Kiew, Treffen

Kiew hadert mit Treffen und Moskaus Bedingung fĂŒr Waffenruhe

31.05.2025 - 04:00:44

Russlands UN-Botschafter erklÀrt, unter welchen Bedingungen Moskau zu einer Waffenruhe in der Ukraine bereit wÀre. In Kiew löst seine Rede indes Entsetzen aus - und altbekannte Forderungen.

  • Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja erklĂ€rt bei einer Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen Moskaus Bereitschaft zu einer möglichen Waffenruhe. (Archivbild) - Foto: Seth Wenig/AP

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  • Die US-Senatoren LIndsey Graham und Richard Blumenthal haben in Kiew auch den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj zu GesprĂ€chen getroffen.  - Foto: Vasilisa Stepanenko/AP/dpa

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Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja erklÀrt bei einer Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen Moskaus Bereitschaft zu einer möglichen Waffenruhe. (Archivbild) - Foto: Seth Wenig/APDie US-Senatoren LIndsey Graham und Richard Blumenthal haben in Kiew auch den ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj zu GesprÀchen getroffen.  - Foto: Vasilisa Stepanenko/AP/dpa

Russland hat im UN-Sicherheitsrat vor den fĂŒr Montag in der TĂŒrkei angesetzten Verhandlungen mit Vertretern der Ukraine seine Bereitschaft zu einer möglichen Waffenruhe erklĂ€rt. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja nannte zugleich Bedingungen fĂŒr ein Ende der Kampfhandlungen. «FĂŒr die Dauer der Waffenruhe ist es zumindest erforderlich, dass die westlichen LĂ€nder die Waffenlieferungen an das Kiewer Regime einstellen und die Ukraine ihre Mobilmachung beendet», sagte Nebensja in seiner auch in Moskau vom Außenministerium verbreiteten Rede.

Moskau hat fĂŒr den 2. Juni in Istanbul eine zweite Verhandlungsrunde angesetzt, um mit Kiews Vertretern ĂŒber eine mögliche Beendigung des Kriegs in der Ukraine zu sprechen. Die direkten GesprĂ€che waren in diesem Monat auf russische Initiative erstmals seit 2022 wieder aufgenommen worden.

Nebensja zufolge könne eine Waffenruhe im Weiteren ermöglichen, an einer nachhaltigen Lösung der ursprĂŒnglichen Ursachen des Konflikts zu arbeiten. Russland hatte bisher stets betont, erst den Konflikt grundsĂ€tzlich lösen zu wollen und dann eine Waffenruhe zu erwĂ€gen. Die Ukraine fordert hingegen bereits seit MĂ€rz auf Grundlage eines US-Vorschlags, dass es zuerst eine 30-tĂ€gige Waffenruhe geben solle, um dann an der Lösung des Konflikts zu arbeiten. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj verlangte, dass die Feuerpause ohne Vorbedingungen vereinbart werden mĂŒsse.

Nebensja nannte nun klar diese zwei Vorbedingungen. Die bisherigen Äußerungen der Ukraine deuteten seiner Meinung nach darauf hin, dass sie sich nicht darauf einlasse. Russland wiederum wolle keine Situation, in der die Ukraine die Waffenruhe zum Durchatmen und KrĂ€ftesammeln in dem Krieg nutze. Russland sei bereit, bei den Verhandlungen an diesem Montag in Istanbul ĂŒber die Bedingungen fĂŒr einen Frieden zu reden. Die GesprĂ€che seien der «Lackmustest» fĂŒr beide Seiten, um zu zeigen, ob sie es ernst meinten mit einem Streben nach einem Ende der KĂ€mpfe.

Ukrainischer Außenminister wirft Russland Arroganz vor

In seiner Rede erklĂ€rte der russische UN-Vertreter außerdem, dass Moskaus StreitkrĂ€fte auch in der Lage seien, die Kampfhandlungen so lange wie nötig fortzusetzen. Schon jetzt könne sich jeder davon ĂŒberzeugen, dass die russische Armee praktisch an der gesamten Frontlinie vorankomme.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf Russland auf der Plattform X angesichts des Hinweises auf Moskaus militĂ€rische StĂ€rke Arroganz vor. «Das ist Russlands Schlag ins Gesicht all jener, die sich fĂŒr Frieden einsetzen», sagte er ĂŒber Nebensjas Rede. Nötig sei mehr Druck auf Russland. «Sie verstehen weder eine normale Haltung noch die diplomatische Sprache; es ist an der Zeit, mit ihnen in der Sprache der Sanktionen und der verstĂ€rkten UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zu sprechen», sagte Sybiha.

