Israel verstÀrkt Angriffe im Gazastreifen
27.10.2023 - 21:10:24Israels Armee hat angekĂŒndigt, ihre BodeneinsĂ€tze im Gazastreifen gegen die islamistische Hamas auszuweiten. Das teilte MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari am Freitagabend auf der Plattform X, vormals Twitter, mit. In den letzten Stunden habe das MilitĂ€r seine Angriffe im Gazastreifen bereits verstĂ€rkt.
Es wĂŒrden vermehrt unterirdische Ziele und terroristische Infrastruktur angegriffen, erklĂ€rte er weiter. Es blieb zunĂ€chst unklar, ob die AnkĂŒndigung den Beginn der weithin erwarteten Bodenoffensive des israelischen MilitĂ€rs darstellte. Das MilitĂ€r hatte zuvor bereits vereinzelte, zeitlich eng begrenzte VorstöĂe am Boden gemacht.
Medienberichte deuteten am Freitagabend auf massive israelische Bombenangriffe im Gazastreifen hin. Ein MilitÀrsprecher teilte dazu auf Anfrage lediglich mit, die StreitkrÀfte griffen in ihrem Kampf gegen die Hamas «laufend» Ziele im Gazastreifen an.
Internet im Gazastreifen ausgefallen
Nach Angaben der PalÀstinensischen Telekommunikationsgesellschaft fielen im Gazastreifen alle Kommunikations- und Internetdienste aus. Schuld sei die heftige Bombardierung durch die israelische Armee, teilte das im Westjordanland ansÀssige palÀstinensische Telekommunikationsunternehmen «Paltel» mit.
Auch die Organisation Netblocks, die fĂŒr die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, bestĂ€tigte auf der Plattform X einen Zusammenbruch der Internetverbindungen im Gazastreifen.
Neue Raketenangriffe auf Ziele in Israel
Die israelische Armee hatte bereits am Freitagmorgen mitgeteilt, binnen 24 Stunden mehr als 250 Ziele im Gazastreifen angegriffen zu haben. Darunter seien Tunnel der Hamas sowie Kommandozentren und Raketenabschussrampen gewesen, erklÀrte die Armee.
PalÀstinensische Extremisten im Gazastreifen feuerten am Freitag auch erneut Raketen auf Israel ab, vielerorts ertönten Sirenen. Beim Einschlag einer Rakete in der Metropole Tel Aviv wurden Helfern zufolge drei Menschen verletzt. Nach Angaben Israels wurden seit Kriegsbeginn bereits mehr als 8000 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. Die allermeisten davon werden von Israels Raketenabwehrsystem abgefangen.
Bei einem Terrorangriff der Hamas im Grenzgebiet zum Gazastreifen am 7. Oktober waren in Israel mehr als 1400 Menschen getötet worden. Mehr als 200 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt. Seither bombardiert Israel massiv Ziele im Gazastreifen. Zudem mobilisierte das MilitĂ€r rund 300.000 Reservisten und zog fĂŒr eine mögliche Bodenoffensive KrĂ€fte in der NĂ€he des Gazastreifens zusammen.
Zahl der Todesopfer im Gazastreifen weiter angestiegen
Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser im Gazastreifen stieg seit Kriegsbeginn nach Darstellung des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 7326 an. Darunter sollen 3038 Kinder und Jugendliche sowie 1792 Frauen sein, wie das Ministerium mitteilte. Die Zahlen waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen.
Das UN-NothilfebĂŒro OCHA erklĂ€rte unter Berufung auf Hamas-Behörden, dass fast die HĂ€lfte aller HĂ€user im Gazastreifen durch israelische Angriffe zerstört, unbewohnbar oder beschĂ€digt worden sei.
Israel lehnt humanitÀre Feuerpausen «derzeit» weiter ab
Die Forderung der Staats- und Regierungschefs der EU vom Donnerstagabend nach «humanitĂ€ren Korridoren und Pausen fĂŒr humanitĂ€re Zwecke» im Gazastreifen wies Israel zurĂŒck. «Israel lehnt einen humanitĂ€ren Waffenstillstand derzeit ab», sagte ein Sprecher des AuĂenministeriums. Dazu zĂ€hle «jegliche Art geforderter Feuerpausen». Die Hamas wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.
