Kiew, Massivster

Kiew: Massivster russischer Luftangriff seit Kriegsbeginn

29.12.2023 - 10:43:22 | dpa.de

Russland greift die Ukraine mit 158 Raketen und Kampfdrohnen an. Bildungseinrichtungen und WohnhÀuser werden getroffen. Mindestens 18 Menschen werden getötet, mehr als 100 verletzt.

  • EinsatzkrĂ€fte sind in Saporischschja nach den massiven russischen Angriffen im Einsatz. - Foto: Andriy Andriyenko/AP/dpa
    EinsatzkrÀfte sind in Saporischschja nach den massiven russischen Angriffen im Einsatz. - Foto: Andriy Andriyenko/AP/dpa
  • Ein GebĂ€ude in Kiew wurde nach einem russischen Angriff beschĂ€digt. Feuerwehrleute versuchen, das Feuer zu löschen. - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP
    Ein GebÀude in Kiew wurde nach einem russischen Angriff beschÀdigt. Feuerwehrleute versuchen, das Feuer zu löschen. - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP
  • Nach dem massiven russischen Raketenangriff steigt eine Rauchwolke ĂŒber der ukrainischen Hauptstadt auf. - Foto: ---/ukrin/dpa
    Nach dem massiven russischen Raketenangriff steigt eine Rauchwolke ĂŒber der ukrainischen Hauptstadt auf. - Foto: ---/ukrin/dpa
  • Auch in Odessa wurden GebĂ€ude bei den russischen Luftangriffen getroffen. - Foto: Artem Perfilov/AP/dpa
    Auch in Odessa wurden GebÀude bei den russischen Luftangriffen getroffen. - Foto: Artem Perfilov/AP/dpa
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Russland hat nach Angaben aus Kiew den «massivsten Luftangriff» auf die Ukraine seit Kriegsbeginn verĂŒbt. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge kamen 158 Raketen und Kampfdrohnen gegen das Land zum Einsatz. Der ukrainische Oberbefehlshaber Waleryj Saluschnyj sprach von 122 Raketen und Marschflugkörpern sowie von 36 Drohnen.

Die Flugabwehr habe ĂŒber 70 Prozent davon abfangen können. Der Angriff erfolgte dabei demnach in mehreren Wellen aus verschiedenen Richtungen und unter Einsatz strategischer Bomber.

Tote und Verletzte

Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 18, wie die regionalen ukrainischen Behörden mitteilten. Über 100 Menschen wurden zudem verletzt.

Allein in der Stadt Dnipro gab es 5 Todesopfer unter Zivilisten und mehr als 20 Verletzte, wie die dortige MilitĂ€rverwaltung mitteilte. Russland hatte in der Nacht und am Morgen weite Teile des Landes mit Angriffen ĂŒberzogen.

«Etwa 110 Raketen wurden gestartet, der grĂ¶ĂŸte Teil davon abgeschossen», schreibt der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in seinem Telegram-Kanal. Die bisher höchste offiziell gemeldete Zahl russischer Raketen, die an einem Tag auf die Ukraine abgefeuert worden waren, lag bei ĂŒber 90.

Laut Selenskyj sind die SchĂ€den im zivilen Bereich groß, eine Entbindungsstation, Bildungseinrichtungen, ein Einkaufszentrum und viele private WohnhĂ€user seinen getroffen worden, teilte er mit. Die Aussagen unterlegte er mit einem Video, das unter anderem ein völlig zerstörtes Einkaufszentrum zeigte.

Luftwaffensprecher Jurij Ihnat betonte: «Es flog praktisch alles, außer Kalibr-Marschflugkörpern.» Eingesetzt worden seien Kinschal-Hyperschallraketen, ballistische Raketen des Typs S-300, verschiedene Marschflugkörper und weitreichende Drohnen iranischer Bauart. Etwa 18 strategische Bomber seien in der Luft gewesen.

Landesweiter Luftalarm

Schon in der Nacht hatte Russland die Ukraine aus mehreren Richtungen mit Drohnen und Raketen angegriffen. Lwiw sei von mehr als zehn Kamikaze-Drohnen des Typs Shahed attackiert worden, teilte BĂŒrgermeister Andrij Sadowyj auf Telegram mit. Es soll mehrere EinschlĂ€ge gegeben haben. Im Gebiet Sumy wurden durch den Einschlag einer Rakete in der Stadt Konotop drei Menschen verletzt, ein Mehrfamilienhaus und eine Werkstatt beschĂ€digt. In Charkiw seien nachts ebenfalls mehr als zehn Raketen heruntergegangen. ZunĂ€chst gab es keine offiziellen Angaben zu Verletzten. Die Höhe der SchĂ€den mĂŒsse ĂŒberprĂŒft werden, hieß es.

Am Morgen folgte die zweite Welle der Luftangriffe. Wegen der Attacken wurde landesweit Luftalarm ausgelöst. Die Ukrainer waren dazu aufgerufen, sich in Luftschutzkeller zu begeben. Auch die Hauptstadt Kiew und die Industriestadt Dnipro gerieten ins Visier der Russen. Aus beiden MillionenstÀdten wurden Explosionen gemeldet. Unklar war zunÀchst noch, ob es sich dabei um EinschlÀge der russischen Raketen oder deren Abschuss durch die Flugabwehr handelte.

Der britische Premierminister Rishi Sunak verurteilte die heftigen russischen Luftangriffe und machte Kremlchef Wladimir Putin verantwortlich. «Diese umfassenden Attacken auf ukrainische StĂ€dte zeigen, dass Putin vor nichts zurĂŒckschrecken wird, um sein Ziel zu erreichen, Freiheit und Demokratie auszurotten», schrieb Sunak beim Onlinedienst X (frĂŒher Twitter). «Wir werden ihn nicht gewinnen lassen. Wir mĂŒssen weiterhin an der Seite der Ukraine stehen - so lange es nötig ist», betonte der Regierungschef.

Russland hat vor mehr als 22 Monaten seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet und beschießt immer wieder auch zivile Ziele weit hinter der Front. Im vergangenen Winter waren vor allem Objekte der Energieversorgung Ziel russischer Angriffe. Experten warnen vor einer Wiederholung dieser Taktik in diesem Winter. Ziel Moskaus ist es, die Ukrainer in KĂ€lte und Dunkelheit zu stĂŒrzen, um die KriegsmĂŒdigkeit zu erhöhen. Angriffe auf zivile Objekte gelten als Kriegsverbrechen.

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