NeuseelĂ€nder seit ĂŒber einem Jahr in Rebellenhand in Papua
26.02.2024 - 12:25:09 | dpa.de
Mehr als ein Jahr nach der EntfĂŒhrung eines neuseelĂ€ndischen Piloten in der indonesischen Provinz Papua durch separatistische Rebellen dauern die BemĂŒhungen um eine Freilassung der Geisel an.
Rebellen der West Papua National Liberation Army (TPNPB) hatten am 7. Februar 2023 im abgelegenen Distrikt Nduga ein kleines Verkehrsflugzeug in Brand gesetzt und den Piloten der lokalen Fluglinie Susi Air verschleppt. Am Montag traf sich der neuseelÀndische Polizeiattaché Paul Borrel mit dem Polizeichef von Papua, um das weitere Vorgehen zu besprechen, wie die Behörden in der Krisenprovinz mitteilten.
Rebellen fordern direkte GesprÀche mit Regierungsvertretern
Die Rebellen fordern die UnabhĂ€ngigkeit Papuas von Indonesien und eine Vermittlung der Vereinten Nationen bei entsprechenden Verhandlungen. Ein Sprecher der TPNPB sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Gruppe sei bereit, die Geisel freizulassen - aber nur, wenn es direkte GesprĂ€che mit den Regierungen von Indonesien und Neuseeland gebe. «Es handelt sich um eine Geiselnahme, daher mĂŒssen die neuseelĂ€ndische und die indonesische Regierung ein Team bilden und mit der TPNPB sprechen - ohne die Polizei einzubeziehen», betonte der Sprecher Sebby Sambom. «Andernfalls wird es keine Freilassung geben.»
Lebenszeichen per Video
In den vergangenen zwölf Monate haben die Rebellen mehrmals Videos und Fotos ihrer Geisel veröffentlicht. Der verschleppte Philip Mehrtens ist auf den Aufnahmen offenbar wohlauf und mitten im Dschungel zu sehen, umringt von teils schwer bewaffneten Indigenen. Das jĂŒngste Video wurde anlĂ€sslich des Jahrestages der EntfĂŒhrung verbreitet. Mehrtens ist darin blass und mit langem Bart und zersausten Haaren zu sehen. «Ich bin okay, sie behandeln mich gut», sagte er.
«Ich versuche, positiv zu bleiben, und ich hoffe, dass Du und Jacob gesund seid und es Euch gut geht und ihr UnterstĂŒtzung bekommt», wandte er sich an seine Frau und seinen Sohn. Er bat darum, Asthma-Medizin sowie einen E-Book-Reader mit so vielen englischsprachigen BĂŒchern wie möglich zu bekommen.
Gewaltsamer Befreiungsversuch scheiterte
Die indonesische Polizei arbeite hart, um Mehrtens zu befreien, sagte am Montag der örtliche Polizeichef Mathius D. Fakhiri. Sanftes Vorgehen und Kommunikation mit den EntfĂŒhrern hĂ€tten dabei Vorrang, um das Leben der Geisel nicht zu gefĂ€hrden.
Ein gewaltsamer Befreiungsversuch des MilitĂ€rs im vergangenen April war gescheitert. Bei der Aktion wurde nach Armeeangaben vier Soldaten getötet. Neuseelands PolizeiattachĂ© Borrel entschuldigte sich fĂŒr den Verlust und betonte: «Wir vertrauen die Freilassung des Piloten der indonesischen Regierung an.»
Die von Indonesien regierte Region Papua in der westlichen HĂ€lfte Neuguineas ist seit den 1960er Jahren Schauplatz separatistischer AufstĂ€nde. Die Provinz wurde 1969 in einer von den Vereinten Nationen unterstĂŒtzten Abstimmung Indonesien einverleibt. Seit Jahren kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in der rohstoffreichen Region. Der Osten der nördlich von Australien liegenden Insel ist das eigenstĂ€ndige Land Papua-Neuguinea.
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