Wolodymyr Selenskyj, Russland-Ukraine-Krieg

Selenskyj: Partner warnen nicht vor Raketenangriff auf Kiew

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der ukrainische Präsident macht westliche Verbündete für eine fehlende Warnung vor einem russischen Raketenangriff auf Kiew verantwortlich. In Charkiw starben nach seinen Angaben vier Menschen, 41 wurden verletzt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Partner diesmal nicht vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt haben. (Archivbild) - Bild: Attila Husejnow/AP/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Partner diesmal nicht vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt haben. (Archivbild) - Bild: Attila Husejnow/AP/dpa

Angriffe treffen Kiew und Charkiw

  • Selenskyj erklärt, westliche Partner hätten vor dem Angriff auf Kiew keine Warnung übermittelt.
  • Nach seinen Angaben trafen fünf ballistische Raketen zivile Infrastruktur in der ukrainischen Hauptstadt.
  • In Charkiw wurden laut Selenskyj vier Menschen getötet und 41 verletzt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach russischen Raketenangriffen auf Kiew eine fehlende Vorwarnung durch westliche Verbündete beklagt.

Keine Warnung vor Raketenstart

„Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen seien entscheidend, um Menschenleben zu retten und die Bevölkerung rechtzeitig zu alarmieren.

Selenskyj nannte keinen Staat namentlich. Er forderte jedoch ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, die tatsächlich helfen, sowie wirksamen Druck auf Russland.

Fünf Raketen treffen zivile Infrastruktur

Die ukrainischen Luftstreitkräfte erklärten nach dem Angriff, es müsse geklärt werden, warum diesmal keine Warnung vor der Attacke ausgelöst worden sei. Die Ukraine nutzt traditionell Aufklärungsdaten des US-Militärs sowie weiterer Nato-Mitgliedstaaten.

Selenskyj bezeichnete den Angriff als hinterhältig. Fünf ballistische Raketen hätten zivile Infrastruktur in Kiew getroffen. Die Hauptstadt war in der Vergangenheit bereits von schnellen ballistischen Flugkörpern überrascht worden, bevor Luftalarm ausgelöst werden konnte.

Tote und Verletzte in Charkiw

Auch die ostukrainische Großstadt Charkiw wurde erneut angegriffen. Nach Angaben Selenskyjs wurde ein gewöhnliches Wohnhaus zerstört; die Suche nach Verschütteten dauerte demnach an.

Der Präsident sprach von vier Toten und insgesamt 41 Verletzten an einem Abend. Er verurteilte den Angriff und verwies zugleich auf die anhaltende Gefährdung ziviler Infrastruktur in mehreren Regionen.

Streit über Energie-Waffenruhe

Selenskyj warf Russland außerdem vor, die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen nicht einzuhalten. Die Ukraine habe seit der Ankündigung keine russischen Ölraffinerien oder anderen Ziele im russischen Energiesektor angegriffen.

Russland habe dagegen weiterhin ukrainische Energieanlagen und kritische Infrastruktur attackiert. Nach Selenskyjs Angaben waren davon 19 Regionen betroffen.

Warnungen als Teil der Luftverteidigung

Die ukrainische Luftverteidigung stützt sich nicht nur auf eigene Radarsysteme und Abfangwaffen. Aufklärungsdaten verbündeter Staaten können helfen, den Start ballistischer Raketen früh zu erkennen und Warnungen für die Bevölkerung auszulösen. Gerade bei schnellen Flugkörpern ist die Zeit zwischen Start und Einschlag kurz.

Der von Selenskyj beklagte Ausfall der Vorwarnung berührt deshalb einen besonders sensiblen Bereich der militärischen Zusammenarbeit. Für die ukrainische Bevölkerung entscheidet eine rechtzeitige Alarmierung darüber, ob Schutzräume erreicht oder gefährdete Gebäude verlassen werden können. Zugleich macht der Vorgang sichtbar, wie stark Kiew bei bestimmten Fähigkeiten auf Partner angewiesen ist.

Energie und zivile Infrastruktur unter Druck

Die Angriffe auf Kiew und Charkiw fallen in eine Phase, in der die Energieversorgung erneut zum zentralen Ziel des Krieges wird. Angriffe auf Kraftwerke, Netze und andere kritische Infrastruktur können nicht nur unmittelbare Schäden verursachen, sondern auch die Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser beeinträchtigen.

Die von den USA angekündigte Energie-Waffenruhe bildet dabei bislang keinen verlässlichen Schutz. Frühere Angriffe und die aktuellen Vorwürfe zeigen, dass politische Ankündigungen ohne abgestimmte Vereinbarung und praktische Kontrollmechanismen nur begrenzte Wirkung entfalten. Für die Ukraine bleibt damit neben der Abwehr einzelner Angriffe die langfristige Stärkung von Luftverteidigung, Frühwarnung und resilienter Infrastruktur entscheidend.

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