Konflikt, Israel

Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah spitzt sich zu

17.09.2024 - 15:23:23

Seit fast einem Jahr gibt es Gefechte zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israels MilitÀr. Derzeit gehen die Entwicklungen erneut in Richtung weiterer Eskalation - mit ungewissen Folgen.

  • Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen zwischen Israel und der islamistischen Hamas vor fast einem Jahr kommt es im Grenzgebiet zwischen Israel und dem nördlichen Nachbar Libanon nahezu tĂ€glich zu militĂ€rischen Konfrontationen. (Archivbild) - Foto: Mohammad Zaatari/AP/dpa

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  • Es ist fraglich, ob der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon noch diplomatisch gelöst werden kann. (Archivbild) - Foto: stringer/dpa

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Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen zwischen Israel und der islamistischen Hamas vor fast einem Jahr kommt es im Grenzgebiet zwischen Israel und dem nördlichen Nachbar Libanon nahezu tÀglich zu militÀrischen Konfrontationen. (Archivbild) - Foto: Mohammad Zaatari/AP/dpaEs ist fraglich, ob der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon noch diplomatisch gelöst werden kann. (Archivbild) - Foto: stringer/dpa

Nach fast einem Jahr Dauergefechten mehren sich erneut die Zeichen, dass der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu einem offenen Krieg eskalieren könnte. Die RĂŒckkehr der geflĂŒchteten israelischen BĂŒrger in ihre Wohnorte im Norden des Landes zĂ€hlt nun - neben der Befreiung der Geiseln aus dem Gazastreifen und der Zerstörung der Hamas - zu Israels erklĂ€rten Kriegszielen. 

Der einzige Weg dahin sei «ein militĂ€rischer Einsatz», sagte Israels Verteidigungsminister Joav Galant am Montag nach Angaben seines BĂŒros bei einem Treffen mit US-Vermittler Amos Hochstein. Die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung im Konflikt mit der Hisbollah rĂŒcke immer weiter in die Ferne, weil die Miliz ihr Schicksal mit der Hamas im Gazastreifen verbunden habe und sich weigere, den Konflikt zu beenden.

Der Generalkommissar des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks (UNRWA), Philippe Lazzarini, sagte nach einem Treffen im Libanon mit dem Außenminister Bou Habib, die Situation sei «sehr besorgniserregend». Er hoffe zwar auf das Beste, man mĂŒsse sich aber auf das Schlimmste vorbereiten. 

Hisbollah auf «jegliches Szenario» vorbereitet

Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen zwischen Israel und der islamistischen Hamas vor fast einem Jahr kommt es im Grenzgebiet zwischen Israel und dem nördlichen Nachbarland Libanon nahezu tÀglich zu militÀrischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. 

Insgesamt mussten seither rund 60.00 Israelis ihre HĂ€user und Wohnungen in vielen Dörfern sowie der Stadt Kiriat Schmona im Norden Israels verlassen. Viele Betroffene leben seit Monaten in vom Staat bezahlten Hotels im Land. In mehreren Ortschaften im israelischen Grenzgebiet wurden Dutzende HĂ€user sowie Infrastruktur beschĂ€digt. Das MilitĂ€r ist in der Gegend schon immer prĂ€sent. Seit Beginn der Gefechte mit der Hisbollah gibt es dort aber etwa auch Kontrollpunkte der Armee auf von Zivilisten genutzten Straßen. 

Auf beiden Seiten gab es Tote - die meisten von ihnen waren Mitglieder der Hisbollah. Erst am Dienstag wurden nach israelischen Angaben bei einem Angriff auf einen Ort im SĂŒdlibanon drei Hisbollah-KĂ€mpfer getötet. 

Die proiranische Schiitenmiliz handelt nach eigenen Angaben aus SolidaritĂ€t mit der islamistischen Hamas im Gazastreifen. Sie will ihre Angriffe erst einstellen, wenn die «Aggressionen gegen Gaza und das palĂ€stinensische Volk» aufhören. Unter GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah hat sie in der Vergangenheit mit UnterstĂŒtzung aus Teheran ihren Einfluss stetig ausgebaut. Dieser reicht tief in den von Krisen gelĂ€hmten libanesischen Staat. Die Organisation kontrolliert vor allem den SĂŒden an der Grenze zu Israel, von Schiiten bewohnte Viertel der Hauptstadt Beirut sowie die Bekaa-Ebene im Norden des Landes. 

Die Hisbollah sieht sich auf «jegliches Szenario» vorbereitet, wie es aus informierten Kreisen hieß. Quellen aus der Organisation sagten der Deutschen Presse-Agentur: «Unsere KĂ€mpfer stehen seit dem 8. Oktober bereit. Unsere AnfĂŒhrer haben bei sĂ€mtlichen AnlĂ€ssen betont, dass wir den Libanon beschĂŒtzen werden.» 

