Die juristischen Probleme des Donald Trump
21.07.2023 - 04:59:25Vor Donald Trump gab es in den USA noch nie einen ehemaligen PrÀsidenten, der sich in einem Strafverfahren vor Gericht verantworten musste. Dementsprechend groà war die Aufregung, als Ende MÀrz in New York zum ersten Mal Anklage gegen den Ex-PrÀsidenten erhoben wurde.
Im Zentrum der VorwĂŒrfe: Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin im Zuge der PrĂ€sidentenwahl 2016. Gut zwei Monate spĂ€ter dann folgte der nĂ€chste Hammer in Miami: Anklage gegen den Republikaner wegen seines Umgangs mit geheimen Regierungsdokumenten.
Nur wenige Wochen sind vergangen, da mehren sich die Anzeichen, dass dem 77-JÀhrigen eine dritte Anklage bevorstehen könnte, dieses Mal im Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen zum Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021.
Parallel wird auch im Bundesstaat Georgia ermittelt wegen einer möglichen Einflussnahme Trumps auf das Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020, bei der er gegen den Demokraten Joe Biden verlor. All das stellt Trump, der 2024 erneut PrĂ€sident werden möchte, als politisch motiviertes Vorgehen gegen ihn dar. Ein Ăberblick ĂŒber die derzeit wichtigsten Verfahren:
Anklage im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an Pornostar
Die Staatsanwaltschaft in New York legt Trump die FÀlschung von GeschÀftsunterlagen in 34 FÀllen zur Last. Er soll damit versucht haben, schÀdliche Informationen und rechtswidrige AktivitÀten vor und nach der der PrÀsidentenwahl 2016, aus der er als Sieger hervorging, zu verbergen.
Im Zentrum der VorwĂŒrfe steht die Zahlung von Schweigegeld an eine Pornodarstellerin. Trump und andere hĂ€tten systematisch versucht, negative Informationen ĂŒber ihn zu identifizieren, mit Geld zu unterdrĂŒcken und so seine Chancen bei der Wahl zu erhöhen, lautet der Vorwurf. Er habe auch groĂe Anstrengungen unternommen, um all das zu verbergen, indem er Dutzende falsche EintrĂ€ge in GeschĂ€ftsunterlagen vorgenommen habe.
Trump plĂ€dierte vor Gericht in New York Anfang April auf «nicht schuldig». Der Prozess in dem Fall soll im MĂ€rz 2024 in New York beginnen. Die parteiinternen Vorwahlen fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl sollen kurz zuvor starten.
Anklage in der AffÀre um Mitnahme geheimer Regierungsdokumente
Die Staatsanwaltschaft wirft Trump die gesetzeswidrige Aufbewahrung höchstsensibler Informationen aus seiner Zeit als US-PrÀsident (2017 bis 2021) vor. Laut Anklageschrift handelt es sich unter anderem um Dokumente mit Informationen zu nuklearen FÀhigkeiten der USA und militÀrischen NotfallplÀnen der Vereinigten Staaten.
Angeklagt ist Trump in diesem Fall auch wegen Verschwörung zur Behinderung der Ermittlungen. Die Bundespolizei FBI hatte im vergangenen August sein Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida durchsucht und dort verschiedene Verschlusssachen beschlagnahmt. Insgesamt werden in der Anklageschrift sieben Kategorien von Vergehen aufgefĂŒhrt, Trump werden insgesamt mehr als 35 Straftaten zur Last gelegt.
Das Justizministerium hatte den Sonderermittler Jack Smith damit beauftragt, die Ermittlungen in diesem politisch heiklen Fall zu leiten. Auch hier plĂ€dierte Trump bei der Vorstellung der Anklage vor Gericht in Miami im Juni auf «nicht schuldig». Es ist die erste Anklage auf Bundesebene fĂŒr Trump - der Gerichtsprozess soll am 20. Mai 2024 beginnen.
Drohende Anklage im Zusammenhang mit dem Sturm auf das US-Kapitol
Trump rechnet auch mit einer Anklage im Zusammenhang mit der ErstĂŒrmung des Sitzes des US-Parlaments am 6. Januar 2021. Nach eigenen Angaben wurde er von Sonderermittler Smith, der auch in diesem Fall Beweise sammelt, darĂŒber informiert, dass er Ziel der Untersuchung sei.
Trump hatte in den Wochen nach der PrÀsidentenwahl 2020 mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht, ihm sei der Sieg durch Wahlbetrug gestohlen worden. Anfang Januar 2021 kam es dann zum beispiellosen Angriff auf den Sitz des US-Kongresses, bei dem Trump-AnhÀnger versuchten, die formale BestÀtigung des Wahlsiegs von Joe Biden und damit den Machtwechsel in Washington zu verhindern.
Es wĂ€re die zweite Anklage auf Bundesebene fĂŒr Trump und die dritte Anklage wegen einer Straftat. Ein Untersuchungsausschuss im Kongress hatte Trump im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol gleich mehrere Vergehen vorgeworfen, unter anderem, dass er die Menge zum Aufruhr angestiftet habe. Der Ausschuss empfahl dem Justizministerium eine Anklage, dies ist aber rechtlich nicht bindend.
Strafrechtliche Ermittlungen wegen möglicher Wahlmanipulation in Georgia
In Georgia ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Trump wegen möglicher Wahlmanipulation bei der PrĂ€sidentenwahl 2020. Georgia gehörte zu jenen Bundesstaaten, die fĂŒr den Wahlausgang eine SchlĂŒsselrolle spielten. Biden gewann dort nur ganz knapp mit etwa 12.000 Stimmen Vorsprung.
Trump bemĂŒhte sich, seine dortige Wahlniederlage, wie auch in anderen Bundesstaaten, nachtrĂ€glich Ă€ndern zu lassen. Unter anderem forderte er damals den obersten Wahlaufseher in Georgia in einem Telefonat unverblĂŒmt auf, genĂŒgend Stimmen fĂŒr ihn «zu finden», um das Ergebnis «nachzuberechnen».
Mehrere Monate lang untersuchte ein Sonder-Geschworenengremium den Fall. Trump wurde nicht als Zeuge vorgeladen. Die Geschworenen hatten aber keine Befugnis, ĂŒber mögliche Anklagen zu entscheiden, sondern sollten lediglich Empfehlungen abgeben zu einer möglichen Strafverfolgung von Personen, die an den Einflussversuchen beteiligt waren.
Inzwischen ist eine regulĂ€re Grand Jury eingesetzt, die ĂŒber eine mögliche Anklage entscheiden soll. Beobachter rechnen damit, dass das noch im August passieren könnte. Ginge es Trump auch hier an den Kragen, wĂ€re dies nach New York die zweite Anklage auf Bundesstaaten-Ebene gegen ihn - und die vierte insgesamt.
Trump wegen sexuellen Ăbergriffs in Zivilverfahren zu Geldstrafe verurteilt
Neben den strafrechtlichen Verfahren ist Trump auch in eine Reihe von zivilrechtlichen Streitigkeiten verwickelt. Im Mai wurde Trump in einem Zivilverfahren wegen eines sexuellen Ăbergriffs und Verleumdung zu einer Geldstrafe in Millionenhöhe verurteilt.
Eine New Yorker Geschworenenjury sah es als erwiesen an, dass Trump die Schriftstellerin E. Jean Carroll Mitte der 1990er Jahre in einem New Yorker Nobelkaufhaus sexuell missbraucht und spĂ€ter verleumdet hatte. Den Vorwurf der Vergewaltigung wiesen die Geschworenen zurĂŒck. Trump kĂŒndigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen.


