Wachsende Spannungen in Nahost - Massenproteste in Israel
23.03.2025 - 05:10:40 | dpa.deIm Nahen Osten wird wieder an mehreren Fronten gekĂ€mpft. Erstmals seit Monaten feuerten Militante im Libanon Raketen auf Israel, woraufhin Israels Luftwaffe nach eigenen Angaben Dutzende Stellungen der Hisbollah-Miliz bombardierte. Die Hisbollah bestritt, fĂŒr die Raketenangriffe verantwortlich zu sein. Der erneute Beschuss im Grenzgebiet der beiden LĂ€nder erfolgte nach dem kĂŒrzlichen Beginn der neuen Offensive Israels in Gaza, womit die dortige Waffenruhe mit der islamistischen Hamas faktisch endete. Seither feuert auch die Huthi-Miliz im Jemen wieder Raketen in Richtung Israel ab.
Am frĂŒhen Morgen heulten in mehreren Gebieten Israels erneut die Warnsirenen. Eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete sei noch vor dem Eindringen in israelisches Gebiet abgewehrt worden, teilte das MilitĂ€r mit. Im Stadtzentrum der KĂŒstenmetropole Tel Aviv waren dumpfe Explosionen zu hören. Es gab jedoch zunĂ€chst keine Berichte ĂŒber Verletzte oder SchĂ€den.Â
Massenproteste in Israel
Am Abend zuvor war es in Israel laut örtlichen Medien zu den gröĂten Massenprotesten gegen die Regierung von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu seit Wochen gekommen. Mehr als 100.000 Teilnehmer warfen demnach der Regierung vor, mit dem Wiederaufflammen der KĂ€mpfe in Gaza die Befreiung der Geiseln zu gefĂ€hrden. Die Wut richtet sich zudem gegen die beschlossene Entlassung des Inlandsgeheimdienstchefs Ronen Bar, die das Oberste Gericht vorerst aussetzte. Netanjahu erklĂ€rte, er habe das Vertrauen in Bar verloren. Die Opposition vermutet jedoch andere GrĂŒnde. Der Geheimdienst ermittelt zu mutmaĂlich illegalen Beziehungen von Vertrauten Netanjahus mit Katar.
Bericht: USA entsenden weiteren FlugzeugtrÀger
Vor dem Hintergrund der wieder zunehmenden Spannungen in der Region entsenden die USA nach Informationen des «Wall Street Journal» einen weiteren FlugzeugtrÀger in den Nahen Osten. Die USS Carl Vinson werde von ihrer derzeitigen Position im asiatisch-pazifischen Raum in den Nahen Osten verlegt, wo sich bereits der FlugzeugtrÀger USS Harry S. Truman befindet, zitierte die US-Zeitung einen Beamten des Pentagon in Washington. Geplant sei, dass beide FlugzeugtrÀgergruppen mindestens einige Wochen lang zusammen in der Region im Einsatz sein werden, erklÀrte der Beamte weiter.
Damit verstĂ€rken die USA ihre Feuerkraft gegen die Huthi im Jemen. Vor einer Woche begann das US-MilitĂ€r auf Befehl von PrĂ€sident Donald Trump mit einer Reihe von Luftangriffen gegen die mit dem Iran verbĂŒndete Miliz. Daraufhin kĂŒndigte Trump an, dass die Angriffe auf die Huthi weiter verstĂ€rkt wĂŒrden und dass die Miliz «vollstĂ€ndig vernichtet» werde. Trump sagte auch, die USA wĂŒrden den Iran fĂŒr alle Angriffe der Huthi verantwortlich machen und drohte der Islamischen Republik mit nicht nĂ€her bezeichneten Konsequenzen.
Israel greift nach Raketenbeschuss Hisbollah im Libanon an
Die Huthi gehören wie die Hamas im Gazastreifen sowie die Hisbollah-Miliz im Libanon zu Irans selbst ernannter Widerstandsfront gegen den Erzfeind Israel. Nachdem mit Israels Offensive im Gazastreifen die Waffenruhe mit der Hamas faktisch geendet hat, wachsen nun auch Sorgen vor einer neuen Eskalation im israelisch-libanesischen Grenzgebiet. Der jĂŒngste Beschuss auf beiden Seiten der Grenze zeigt, wie brĂŒchig die seit Ende November geltende Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah ist. Die UN-Mission Unifil sprach von einer «extrem fragilen Situation» und warnte vor einer neuen Eskalation der Gewalt.
Das israelische MilitĂ€r hatte nach eigenen Angaben drei Raketen aus dem Nachbarland abgefangen. Die Hisbollah stritt eine Verantwortung dafĂŒr ab. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieĂ es dagegen, es seien die ersten Angriffe der Miliz auf Israel seit Beginn der Waffenruhe. Daraufhin griff Israels Armee nach libanesischen Angaben mehrere Orte im sĂŒdlichen Libanon mit Artillerie, Panzern und Maschinengewehren an, Kampfjets flogen ĂŒber dem Gebiet. Dabei seien mindestens sechs Menschen getötet worden, darunter ein MĂ€dchen. Die israelische Armee erklĂ€rte, gegen Stellungen der Hisbollah-Miliz vorzugehen.
Warnung vor neuem Krieg
Libanons MinisterprĂ€sident Nauaf Salam warnte, dass Israel sein Land in einen «neuen Krieg» ziehen könne. Die Vereinten Nationen mĂŒssten international den Druck erhöhen, um einen Abzug Israels aus dem Libanon zu erreichen. Die Waffenruhe-Vereinbarung sieht eigentlich einen vollstĂ€ndigen Abzug israelischer Truppen aus dem SĂŒden des Libanons vor. Dieser ist inzwischen zwar weitgehend erfolgt, es gibt aber immer noch fĂŒnf israelische MilitĂ€rposten in GrenznĂ€he. Die libanesische FĂŒhrung wertet den Verbleib der Truppen als einen VerstoĂ gegen die Vereinbarung und protestierte mehrfach dagegen.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