Beobachter gehen von weiteren militÀrischen Aktionen aus

Beobachter gehen davon aus, dass es in naher Zukunft zu weiteren und womöglich grĂ¶ĂŸeren militĂ€rischen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Israel und der Hisbollah kommen könnte. Das mögliche Ausmaß der Konfrontation sei jedoch unklar, sagte Riad Kahwaji, Direktor des Institute for Near East and Gulf Military Analysis (INEGMA), der dpa. Auch innerhalb der israelischen Regierung herrschten dazu Meinungsverschiedenheiten. Ein israelischer Einsatz mit Bodentruppen im Libanon ist nach EinschĂ€tzungen des politischen Analysten Makram Rabah wahrscheinlich. «Aber es ist eine Frage des Timings», sagte er. 

Der libanesische Parlamentssprecher und enge VerbĂŒndete der Hisbollah, Nabih Berri, erwartet keinen großangelegten, sondern eher einen limitierten Einsatz von israelischen Bodentruppen im Libanon. Der Zeitung «Al-Joumhouria» sagte er, er gehe davon aus, dass Israel seine militĂ€rischen Aktionen zwar deutlich ausweiten werde, «allerdings, ohne dass es zu einem Versuch einer Invasion» komme.

Bericht: Umfassender Krieg mit Hisbollah nÀher als je zuvor

Die israelische Zeitung «Jerusalem Post» meldete unter Berufung auf politische und militĂ€rische Kreise derweil, Israel sei einem umfassenden Krieg mit der Hisbollah nĂ€her als je zuvor. Grund dafĂŒr sei auch der «strategische Sieg» ĂŒber die Hisbollah Ende August. Damals hatte Israels Armee von einem bevorstehenden Angriff der Miliz erfahren und daraufhin Ziele im SĂŒdlibanon attackiert. Das MilitĂ€r hat dabei israelischen Angaben zufolge Tausende Raketen zerstört, die auf den Norden Israels gerichtet gewesen seien.

Dies habe die Zuversicht von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erhöht, dass sich eine umfangreiche MilitĂ€roperation im Libanon mit geringeren Verlusten und Risiken als zunĂ€chst befĂŒrchtet realisieren lasse, schrieb die «Jerusalem Post» weiter. Gewiss sei dies aber nicht, rĂ€umte das Blatt ein. Ein großangelegter Krieg sei fĂŒr alle Seiten weiter riskant.

Israel will durch militĂ€rischen und diplomatischen Druck erreichen, dass sich die Hisbollah-Miliz wieder hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurĂŒckzieht - so wie es die UN-Resolution 1701 vorsieht.

Blinken erneut in Ägypten - kein Besuch in Israel geplant

Unterdessen will sich US-Außenminister Antony Blinken bis Donnerstag bei einem Besuch in Ägypten fĂŒr eine Wiederbelebung der GesprĂ€che zur Beendigung des Gaza-Kriegs einsetzen. Ein Abkommen zwischen Israel und der Hamas ĂŒber eine Waffenruhe scheint derzeit so gut wie ausgeschlossen. Israel will die islamistische Hamas in dem Krieg zerstören - doch immer wieder sterben auch unbeteiligte PalĂ€stinenser. 

So gab es am Dienstag bei einem israelischen Angriff in dem FlĂŒchtlingsviertel Al-Bureidsch im Gazastreifen nach Angaben des palĂ€stinensischen Zivilschutzes Tote und Verletzte. Insgesamt seien sechs WohnhĂ€user betroffen. Eine genaue Zahl der Toten und Verletzten wurde zunĂ€chst nicht genannt. 

Vermittlung bislang erfolglos

Ägypten, Katar und die USA haben bisher monatelang erfolglos in dem Konflikt vermittelt. Die USA sind der wichtigste VerbĂŒndete Israels. Ein Besuch Blinkens dort ist Medienberichten zufolge derzeit aber nicht geplant. Nach Darstellung der US-Regierung soll so bald wie möglich ein neuer Vorschlag fĂŒr eine Waffenruhe vorgelegt werden.

Ägypten gehört mit Israel und der Ukraine zu den grĂ¶ĂŸten EmpfĂ€ngern von MilitĂ€r- und Wirtschaftshilfen der USA weltweit. Wegen der schlechten Lage der Menschenrechte in Ägypten hatte die US-Regierung diese Zahlungen in vergangenen Jahren teils zurĂŒckgehalten. Wegen Kairos BemĂŒhungen um eine Vermittlung im Gaza-Krieg habe Washington dieses Jahr aber entschieden, die 1,3 Milliarden US-Dollar an MilitĂ€rhilfen in vollem Umfang zu zahlen, berichtete die «New York Times».

 

@ dpa.de