Russland, Parlamentswahl

Russland-Wahl: Kremlpartei Geeintes Russland laut Prognose klar vorn

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Kremlpartei Geeintes Russland ist bei der dreitÀgigen Parlamentswahl in Russland laut Prognosen klar stÀrkste Kraft geworden. Die Antikriegspartei Jabloko war von der Abstimmung ausgeschlossen worden.

Die Russen haben im Schatten des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine erstmals ein Parlament, die Staatsduma, gewÀhlt. (Archivbild) - Bild: Ulf Mauder/dpa
Die Russen haben im Schatten des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine erstmals ein Parlament, die Staatsduma, gewÀhlt. (Archivbild) - Bild: Ulf Mauder/dpa

Die Kremlpartei Geeintes Russland ist bei der dreitÀgigen Parlamentswahl in Russland laut Prognosen zur Siegerin erklÀrt worden.

Staatsnahe Prognose sieht Geeintes Russland vorn

Nach Wahlnachbefragungen des staatlichen russischen Meinungsforschungsinstituts Wziom kommt die regierende Partei auf 49,4 Prozent der Stimmen. Die Ergebnisse dieser Befragungen wurden von Agenturen in Moskau verbreitet und dienen als erste Prognose fĂŒr die Sitzverteilung in der Staatsduma.

Geeintes Russland gilt seit Jahren als zentrale StĂŒtze der Macht im Kreml und verfĂŒgt in der bisherigen Staatsduma ĂŒber eine dominante Mehrheit. Mit dem nun prognostizierten Ergebnis dĂŒrfte die Partei ihre Stellung im Parlament erneut absichern.

Antikriegspartei Jabloko nicht zur Wahl zugelassen

Die liberale Antikriegspartei Jabloko war von der Parlamentswahl ausgeschlossen worden. Damit stand eine der wenigen offen gegen den Krieg auftretenden Parteien nicht auf dem Stimmzettel. Der Ausschluss beeinflusst die Auswahl fĂŒr WĂ€hlerinnen und WĂ€hler, die sich eine alternative politische Ausrichtung wĂŒnschen.

Die Wahl erstreckte sich ĂŒber drei Tage und fand landesweit in der Russischen Föderation statt. Mit dem Abschluss der Stimmabgabe werden neben den Prognosen nach und nach auch offizielle Teilergebnisse erwartet.

Geschlossene Wahl ohne echte Opposition

Die jĂŒngste Duma-Wahl in Russland fĂŒgt sich in eine lĂ€nger anhaltende Entwicklung ein, bei der oppositionelle KrĂ€fte systematisch zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Die Ausschlussentscheidung gegen die Antikriegspartei Jabloko steht beispielhaft fĂŒr das enge Meinungsspektrum, das bei landesweiten Abstimmungen zugelassen wird. Bereits seit Jahren werden kritische Parteien und Kandidaten mit administrativen und juristischen Mitteln aus dem politischen Wettbewerb gedrĂ€ngt, wĂ€hrend staatsnahe KrĂ€fte gestĂŒtzt werden.

Die hohe Prognose fĂŒr Geeintes Russland auf Basis staatlicher Wahlnachbefragungen zeigt, wie stark die politische Architektur auf StabilitĂ€t fĂŒr die Machtvertikale im Kreml ausgerichtet ist. Dabei sind unabhĂ€ngige Wahlbeobachtung, Medienpluralismus und ein fairer Zugang zu Kampagnenressourcen stark eingeschrĂ€nkt. FĂŒr die Bevölkerung bedeutet dies, dass zentrale Weichenstellungen – von der Wirtschafts- ĂŒber die Sozialpolitik bis hin zum Kurs im Ukrainekrieg – vor allem innerhalb eines engen Machtzirkels entschieden werden, statt zwischen konkurrierenden politischen Programmen.

Bedeutung fĂŒr Europa und internationale Beziehungen

FĂŒr europĂ€ische Staaten und insbesondere die EU ist die Zusammensetzung der Staatsduma von erheblicher Bedeutung, weil sie Gesetze zur Außen-, Sicherheits- und Sanktionspolitik verabschiedet und den Kurs des PrĂ€sidenten politisch absichert. Ein durch die Kremlpartei dominierter Apparat erschwert eine AnnĂ€herung in zentralen Konfliktfragen und stabilisiert den innenpolitischen RĂŒckhalt fĂŒr den aktuellen außenpolitischen Kurs. Zugleich bleiben Möglichkeiten fĂŒr zivilgesellschaftliche, wirtschaftliche und kommunale Kooperationen begrenzt, weil kritische Stimmen im Parlament kaum Gehör finden.

Folgen fĂŒr russische Gesellschaft und Exilopposition

FĂŒr Menschen in Russland, die sich gegen den Krieg oder fĂŒr demokratische Reformen einsetzen, bedeutet der Ausschluss einer Antikriegspartei eine weitere Verengung des legalen Handlungsspielraums. Protest verlagert sich hĂ€ufig ins Private, ins digitale Umfeld oder ins Ausland. Auch die wachsende Exilopposition ist von solchen Wahlergebnissen betroffen: Sie muss ihre Strategien stĂ€rker auf langfristige gesellschaftliche VerĂ€nderungen, internationale UnterstĂŒtzung und unabhĂ€ngige Medienangebote ausrichten, da kurzfristige Änderungen ĂŒber Wahlen derzeit kaum erreichbar sind.

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