Diktatorensohn Ferdinand Marcos Jr. Unter anderem wegen einer Morddrohung gegen den derzeitigen Staatschef lÀuft gegen sie ein Amtsenthebungsverfahren.





