Massive russische Luftangriffe auf Kiew - Tote und Verletzte
02.06.2026 - 14:23:47 | dpa.deBei russischen Angriffen mit Drohnen und Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere Landesteile sterben fast 20 Menschen. Mehr als 100 Verletzte gibt es.
Heftige Explosionen rissen in der Nacht die Menschen in Kiew aus dem Schlaf. Dabei wurden in der Dreimillionenstadt mindestens sechs Menschen getötet und 66 weitere verletzt, wie BĂŒrgermeister Vitali Klitschko auf Telegram schrieb. Unter den Verletzten sind laut Klitschko auch drei Kinder.
Mehrere GebÀude wurden demnach beschÀdigt und gerieten in Brand. Viele Einwohner suchten Zuflucht in U-Bahn-Stationen und Luftschutzkellern. Kurzzeitig kam es auch zu StromausfÀllen und Problemen bei der Wasserversorgung.
Â
Im Stadtbezirk Podil stĂŒrzte laut Klitschko ein mehrstöckiges Wohnhaus nach einem Angriff ein. Es werde befĂŒrchtet, dass Menschen unter den TrĂŒmmern verschĂŒttet sind. Anderswo habe ein Angriff die oberen Stockwerke eines 15-stöckigen Wohnhauses beschĂ€digt. Es gebe mehrere BrĂ€nde im Stadtgebiet. Die AufrĂ€umarbeiten halten an.
Dnipro trifft es schwer
In der Stadt Dnipro wurden bei dem nĂ€chtlichen Angriff Behördenangaben zufolge mindestens zwölf Menschen getötet und 37 weitere verletzt. In der Millionenstadt seien zuletzt die Leichen einer Frau und eines achtjĂ€hrigen Jungen aus den TrĂŒmmern gezogen worden, schrieb der MilitĂ€rgouverneur der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, bei Telegram. Insgesamt hat das russische MilitĂ€r bei der Attacke mindestens drei Kinder getötet.Â
Die Opferzahl könnte auch hier noch steigen, denn immer noch suchen die RettungskrĂ€fte unter den eingestĂŒrzten HĂ€usern nach Toten und Ăberlebenden.
SchÀden in Charkiw und Saporischschja
In der vom Krieg schwer gezeichneten Stadt Charkiw nahe der russischen Grenze wurden den Behörden zufolge mindestens zehn Menschen verletzt. Im Gebiet Charkiw wurde laut dem staatlichen Gaskonzern Naftogaz ein «SchlĂŒsselobjekt» des Unternehmens zuerst mit Drohnen und nachfolgend mit Raketen angegriffen. Angaben zu den SchĂ€den machte Naftogaz nicht - der Konzern betonte nur, dass es keine Opfer gegeben habe. Daneben wurde in Charkiw eine Lokomotive von einer Drohne angegriffen. Ein Eisenbahnarbeiter sei verletzt worden, teilte die Bahn mit.
Russland griff auch Ziele in der Stadt Saporischschja an. Mehrere WohnhÀuser wurden beschÀdigt, zu möglichen Opfern machte MilitÀrgouverneur Iwan Fedorow keine Angaben.
In vielen Regionen waren StromausfĂ€lle Folge der russischen Angriffe. Um Ăberlastungen des Stromnetzes zu vermeiden, rief der Versorger Ukrenergo dazu auf, groĂe Stromfresser nur in der Zeit zwischen 11.00 und 15.00 Uhr mit groĂem Solarstromanteil zu nutzen.
Laut der ukrainischen Luftwaffe setzte Moskau bei den Attacken Drohnen, ballistische Raketen und Marschflugkörper ein, darunter auch die Hyperschallwaffe Zirkon. Moskau seinerseits sprach allgemein von «HochprÀzisionswaffen». Wegen der Attacke stieg auch die polnische Luftwaffe auf.
Moskau: Angriffe gegen militÀrische Ziele
Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete die Attacken als Vergeltung fĂŒr ukrainische Angriffe. Am Vorabend hatte Kremlchef Wladimir Putin bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats Kiew «Verbrechen gegen Kinder und Jugendliche» vorgeworfen.Â
Putins ĂuĂerung fiel mit Blick auf einen Drohnenangriff Ende Mai auf ein Wohnheim in der von Russland besetzten ostukrainischen Region Luhansk. Bei der Attacke waren 21 junge Menschen - vorwiegend BerufsschĂŒlerinnen - ums Leben gekommen. Kiew habe dem «Konflikt damit eine neue QualitĂ€t gegeben», behauptete Putin, obwohl russische Angriffe in der Ukraine schon mehrfach deutlich höhere Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert haben.
Auch diesmal erklĂ€rte das russische Verteidigungsministerium, dass die Attacken allein militĂ€rischen Zielen im Nachbarland gegolten hĂ€tten. Die SchlĂ€ge mit Hyperschallwaffen, ballistischen Raketen und Drohnen seien gegen «Unternehmen der RĂŒstungsindustrie in Kiew, Saporischschja, Charkiw und Dnipro, in den Gebieten Poltawa, Chmelnyzkyj und Sumy sowie gegen Objekte der Treibstoff- und Verkehrsinfrastruktur erfolgt, die im Interesse der ukrainischen StreitkrĂ€fte genutzt werden», heiĂt es in einer ErklĂ€rung.
Ăhnlich Ă€uĂerte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow: «Es werden systematische SchlĂ€ge gegen die militĂ€rische Infrastruktur gefĂŒhrt», behauptete er. Wenn die Ukraine den Krieg beenden wolle, mĂŒsse PrĂ€sident Wolodymyr «Selenskyj seinen StreitkrĂ€ften den Befehl geben, das Gebiet der russischen Regionen zu verlassen». Russland hat die ukrainischen Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja ohne komplette Kontrolle annektiert und erhebt speziell auf den Donbass Anspruch.
Angriff folgt auf deutliche Warnungen SelenskyjsÂ
Russland hatte Kiew erst vor knapp zehn Tagen massiv mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Selenskyj warnte seit Ende vergangener Woche mehrmals vor einem weiteren massiven russischen Luftangriff. Er hatte dabei auch eingerĂ€umt, dass fehlende Munition der ukrainischen Flugabwehr Probleme bereite.Â
Nach der Attacke rief er den Westen erneut zur Lieferung von Flugabwehrraketen auf. Deren Mangel sei fĂŒr die Russen geradezu ein Signal, solche kombinierten Angriffe fortzufĂŒhren, schrieb Selenskyj bei Telegram.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
