Russland-Wahl: Kreml-Partei erhält 349 Sitze in der Duma
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 13:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Kreml-Partei Geeintes Russland erhält nach dem offiziellen Endergebnis der russischen Parlamentswahl 349 der 450 Sitze in der Staatsduma.
Deutliche Mehrheit für Putins Partei
Die zentrale Wahlkommission teilte das Ergebnis nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass mit. Geeintes Russland kommt damit auf eine Dreiviertelmehrheit im Parlament.
Die Führung um Kremlchef Wladimir Putin hatte den Urnengang als Volksabstimmung über ihren Kurs im seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Krieg gegen die Ukraine dargestellt. Wahlkommissionschefin Ella Pamfilowa sagte, 46 neue Abgeordnete hätten in diesem Krieg gekämpft.
Debatte über neue Mobilisierung
Die Anti-Kriegspartei Jabloko war von der landesweiten Wahl und den meisten Regionalwahlen ausgeschlossen. Befürchtet wird, dass Putin die offiziell ausgewiesene Zustimmung für eine neue Mobilisierungswelle nutzen könnte.
Alle weiteren Parteien, die in die Duma einzogen, unterstützen die Politik des Kremls. Die Kommunisten erhalten 37 Mandate, die nationalistischen Liberaldemokraten 23 Sitze. Auf Neue Leute entfallen 19 Mandate, auf Gerechtes Russland 17.
Weitere Parteien und Einzelkandidaten
Rodina kommt auf einen Sitz. Zudem ziehen vier Einzelkandidaten in die Staatsduma ein. Damit verfügt Geeintes Russland gemeinsam mit den übrigen kremlnahen Fraktionen über eine breite parlamentarische Mehrheit.
Vorwürfe gegen das Wahlergebnis
Unabhängige Wahlexperten gehen davon aus, dass das Ergebnis verfälscht worden sein könnte. Sie analysierten dazu Resultate aus den einzelnen Regionen.
Der frühere Vize-Chef der mittlerweile verbotenen Wahlrechtsbewegung Golos, Stanislaw Andrejtschuk, sagte dem Exilmedium Meduza, Geeintes Russland habe Druck auf Staatsbedienstete ausgeübt und sei trotzdem höchstens auf 35 Prozent der Stimmen gekommen. Ohne diese Nötigung liege die Zustimmung zur Kreml-Partei aus seiner Sicht bei etwa 25 Prozent. Offiziell erhielt sie 58 Prozent der Stimmen.
Auch die offiziell genannte Wahlbeteiligung von knapp 59 Prozent stellte Andrejtschuk infrage. Sie habe eher bei 40 Prozent gelegen.
Parlament ohne starke Gegenmacht
Die Dreiviertelmehrheit verschafft der Führung um Wladimir Putin im Parlament großen politischen Spielraum. Geeintes Russland kann damit Gesetzesvorhaben weitgehend ohne Unterstützung anderer Fraktionen beschließen. Auch die übrigen Parteien in der Staatsduma gelten als kremlnah und unterstützen den offiziellen Kurs.
Die Wahl fand vor dem Hintergrund des seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Krieges gegen die Ukraine statt. Die Anti-Kriegspartei Jabloko war von der landesweiten Wahl ausgeschlossen. Damit fehlte eine zugelassene landesweite Kraft, die den Krieg grundsätzlich hätte ablehnen können. Die Zusammensetzung der Duma bildet deshalb vor allem die politische Auswahl ab, die die russischen Behörden zugelassen haben.
Signal nach innen und außen
Für den Kreml ist das Ergebnis ein innenpolitisches Signal der Geschlossenheit. Die Führung kann die hohe offizielle Zustimmung nutzen, um weitere Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Krieg zu rechtfertigen. Dazu gehört auch die Debatte über eine mögliche neue Mobilisierung, die in Russland viele Männer beunruhigt.
Die praktische Bedeutung des Ergebnisses liegt daher weniger in einem offenen parlamentarischen Wettbewerb als in der politischen Absicherung des Regierungskurses. Zugleich bleiben die von unabhängigen Wahlexperten erhobenen Vorwürfe zur Stimmenverteilung und Wahlbeteiligung ein zentraler Streitpunkt. Für die russische Bevölkerung dürfte entscheidend sein, ob auf das Wahlergebnis konkrete Schritte bei Rekrutierung, Repressionen oder der Kriegsführung folgen.
