Druck, Israel

Druck auf Israel zu ZurĂŒckhaltung im Gaza-Krieg wĂ€chst

14.12.2023 - 17:11:41

Selbst Israels engster VerbĂŒndeter USA drĂ€ngt das Land immer stĂ€rker zu mehr RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Muss sich Israel dem Druck beugen?

Knapp zehn Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs wĂ€chst der Druck auf Israel, bei seinem Vorgehen gegen die islamistische Hamas mehr RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen. Auch aus den USA, einem engen VerbĂŒndeten Israels, wird der Ton schĂ€rfer. Von einem Besuch des Nationalen Sicherheitsberaters der USA, Jake Sullivan, in Israel erwarte man sich «Àußerst ernste GesprĂ€che», hieß es aus Washington.

Unterdessen ließ die Bundesanwaltschaft in Berlin und im niederlĂ€ndischen Rotterdam insgesamt vier mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Hamas wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer auslĂ€ndischen terroristischen Vereinigung festnehmen. Es gehe um Waffen, die fĂŒr mögliche AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa bereitgehalten werden sollten, hieß es in einer Mitteilung.

Auch in DÀnemark gab es nach Angaben des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad mehrere Festnahmen von TerrorverdÀchtigen mit Bezug zur islamistischen Hamas.

Die Kritik an Israel wird nicht nur wegen der vielen Kriegsopfer im Gazastreifen, sondern auch wegen der Gewalt durch israelische Siedler gegen PalĂ€stinenser im Westjordanland lauter. Einem Bericht zufolge halten die USA bereits Waffenlieferungen zurĂŒck, aus Sorge, sie könnten in die HĂ€nde radikaler Siedler gelangen. Großbritanniens Außenminister David Cameron kĂŒndigte Einreiseverbote gegen radikale Siedler an.

In der Frage, wie es in Gaza nach dem Krieg weitergehen soll, tut sich ebenfalls eine Kluft zwischen Israel und seinen VerbĂŒndeten auf. WĂ€hrend eine Zweistaatenlösung international weiterhin als bester Weg zu einer friedlichen Koexistenz von Israelis und PalĂ€stinensern gilt, sĂ€ten Vertreter der israelischen Regierung erneut Zweifel an einer solchen Lösung.

US-Sicherheitsberater zu «ernsten GesprÀchen» in Israel

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, hat nach Angaben des Weißen Hauses mit der israelischen FĂŒhrung ĂŒber einen möglichen Übergang zu militĂ€rischen «Operationen geringerer IntensitĂ€t» in Gaza gesprochen. Dies sei ein Thema fĂŒr «irgendwann in der nahen Zukunft», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, in Washington. «Ich möchte mich nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen.» Man wolle der islamistischen Hamas auch nicht mitteilen, was in den kommenden Wochen oder Monaten auf sie zukommen werde. Wie eine solche militĂ€rische Operation aussehen könnte, sagte Kirby nicht und verwies auf die israelische Regierung.

Sullivan hatte bei seinem Besuch in Israel unter anderem Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Joav Galant getroffen. Galant hatte die USA auf einen noch «mehr als ein paar Monate» dauernden Krieg gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen eingeschworen. Angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Lage in dem KĂŒstengebiet aufgrund des Kriegs war Israel zuletzt international immer mehr unter Druck geraten - auch aus den USA.

Angesprochen auf die Dauer des Krieges sagte Kirby, die USA diktierten den Israelis nicht, wie lange er dauern solle. Er mĂŒsse so lange dauern, wie die israelische FĂŒhrung meine, dass es nötig sei, die Bedrohung durch die islamistische Hamas zu beseitigen. «Aber natĂŒrlich wollen wir alle, dass es so schnell wie möglich vorbei ist», sagte Kirby.

Festnahmen in Berlin nach Verdacht auf Hamas-AnschlagsplÀne

Wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer auslĂ€ndischen terroristischen Vereinigung nahm die Bundesanwaltschaft in Berlin und im niederlĂ€ndischen Rotterdam insgesamt vier mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Hamas fest.

Laut einer Mitteilung wurden in Berlin drei MĂ€nner festgenommen. Ein weiterer wurde in Rotterdam gefasst. Den Beschuldigten wird die Mitgliedschaft in einer auslĂ€ndischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Einer der in Berlin ansĂ€ssigen Beschuldigten soll von der Hamas damit beauftragt worden sein, ein Erddepot mit Waffen in Europa ausfindig zu machen, das die Organisation dort in der Vergangenheit angelegt habe. Die Waffen sollten demnach nach Berlin gebracht und fĂŒr mögliche AnschlĂ€ge auf jĂŒdische Einrichtungen in Europa bereitgehalten werden.

CNN: Großteil israelischer Munition nicht prĂ€zisionsgelenkt

Einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zufolge sind etwa 40 - 45 Prozent der von Israel im Gaza-Krieg abgeworfenen Luft-Boden-Munition nicht prĂ€zisionsgelenkt. Der US-Sender bezog sich bei seinen Angaben auf Geheimdienstinformationen. Israel habe seit dem 7. Oktober insgesamt rund 29.000 StĂŒck Munition gegen Ziele am Boden eingesetzt. Ungelenkte Munition sei in der Regel weniger prĂ€zise und könne eine grĂ¶ĂŸere Gefahr fĂŒr die Zivilbevölkerung darstellen, hieß es in dem Bericht.

