Aussicht, Waffenruhe

Keine Aussicht auf Waffenruhe in Gaza

02.01.2025 - 04:30:28

Seit 15 Monaten wĂŒtet der Gaza-Krieg nun schon. Die GesprĂ€che ĂŒber eine Waffenruhe und Freilassung der Geiseln stecken anscheinend wieder fest. Derweil geht das Töten weiter.

  • Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde hat dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira jede TĂ€tigkeit im israelisch besetzten Westjordanland untersagt. (Archivbild) - Foto: Tim Brakemeier/dpa

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  • Angehörige der Geiseln fordern unermĂŒdlich ihre Freilassung. (Archivbild)  - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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  • Israel steht wegen der hohen Zahl von Opfern unter der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung international in der Kritik.  - Foto: Hadi Daoud/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa

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  • Israels Armee erhöht im Gazastreifen den Druck auf die Hamas. (Archivbild) - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa

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Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde hat dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira jede TĂ€tigkeit im israelisch besetzten Westjordanland untersagt. (Archivbild) - Foto: Tim Brakemeier/dpaAngehörige der Geiseln fordern unermĂŒdlich ihre Freilassung. (Archivbild)  - Foto: Ariel Schalit/AP/dpaIsrael steht wegen der hohen Zahl von Opfern unter der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung international in der Kritik.  - Foto: Hadi Daoud/APA Images via ZUMA Press Wire/dpaIsraels Armee erhöht im Gazastreifen den Druck auf die Hamas. (Archivbild) - Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa

WĂ€hrend Israels Armee 15 Monate nach Beginn des Gaza-Kriegs den Druck auf die islamistische Hamas in dem KĂŒstenstreifen erhöht, scheinen die GesprĂ€che ĂŒber eine Waffenruhe wieder in der Sackgasse zu stecken. Mehreren israelischen Beamten zufolge weigere sich die Hamas weiter, Israel eine Liste der noch lebenden Geiseln zu ĂŒbermitteln, meldete die «Times of Israel». Laut dem «Wall Street Journal» erwarten arabische Vermittler, dass beide Seiten erst nach dem Amtsantritt des designierten US-PrĂ€sidenten Donald Trump am 20. Januar an den Verhandlungstisch zurĂŒckkehren werden.

Israels Armee geht derweil im Norden des Gazastreifens weiter massiv gegen die Hamas vor. Die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, im Ort Dschabalija seien 15 Menschen beim Bombardement eines Wohnhauses ums Leben gekommen, darunter mehrere Kinder. Israels Armee sagte dazu auf Anfrage, Kampfjets hĂ€tten Hamas-KĂ€mpfer in einem GebĂ€ude angegriffen und getötet. Zuvor habe man Maßnahmen ergriffen, um Schaden von Zivilisten möglichst abzuwenden. Keine der Angaben ließ sich unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Israels MilitÀranwÀltin fordert mehr Vorsicht 

Israels oberste MilitÀranwÀltin warnte laut einem Medienbericht, die Armee unterschÀtze bei Angriffen im Gazastreifen teilweise die Zahl von Zivilisten in bestimmten Gebieten. Es sei mehr Vorsicht notwendig, schrieb auch Generalmajor Jifat Tomer-Jeruschalmi nach Angaben des Armeesenders in einem scharf formulierten Brief an den zustÀndigen Kommandeur Jaron Finkelman. So seien aus Beit Lahia im Norden Gazas rund 14.000 Zivilisten geflohen. Das MilitÀr habe zuvor aber nur mit 3.000 Menschen in dem Gebiet gerechnet. 

Israels Armee hatte nach eigenen Angaben allein im Dezember mehr als 1.400 Luftangriffe gegen Ziele in Gaza geflogen. Dazu zĂ€hlten KĂ€mpfer der Hamas und verbĂŒndeter Gruppen, Tunnel, Beobachtungs- und ScharfschĂŒtzenposten sowie Waffenlager, teilte das MilitĂ€r auf seiner Webseite mit. Die Armee betont zwar stets, sie unternehme alles, um zivile Opfer zu vermeiden. Wegen der hohen Zahl ziviler Opfer stehen die israelische Regierung und die von ihr befehligten StreitkrĂ€fte aber international schwer in der Kritik. 

Hamas beharrt auf Ende des Krieges

Seit Beginn des Krieges nach dem beispiellosen Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 mit 1.200 Toten sind nach palĂ€stinensischen Angaben im Gazastreifen mehr als 45.500 Menschen getötet worden. Die unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒfbare Zahl unterscheidet allerdings nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern. 

Seit Monaten bemĂŒhen sich die USA, Ägypten und Katar als Vermittler um eine Waffenruhe und die Freilassung der noch rund 100 im Gazastreifen vermuteten Geiseln, von denen wohl viele nicht mehr am Leben sein dĂŒrften. Erst kĂŒrzlich hatte es Anzeichen fĂŒr eine mögliche Einigung gegeben. Doch die Hamas erneuerte Medienberichten zufolge ihre Forderung nach einer Beendigung des Krieges, was Israel ablehnt.

Die Islamisten haben den Vermittlern bislang keine vollstÀndige Liste aller Geiseln vorgelegt. Man brauche mehr Zeit und eine Kampfpause, um ihren Aufenthaltsort und Gesundheitszustand in Erfahrung zu bringen, erklÀrte die Hamas den Berichten nach. Einige Geiseln sollen sich in der Gewalt anderer Terrorgruppen befinden. Israel schenke jedoch der Behauptung der Hamas keinen Glauben, dass sie nicht in der Lage sei, eine Liste der Geiseln vorzulegen, berichtete die «Times of Israel». 

PalÀstinenser verbieten Al-Dschasira im Westjordanland

Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde hat unterdessen dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira und dessen Mitarbeitern jede TĂ€tigkeit im israelisch besetzten Westjordanland untersagt. «Die Entscheidung erfolgte, nachdem Al-Dschasira weiterhin hetzerisches Material und Reportagen ausgestrahlt hatte, die die Öffentlichkeit in die Irre fĂŒhrten, Unfrieden sĂ€ten und sich in die inneren Angelegenheiten PalĂ€stinas einmischten», zitierte die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa aus einer Mitteilung der Autonomiebehörde.

Das israelische BesatzungsmilitĂ€r hatte bereits im vergangenen September das Al-Dschasira-BĂŒro in Ramallah geschlossen. Reporter des Senders berichteten aber weiterhin aus allen Teilen des Westjordanlandes. Dabei traten sie nicht mehr als Al-Dschasira-Mitarbeiter auf, sondern als freie Medienschaffende. In Israel selbst ist der arabische Fernsehsender seit Mai vergangenen Jahres verboten. 

Im Westjordanland jedoch blieb der reichweitenstarke Sender bei der Autonomiebehörde zunĂ€chst wohlgelitten. Das dĂŒrfte sich jedoch geĂ€ndert haben, seitdem sich Extremisten der Hamas und andere Militante in der Stadt Dschenin im Westjordanland seit fast einem Monat schwere Gefechte mit den SicherheitskrĂ€ften der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde liefern. Der in Katar ansĂ€ssige Sender nahm einseitig Partei fĂŒr die Extremisten, was den Zorn der Behörde und ihrer wichtigsten politischen Kraft hervorrief: der Fatah-Bewegung des gemĂ€ĂŸigten PalĂ€stinenserprĂ€sidenten Mahmud Abbas.

@ dpa.de