VorlÀufiger Deal bei Verhandlungen zu US-Schuldenobergrenze
28.05.2023 - 03:04:07 | dpa.deIm US-Schuldenstreit haben PrĂ€sident Joe Biden und der Republikaner Kevin McCarthy einen Durchbruch erzielt und einen Zahlungsausfall der gröĂten Volkswirtschaft der Welt voraussichtlich abgewendet. Biden und der republikanische Vorsitzende im ReprĂ€sentantenhaus erklĂ€rten in Washington, sie hĂ€tten eine vorlĂ€ufige Einigung erreicht. Das Vorhaben muss noch vom Kongress abgesegnet werden.
Biden sagte nach Angaben des WeiĂen Hauses, das sei ein wichtiger Schritt nach vorn, der die Ausgaben senke und gleichzeitig wichtige Programme fĂŒr die arbeitende Bevölkerung schĂŒtze und die Wirtschaft fĂŒr alle stĂ€rke. AuĂerdem schĂŒtze die Vereinbarung die wichtigsten Teile seiner Agenda. «Die Einigung stellt einen Kompromiss dar, was bedeutet, dass nicht jeder bekommt, was er will.» Im Laufe der nĂ€chsten Tage wĂŒrden die Verhandlungsteams den Gesetzestext fertigstellen. Die Vereinbarung werde an das ReprĂ€sentantenhaus und den Senat weitergeleitet. «Ich fordere beide Kammern nachdrĂŒcklich auf, die Vereinbarung sofort zu verabschieden.»
McCarthy sagte, nachdem er eigenen Aussagen zufolge mit Biden telefoniert hatte: «Nach wochenlangen Verhandlungen haben wir uns grundsĂ€tzlich geeinigt. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Aber ich glaube, dass dies grundsĂ€tzlich eine Vereinbarung ist, die des amerikanischen Volkes wĂŒrdig ist.» Ăber Nacht und am Sonntag werde nun der Gesetzesentwurf fertig geschrieben - dieser solle am Sonntagnachmittag in Zusammenarbeit mit Biden endgĂŒltig abgesegnet werden. Eine Abstimmung im ReprĂ€sentantenhaus ist demnach fĂŒr Mittwoch geplant.
Yellen hatte vor Zahlungsausfall am 5. Juni gewarnt
Der Entwurf muss so schnell wie möglich in beiden Kammern des Kongresses verabschiedet und vom PrÀsidenten unterzeichnet werden, damit ein drohender Zahlungsausfall der US-Regierung tatsÀchlich abgewendet wird. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte zuletzt gewarnt, das Geld könnte am 5. Juni ausgehen. Vorausgegangen war ein intensiver Streit, der US-PrÀsident Joe Biden sogar dazu veranlasst hatte, Auslandsreisen abzusagen.
In den USA legt das Parlament in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden eine Schuldenobergrenze fest und bestimmt, wie viel Geld sich der Staat leihen darf. Mittlerweile ist dieser Schuldendeckel von rund 31,4 Billionen US-Dollar erreicht und das Finanzministerium muss die Kapitalreserven anzapfen. FĂŒr eine Anhebung der Schuldenobergrenze brauchen Biden und seine Demokraten die Republikaner im Kongress.
Auch wenn letzte Details zum Deal und die genaue Position des WeiĂen Hauses unklar blieben, sprach McCarthy davon, dass sich die Demokraten zu «historischen AusgabenkĂŒrzungen» bereit erklĂ€rt hĂ€tten und der Text keine neuen Steuern oder Regierungsprogramme enthalte.
Republikaner forderten Einsparungen im sozialen Bereich
Die Republikaner hatten Biden bei den Verhandlungen im Gegenzug fĂŒr eine Erhöhung der Schuldengrenze zu Einsparungen etwa im sozialen Bereich drĂ€ngen wollen. So forderte McCarthy etwa, dass Menschen, die bestimmte soziale Leistungen erhalten, im Gegenzug einem Job nachgehen mĂŒssten. Das wollen Bidens Demokraten nicht. Sie wollten stattdessen «Steuerschlupflöcher» schlieĂen - konkret: Reiche stĂ€rker besteuern. Dagegen stemmen sich die Republikaner.
Der monatelange Streit hatte die USA an den Rand der ZahlungsunfĂ€higkeit gebracht. Wenn es dazu tatsĂ€chlich gekommen wĂ€re, hĂ€tte eine folgende globale Finanzkrise einen starken wirtschaftlichen Abschwung auslösen können. Die USA wĂ€ren dann nicht mehr in der Lage, einen GroĂteil ihrer Rechnungen zu begleichen - Millionen Menschen hĂ€tten in der Folge ihre Jobs verlieren können.
Der Streit hatte zwischenzeitlich sogar die KreditwĂŒrdigkeit der USA bedroht. Die Ratingagentur Fitch behielt am Mittwochabend (Ortszeit) fĂŒr die weltgröĂte Volkswirtschaft zwar das Top-Rating «AAA» bei, senkte den Ausblick fĂŒr die KreditwĂŒrdigkeit aber auf «negativ», so dass eine Abstufung drohen könnte.
Abstimmung im ReprĂ€sentantenhaus ist nĂ€chste HĂŒrde
Doch die nĂ€chste HĂŒrde wird die Abstimmung im ReprĂ€sentantenhaus am Mittwoch sein. Dort ist die Situation besonders verfahren, weil die Republikaner nur eine sehr knappe Mehrheit haben. In der Fraktion sitzen auch radikale Abgeordnete, die kein Interesse an einem realistischen Kompromiss zeigen. McCarthy ist zu Beginn des Jahres erst nach einem historischen Wahlchaos von seiner Fraktion zum Vorsitzenden der Parlamentskammer gewĂ€hlt worden. Das hatte seine Position enorm geschwĂ€cht.
Der Streit um die Schuldengrenze ist nun eine groĂe BewĂ€hrungsprobe fĂŒr McCarthy, bei der er fĂŒr seine Partei Ergebnisse liefern muss. Dabei muss es ihm auch gelingen, auch einige Radikale hinter einer möglichen Einigung zu versammeln, um eine möglichst breite Mehrheit in seiner Partei zu haben. WĂ€re er bei einer Abstimmung auf besonders viele Stimmen der Demokraten angewiesen, weil seine Parteikollegen sich quer stellen, wĂŒrde ihn das weiter schwĂ€chen.
Der Streit hatte auch einen Schatten auf Bidens Reise zum G7-Gipfel nach Japan geworfen - Biden verhandelte wĂ€hrend des Trips weiter. Immer wieder hatte er betont, dass es schon 78 Mal in der US-Geschichte geglĂŒckt sei, einen Zahlungsausfall zu verhindern.
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