Wolodymyr Selenskyj, Russische Ölraffinerien

Selenskyj kündigt Angriffe auf russische Ölraffinerien an

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der ukrainische Präsident reagiert damit auf aus seiner Sicht fehlende Warnungen vor russischen Angriffen sowie auf Einschränkungen bei US-Geheimdiensthilfe und Starlink. Zugleich verschärft sich der politische Streit mit Washington über eine begrenzte Energie-Waffenruhe und geplante Dieselimporte aus Russland.

Russische Raffinerien und US-Unterstützung

  • Selenskyj kündigte im Interview mit der Financial Times weitere Angriffe auf russische Ölraffinerien an.
  • Russland meldete Attacken auf Anlagen in Rjasan und Saratow sowie einen Brand auf dem Gelände einer Raffinerie.
  • Das russische Verteidigungsministerium sprach von vier Flamingo-Marschflugkörpern und 69 Drohnen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich nicht mehr an die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe für Energieinfrastruktur halten und wieder russische Ölraffinerien angreifen. - Bild: Henry Nicholls/PA Wire/dpa

Selenskyj kündigt weitere Angriffe auf russische Raffinerien an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach einem Bericht der Financial Times trotz der Kritik von US-Präsident Donald Trump neue Angriffe auf russische Ölraffinerien angekündigt. Die Zurückhaltung sei vorbei, sagte Selenskyj in einem Interview und verwies zugleich auf den Mangel an US-Geheimdienstdaten sowie die Drosselung des Satelliteninternetdienstes Starlink.

Raffinerien in Rjasan und Saratow betroffen

Selenskyj sagte, die Ukraine werde einen Ausweg finden, nannte aber keine Einzelheiten. Andere westliche Geheimdienste lieferten Kiew weiterhin Daten.

Russland meldete am Mittwoch neue ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow. Das Gebiet Rjasan berichtete am Donnerstag von einer weiteren Drohnenattacke, bei der auf dem Gelände einer Raffinerie ein Brand ausgebrochen sei.

Moskau weist auf Friedensbemühungen hin

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Ukraine habe vier Marschflugkörper vom Typ Flamingo und 69 Drohnen gegen die Raffinerie eingesetzt. Unabhängige Angaben zu den Schäden lagen zunächst nicht vor.

Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte gelassen auf Selenskyjs Ankündigung. Derartige Angriffe seien nichts Neues und stünden im ernsten Widerspruch zu den Bemühungen der USA, einen Friedensprozess anzustoßen.

Streit über Dieselimporte und Energiepause

Selenskyj hatte in den vergangenen Tagen mehrfach einen von Trump und Kremlchef Wladimir Putin vereinbarten Diesel-Deal kritisiert. Die USA wollten wegen der angespannten Marktlage und hoher Preise Diesel aus Russland importieren und dafür Sanktionen lockern.

Die Ukraine beklagt, dass dadurch Geld in die russische Kriegskasse fließen könnte. Nach einer von Trump verkündeten begrenzten Waffenruhe hatte Kiew nach Selenskyjs Darstellung zunächst auf Angriffe gegen russische Energieinfrastruktur verzichtet.

Selenskyj beklagt Druck aus Washington

US-Militärs hätten ukrainischen Kollegen erklärt, dass sie keine Geheimdienstdaten mehr liefern würden, wenn die Ukraine Angriffe auf russische Ölraffinerien nicht einstelle, sagte Selenskyj. Zugleich sei das für das ukrainische Militär wichtige Starlink-System gedrosselt worden.

Selenskyj bezeichnete dies als absichtliche Maßnahme. Elon Musk erklärte, das US-Militär und der Präsident hätten über die Begrenzung des militärischen Starlink-Ablegers entschieden, und forderte Selenskyj zum Rücktritt auf. Selenskyj sagte zugleich, die USA seien lange ein strategischer Partner der Ukraine gewesen; ohne ihre Unterstützung sei der Verteidigungskampf sehr schwer.

Selenskyjs Ankündigung steht im Zusammenhang mit einem von US-Präsident Donald Trump verkündeten begrenzten Stopp von Angriffen auf Energieanlagen. Nach Darstellung der dpa-Meldung hatte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Energieziele zunächst zurückgestellt, während Russland zugleich weitere Attacken auf ukrainische Infrastruktur ausführte.

Für Kiew haben die angekündigten Schläge daher eine doppelte Funktion: Sie sollen militärischen Druck auf russische Treibstoffversorgung ausüben und zugleich zeigen, dass die Ukraine ihre Handlungsfähigkeit trotz Einschränkungen bei US-Unterstützung bewahren will. Raffinerien sind für die Versorgung mit Kraftstoffen und damit auch für militärische Logistik bedeutsam. Angriffe auf solche Anlagen können deshalb wirtschaftliche und operative Folgen haben, bergen aber das Risiko einer weiteren Eskalation.

Abhängigkeit von US-Unterstützung

Besonders folgenreich ist der Streit über Geheimdienstdaten und Starlink. Frühwarnungen und sichere Kommunikation unterstützen ukrainische Streitkräfte bei der Abwehr russischer Angriffe und bei eigenen Operationen. Der Konflikt über diese Hilfe verschärft zugleich die politischen Spannungen zwischen Kiew und Washington.

Der von Selenskyj kritisierte Diesel-Deal würde nach der dpa-Meldung eine Lockerung von Sanktionen und den Import russischen Diesels durch die USA vorsehen. Für die Ukraine steht damit die Sorge im Mittelpunkt, dass wirtschaftliche Entlastung für Russland dessen Kriegsführung indirekt finanzieren könnte. Die nächsten Schritte hängen deshalb sowohl von der Umsetzung der Energievereinbarung als auch vom Umfang der westlichen Unterstützung ab.

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