Internationaler Strafgerichtshof, Sacharow-Preis 2026

Sacharow-Preis 2026 geht an Internationalen Strafgerichtshof

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:16 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Das EuropĂ€ische Parlament ehrt den Internationalen Strafgerichtshof und seine Mitarbeiter fĂŒr den Einsatz fĂŒr internationales Recht und Gerechtigkeit. Die Auszeichnung steht zugleich im Zeichen des politischen Drucks auf das Gericht und seine Bediensteten.

Preis wĂŒrdigt Arbeit des Gerichts

  • Das EuropĂ€ische Parlament zeichnete den Internationalen Strafgerichtshof und seine Beamten mit dem Sacharow-Preis 2026 aus.
  • Roberta Metsola gab die Entscheidung am Donnerstag im Plenarsaal in Straßburg bekannt.
  • Der Preis bezieht Ermittlungen, Anklagen, Prozesse sowie die Ausstellung oder Genehmigung von Haftbefehlen ein.
Internationaler Strafgerichtshof (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

EuropÀisches Parlament zeichnet IStGH aus

Der Internationale Strafgerichtshof und seine Beamten erhalten den Sacharow-Preis 2026. Das EuropĂ€ische Parlament gab die Entscheidung am Donnerstag in Straßburg bekannt und wĂŒrdigte damit den Einsatz des Gerichts fĂŒr Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.

Metsola betont internationale Zusammenarbeit

ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola erklĂ€rte bei der Bekanntgabe im Plenarsaal, die EuropĂ€ische Union beruhe auf dem Respekt fĂŒr Multilateralismus und internationale Institutionen. Mit der Auszeichnung erkenne das Parlament die Arbeit des IStGH bei der Wahrung des internationalen Rechts und der Gerechtigkeit an.

Gericht verfolgt schwerste Verbrechen

Der IStGH untersucht und verfolgt Personen, denen Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder das Verbrechen der Aggression vorgeworfen werden. Als Gericht der letzten Instanz ergÀnzt er nationale Gerichte und arbeitet auf Grundlage des Römischen Statuts.

Die Preisvergabe wĂŒrdigt Ermittlungen, Anklagen und Prozesse ebenso wie die Ausstellung oder Genehmigung von Haftbefehlen. Das EuropĂ€ische Parlament sieht die Arbeit des Gerichts durch zunehmende Bedrohungen und Sanktionen gegen seine Bediensteten gefĂ€hrdet.

Abgeordnete fordern Schutz durch die EU

In ihren Jahresberichten 2025 forderten Abgeordnete die EuropĂ€ische Kommission auf, das sogenannte Blocking Statute der EU zu aktivieren. Damit sollen IStGH-Bedienstete vor extraterritorialen Angriffen geschĂŒtzt und in die Lage versetzt werden, ihre Arbeit unabhĂ€ngig fortzufĂŒhren.

Alle EU-Mitgliedstaaten sind Vertragsparteien des Römischen Statuts und damit verpflichtet, Entscheidungen des IStGH umzusetzen. Die Abgeordneten bezeichneten die Missachtung des internationalen Rechts und die Politisierung von Debatten ĂŒber internationale Justizinstitutionen als existenzielle Bedrohung fĂŒr die regelbasierte internationale Ordnung.

Der Sacharow-Preis des EuropĂ€ischen Parlaments wird jĂ€hrlich an Menschen oder Organisationen verliehen, die sich fĂŒr Menschenrechte und grundlegende Freiheiten einsetzen. Mit dem Internationalen Strafgerichtshof rĂŒckt das Parlament 2026 eine Institution ins Zentrum, deren Arbeit auf der internationalen Ahndung schwerster Verbrechen beruht.

Der IStGH ergĂ€nzt nationale Gerichte und greift nach dem Römischen Statut ein, wenn Staaten mutmaßliche Verbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder das Verbrechen der Aggression nicht selbst wirksam verfolgen. Seine Ermittlungen, Anklagen, Verfahren und Haftbefehle richten sich gegen Einzelpersonen, nicht gegen Staaten.

Politische Bedeutung der Auszeichnung

Die Preisvergabe fÀllt in eine Phase, in der internationale Justizinstitutionen unter politischem Druck stehen. Das EuropÀische Parlament hatte bereits in seinen Jahresberichten 2025 vor Bedrohungen und Sanktionen gegen IStGH-Bedienstete gewarnt und einen stÀrkeren Schutz durch die EU gefordert.

FĂŒr die EU-Mitgliedstaaten hat die Auszeichnung deshalb neben der symbolischen auch eine institutionelle Bedeutung: Alle 27 Staaten sind Vertragsparteien des Römischen Statuts und mĂŒssen Entscheidungen des Gerichts umsetzen. Zugleich macht der Preis sichtbar, dass die Durchsetzung internationaler Strafjustiz von staatlicher Kooperation, finanziellen Ressourcen und dem Schutz der beteiligten Mitarbeiter abhĂ€ngt.

Signal an internationale Institutionen

Mit der Ehrung verbindet das Parlament die Verteidigung des Multilateralismus mit der Forderung, internationale Rechtsnormen nicht durch politische Einflussnahme auszuhöhlen. FĂŒr die weitere Arbeit des IStGH bleibt entscheidend, ob Staaten Ermittlungen unterstĂŒtzen, Haftbefehle vollstrecken und Bedrohungen gegen Gerichtsbedienstete zurĂŒckweisen.

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