Selenskyj spricht mit Erdogan ĂŒber Ukraine-Verhandlungen

PrĂ€sident Selenskyj ließ eine Teilnahme Kiews an der neuen Verhandlungsrunde weiter offen. Bei einem GesprĂ€ch mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan sei es um die Bedingungen einer Beteiligung der Ukraine an den Verhandlungen gegangen, teilte Selenskyj am Abend auf der Plattform X mit. Details nannte er nicht, sagte aber, dass es bei einer ukrainischen Teilnahme echte Ergebnisse geben mĂŒsse. 

Der jĂŒngste Gefangenenaustausch sei ein wichtiges Ergebnis der Verhandlungen in Istanbul gewesen, aber «leider das einzige». Eine Waffenruhe sei fĂŒr eine Bewegung in Richtung Frieden notwendig, sagte Selenskyj. Das Töten mĂŒsse aufhören.

Moskau hat zu dem Treffen am Montag auch ein Memorandum in Aussicht gestellt, das die Ukraine zur Vorabbegutachtung angefordert hatte. Russland lehnte das ab – und will ĂŒber die AbsichtserklĂ€rung erst in der TĂŒrkei sprechen. 

Verletzte bei Angriffen in Ukraine und Russland gemeldet

Die Kampfhandlungen gehen unvermittelt weiter. In der Nacht zum Samstag seien bei einem russischen Angriff auf das grenznahe ukrainische Gebiet Sumy Raketen in einem Wohngebiet eingeschlagen und LagerhÀuser zerstört worden, teilte die regionale MilitÀrverwaltung mit. Mindestens ein Mensch wurde demnach verletzt. Auch aus den Gebieten Charkiw, Donezk, Mykolajiw und Winnyzja wurden Explosionen gemeldet.

Im russischen Gebiet Kursk wurden nach Angaben der Regionalverwaltung bei ukrainischen Drohnenangriffen mindestens zehn Menschen verletzt, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete. Mehrere WohnhĂ€user seien beschĂ€digt worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Selenskyj trifft US-Senator Graham fĂŒr mehr Druck auf Moskau

In Kiew traf Selenskyj unterdessen die US-Senatoren Lindsey Graham und Richard Blumenthal und bekrĂ€ftigte seine Hoffnung auf schĂ€rfere Sanktionen gegen Russlands Kriegsmaschinerie. Er sei dankbar fĂŒr die neue US-Sanktionsinitiative, die von 82 Senatoren unterstĂŒtzt werde, teilte Selenskyj auf der Plattform X mit. Es brauche mehr Druck auf Russland, um das Land zum Frieden zu zwingen. Selenskyj warf Moskau vor, sich ĂŒber diplomatische Initiativen lustig zu machen und die Verhandlungen als Tarnung zu benutzen, um eine neue Offensive vorzubereiten.

Russland fĂŒhre SchlĂ€ge gegen ukrainische StĂ€dte und Dörfer aus und lehne alle VorschlĂ€ge fĂŒr eine Waffenruhe ab, sagte Selenskyj. «Deshalb ist zusĂ€tzlicher Druck nötig», betonte er. Der PrĂ€sident dankte dem Republikaner Graham und dem Demokraten Blumenthal, dass ihre beiden politischen Lager die Ukraine unterstĂŒtzen. «Es ist das echte Engagement der Vereinigten Staaten in jeder Phase der Verhandlungen, das einen verlĂ€sslichen Frieden garantieren kann», sagte Selenskyj.

Graham: Ukraine kann US-Waffen kaufen

Graham und Blumenthal trafen sich bei ihrem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt auch mit Regierungschef Denys Schmyhal, um ĂŒber einen Ausbau der Handelsbeziehungen zu sprechen. «Ich erwarte, dass sich diese GeschĂ€ftsbeziehung auf den militĂ€rischen Sektor konzentrieren wird, dass der militĂ€risch-industrielle Komplex der USA der Ukraine Waffen verkaufen wird, die wir entwickelt haben. Andere LĂ€nder könnten sie von uns kaufen und an die Ukraine liefern», sagte Graham der Agentur Interfax-Ukraine zufolge auf einer Pressekonferenz.

Graham und Blumenthal haben ein Paket neuer Sanktionen gegen Russland vorbereitet, das im US-Senat auf eine große, ĂŒberparteiliche Mehrheit zĂ€hlen kann. Graham will damit jedoch den VermittlungsbemĂŒhungen seines Parteifreunds US-PrĂ€sident Donald Trump nicht zuvorkommen. Zudem ist aktuell noch unklar, ob das Sanktionspaket auch im ReprĂ€sentantenhaus auf eine Mehrheit zĂ€hlen könnte.

@ dpa.de