Die israelische MilitĂ€rsprecherin Keren Hajioff sagte gestern, das MilitĂ€r plane seine EinsĂ€tze sehr genau und setze spezielle Munition ein, um zivile Opfer möglichst zu vermeiden. US-PrĂ€sident Joe Biden hatte zuvor kritisiert, Israel beginne durch sein «willkĂŒrliches Bombardement» an UnterstĂŒtzung zu verlieren.

Auslöser des Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Mehr als 1200 Menschen wurden dabei getötet und rund 240 Geiseln nach Gaza verschleppt. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums kamen bisher rund 18.000 Menschen im Gazastreifen ums Leben.

USA halten Waffen fĂŒr Israel wegen radikaler Siedler zurĂŒck

Die USA zögern einem Zeitungsbericht zufolge mit einer Lieferung von mehr als 27.000 Gewehren, die fĂŒr Israels Polizei bestimmt sind. Die Regierung habe Bedenken, dass die Waffen auch in die HĂ€nde radikaler Siedler im Westjordanland gelangen könnten, schrieb das «Wall Street Journal» unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsbeamte. Die bisherigen Zusicherungen Israels, dass die Gewehre nur bei der Polizei verblieben, reichten demnach nicht aus. Das US-Außenministerium habe deshalb konkrete Schritte gefordert, mit denen die von Siedlern im Westjordanland ausgehende Gewalt gegen PalĂ€stinenser eingedĂ€mmt werde, so die Zeitung.

Israelische Botschafterin in London: Keine Zweistaatenlösung

Die israelische Botschafterin im Vereinigten Königreich, Tzipi Hotovely, schließt eine Zweistaatenlösung im Anschluss an den Krieg in Gaza aus. In einem Interview mit dem britischen Nachrichtensender Sky News sagte sie auf mehrfache Nachfrage, eine Zweistaatenlösung komme «absolut nicht» infrage fĂŒr die Zeit nach dem Gazakrieg.

Der Osloer Friedensprozess sei gescheitert, weil die PalĂ€stinenser nie einen eigenen Staat an der Seite Israels gewollt hĂ€tten, sondern einen, der das Staatsgebiet Israels umfasse, sagte die ultrarechte Ex-Politikerin, die bereits mehrere Kabinettsposten in ihrer Heimat bekleidete. Der israelische Minister fĂŒr soziale Gleichheit, Amichai Chikli, von der Regierungspartei Likud schloss sogar die Errichtung von israelischen Siedlungen im Gazastreifen nicht aus.

Israel bittet Ägypten um Vermittlung fĂŒr Geisel-Deal

Israel bat einem Medienbericht zufolge Ägypten um die Vermittlung eines neuen Geisel-Deals mit der Hamas und der Aushandlung einer Feuerpause. Teil eines solchen Abkommens solle auch eine Feuerpause im Gazastreifen und in Israel sein, berichtete die arabischsprachige Zeitung Al Arabi Al Dschadid.

Die Hamas bestĂ€tigte, Vermittler seien in «ernsthaften GesprĂ€chen ĂŒber eine Feuerpause». Ein hochrangiger Hamas-FunktionĂ€r sagte der Deutschen Presse-Agentur, es werde keinen Austausch von Geiseln und Gefangenen geben, bevor eine Waffenruhe in Kraft trete.

Bereits Ende November vereinbarten Israel und die islamistische Hamas unter Vermittlung Ägyptens und Katars eine einwöchige Feuerpause, in deren Verlauf 105 von der Hamas und anderen Gruppen in den Gazastreifen verschleppte Geiseln freikamen.

Mossad: Hamas-TerrorverdÀchtige in DÀnemark festgenommen

Behörden in DĂ€nemark nahmen nach Angaben des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad mehrere TerrorverdĂ€chtige mit Bezug zur islamistischen Hamas fest. Die Sicherheitsdienste hĂ€tten damit «einen Anschlag vereitelt, dessen Ziel es war, unschuldige Zivilisten auf europĂ€ischem Boden zu töten», teilte das BĂŒro von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu mit. Den Angaben nach wurden insgesamt sieben Personen festgenommen. Die dĂ€nische Polizei sprach zunĂ€chst von drei Festnahmen. Das Ziel des geplanten Anschlags war zunĂ€chst unklar.

US-Zerstörer reagierte auf Angriff im Roten Meer

Ein Zerstörer der US-Marine reagierte im Roten Meer auf einen Notruf eines Tankers, der nach amerikanischen Angaben von den jemenitischen Huthi-Rebellen angegriffen worden sein soll. Das zustĂ€ndige Regionalkommando des US-MilitĂ€rs teilte auf X (ehemals Twitter) mit, dass KrĂ€fte der von Iran unterstĂŒtzten Huthis versucht hĂ€tten, an Bord des Tankers zu gelangen. Der Versuch sei jedoch gescheitert. Daraufhin seien zwei Raketen aus Gebieten im Jemen, die von den Huthis kontrolliert werden, auf das Schiff abgefeuert worden. Beide hĂ€tten ihr Ziel verfehlt.

Telekommunikationsdienste im Gazastreifen ausgefallen

Im Gazastreifen sind die Telekommunikationsdienste nach Angaben des Anbieters Paltel erneut ausgefallen. Alle Kommunikations- und Internetdienste seien wegen der «anhaltenden Aggression» vollstÀndig eingestellt worden, schrieb das im Westjordanland ansÀssige palÀstinensische Unternehmen auf Facebook.

Seit Beginn des Kriegs sind die Kommunikationsnetze in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet mehrfach ausgefallen. Verbindungen nach außen waren dabei nur noch mit Satellitenhandys und mitunter von hohen GebĂ€uden im SĂŒden des Gazastreifens mit israelischen Sim-Karten möglich.

@ dpa.de