Israels Armee: Hamas-Kommandozentrale unter gröĂter Gaza-Klinik
Erkenntnissen israelischer Geheimdienste zufolge missbraucht die im Gazastreifen herrschende Hamas die gröĂte Klinik in dem KĂŒstengebiet als Kommando- und Kontrollzentrum. «Hamas-Terroristen operieren innerhalb und unter dem Schifa-Krankenhaus», sagte MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari. Zu der unterirdischen Basis fĂŒhrten Tunnel von auĂerhalb, zudem gebe es innerhalb der Klinik einen Eingang. Die Hamas nutze zudem auch verschiedene Abteilungen des Krankenhauses, um «TerroraktivitĂ€ten» und RaketenabschĂŒsse zu befehlen und zu kontrollieren, sagte er. Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Die Hamas bestritt die Aussagen des MilitĂ€rs. Das Krankenhaus werde nicht fĂŒr «militĂ€rische Zwecke» genutzt. Die Islamistenorganisation warf Israel PlĂ€ne vor, die gesamte medizinische Versorgung in dem KĂŒstengebiet zerstören zu wollen.
UN-MenschenrechtsbĂŒro sieht Kriegsverbrechen aufseiten Israels
Das UN-MenschenrechtsbĂŒro wirft Israel Kriegsverbrechen vor. Den mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen Strom und Treibstoff vorzuenthalten, sei eine kollektive Bestrafung. «Kollektive Bestrafungen sind ein Kriegsverbrechen», sagte die Sprecherin, Ravina Shamdasani, in Genf. Der Treibstoffmangel zwinge zur SchlieĂung von KrankenhĂ€usern und BĂ€ckereien.
Die Menschen lebten unter verheerenden Bedingungen, es mangele an sauberem Trinkwasser und die sanitĂ€ren Einrichtungen seien unzureichend. «FĂŒr die 2,2 Millionen Menschen, die im Gazastreifen eingeschlossen sind und kollektiv bestraft werden, bahnt sich eine humanitĂ€re Katastrophe an», sagte Shamdasani. Sie fĂŒgte hinzu, dass auch die EntfĂŒhrung von Zivilisten ein Kriegsverbrechen sei.
Zahl der Geiseln höher als bisher angenommen
Die Zahl der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln ist höher als bisher von Israel angenommen. Man habe bis Freitag die Familien von 229 Geiseln informiert, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari. Das waren fĂŒnf mehr als noch am Vortag. Es werde erwartet, dass die Zahl noch steigen könnte. Die vier von der islamistischen Hamas bereits freigelassenen Geiseln sind nach MilitĂ€rangaben bei der Zahl nicht mit eingerechnet. Nach israelischen Informationen sind unter den Geiseln BĂŒrger aus 25 Staaten, darunter auch Deutsche.
Israel: «Dutzende» Hamas-KÀmpfer getroffen
Bei den Luftangriffen seit Donnerstag seien «Dutzende» Hamas-Mitglieder getroffen worden, hieĂ es von israelischer Seite. Auch ein ranghoher Hamas-Befehlshaber sei getötet worden. Der Kommandeur Madhat Mubaschar sei an mehreren Sprengstoff- und ScharfschĂŒtzenangriffen auf israelische Zivilisten und Soldaten beteiligt gewesen.
WHO: Diskussion ĂŒber Opferzahlen nicht angebracht
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hĂ€lt die Diskussion ĂŒber die VerlĂ€sslichkeit der Opferzahlen, die von der im Gazastreifen herrschenden PalĂ€stinenserorganisation Hamas stammen, fĂŒr zynisch. Die WHO habe ĂŒber Jahre keinen Anlass fĂŒr Zweifel an Zahlen dieser Gesundheitsbehörden gehabt, sagte der WHO-Vertreter fĂŒr die besetzten palĂ€stinensischen Gebiete, Richard Peeperkorn.
Es mache auch keinen Unterschied, ob es tausend mehr oder weniger Opfer gebe - die humanitĂ€re Lage im Gazastreifen sei katastrophal, die Zahl der Opfer durch israelische Angriffe enorm. Nach Angaben von Peeperkorn funktionieren noch 23 der insgesamt 35 KrankenhĂ€user im Gazastreifen teilweise. Es mĂŒsse auch auf dem FuĂboden operiert werden, sagte er.
Dritter EU-Hilfsflug fĂŒr Gaza gestartet
Ein dritter von der EU finanzierter Flug mit 51 Tonnen HilfsgĂŒtern fĂŒr die Menschen im Gazastreifen hat sich auf den Weg in die Region gemacht. Am Freitag sei eine Maschine in Kopenhagen gestartet, teilte die EU-Kommission mit. Sie bringe unter anderem Medikamente nach Ăgypten. Die EU finanziere die Gesamtkosten aller FlĂŒge, hieĂ es.
Aus Ăgypten sollen die HilfsgĂŒter weiter nach Gaza transportiert werden. Die GĂŒter werden den Angaben zufolge ĂŒber Partnerorganisationen wie das Internationale Rote Kreuz abgewickelt. Bislang kommen allerdings nur sehr wenig HilfsgĂŒter in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet an.

















