Selenskyj will Datum fĂŒr EU-Beitritt - Nato berĂ€t zu Ukraine
12.02.2026 - 05:32:18In der Diskussion um einen EU-Beitritt der Ukraine fordert PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj, ein genaues Datum dafĂŒr in einem möglichen Abkommen fĂŒr eine Beendigung des Kriegs mit Russland festzuhalten. Zugleich knĂŒpfte er eine PrĂ€sidentenwahl in seinem kriegsgeplagten Land in einem Post auf X erneut an die Sicherheitslage. In BrĂŒssel kommen heute unterdessen die Verteidigungsminister der Nato-Staaten zusammen, um einmal mehr um die UnterstĂŒtzung der Ukraine und die BemĂŒhungen um einen Ausbau von Abschreckung und Verteidigung zu sprechen.
Selenskyj: EU ist Sicherheitsgarantie fĂŒr Ukraine
FĂŒr die Ukraine sei es wichtig, alles dafĂŒr zu tun, bis 2027 fĂŒr einen EU-Beitritt bereit zu sein, schrieb Selenskyj in sozialen Medien. Zumindest die wichtigsten Schritte werde sie erreichen. Er machte deutlich: «Ich will ein genaues Datum.» Wenn in dem Abkommen, das die USA, Russland, die Ukraine und Europa unterzeichnen sollen, kein genaues Datum stehe, werde Russland alles dafĂŒr tun, um den Beitrittsprozess zu blockieren. Die EU sei fĂŒr sein Land eine Sicherheitsgarantie.Â
Selenskyj hatte Ende Januar einen EU-Beitritt seines Landes schon 2027 gefordert, ungeachtet teils verbreiteter Skepsis in europĂ€ischen Staaten. Schon damals hatte er gesagt, der Beitritt sei eine der wichtigsten Sicherheitsgarantien auch fĂŒr ganz Europa.Â
Selenskyj reagiert auf Bericht zu Wahl
In den sozialen Medien pochte Selenskyj erneut darauf, dass eine PrĂ€sidentenwahl in der Ukraine an die Sicherheitslage gebunden sei. «Wir können zu Wahlen ĂŒbergehen, wenn es alle entsprechenden Sicherheitsgarantien gibt», schrieb er. Wenn es einen Waffenstillstand gebe, werde es Wahlen geben.Â
Selenskyj reagierte dabei auch auf einen Bericht der «Financial Times», wonach er unter Druck der USA plane, eine PrĂ€sidentenwahl und ein Friedensreferendum noch vor dem 15. Mai anzusetzen. Dem Bericht nach könnte er bereits am 24. Februar, dem vierten Jahrestag der russischen Invasion, die Wahl ausrufen. Die britische Zeitung berief sich auf ukrainische und westliche Verantwortliche, die mit den Ăberlegungen vertraut seien, zitierte aber nicht Selenskyj selbst.
Dieser erklĂ€rte dazu nun, der 24. Februar sei ein sehr ernstes Datum und der falsche Tag, um ĂŒber Politik zu sprechen. Er könne nicht genutzt werden, um Wahlen zu verkĂŒnden. Ukrainischen Medien zufolge wies Selenskyj zurĂŒck, dass die USA damit drohten, Sicherheitsgarantien zurĂŒckzuziehen. Washington knĂŒpfe diese nicht an Wahlen, sagte er demnach.Â
Die Forderung nach einer PrĂ€sidentenwahl in der Ukraine stammt ursprĂŒnglich aus Moskau, weil der Amtsinhaber Selenskyj angeblich kein legitimer Ansprechpartner sei. US-PrĂ€sident Donald Trump hat sich die Forderung aber zu eigen gemacht. Kiew verweist bislang darauf, dass eine Wahl wegen des geltenden Kriegsrechts nicht stattfinden könne. Zudem sei die Abstimmung unter russischen Angriffen, mit Hunderttausenden MĂ€nnern an der Front und Millionen von FlĂŒchtlingen im In- und Ausland, nicht zu organisieren.
Ukraine-Hilfe Thema bei Nato-Treffen
FĂŒr Deutschland nimmt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am ersten Treffen der Nato-Verteidigungsminister in diesem Jahr im Hauptquartier des MilitĂ€rbĂŒndnisses teil. Er wird am Nachmittag zudem gemeinsam mit seinem britischen Kollegen John Healey ein Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe leiten. Bei diesem sollen weitere MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine koordiniert werden. Als Gast im Nato-Hauptquartier wird der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erwartet. Er will die Nato-Kollegen ĂŒber die Lage an der Front und die am dringendsten benötigten RĂŒstungsgĂŒter fĂŒr den Abwehrkampf gegen Russland unterrichten.
Russland mit erheblichen Verlusten
Die russischen Verluste stiegen indes nach EinschÀtzung der Nato zuletzt weiter erheblich. Ein ranghoher Nato-Beamter sprach von etwa 400.000 getöteten oder verletzten russischen Soldaten im vergangenen Jahr. Insgesamt summiere sich die Zahl der Verluste damit auf rund 1,3 Millionen. Darunter seien schÀtzungsweise 350.000 getötete russische Soldaten. «Moskau opfert damit mehr MÀnner und Frauen als in jedem europÀischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg», sagte er.
Die Lage fĂŒr die ukrainischen StreitkrĂ€fte bezeichnet der Nato-Beamte dennoch als «weiter schwierig». Russische KrĂ€fte machten entlang mehrerer Abschnitte der Front weiterhin schrittweise GelĂ€ndegewinne.
«Russische Truppen halten den Druck auf ukrainische KrĂ€fte durch den massiven Einsatz von Drohnen und Artillerie aufrecht und setzen auf zermĂŒrbende Taktiken», sagte der Beamte. Ihre operative Wirksamkeit werde allerdings durch die QualitĂ€t des Personals, logistische Belastungen und Anpassungen der gegnerischen KrĂ€fte begrenzt. Deshalb bleibe ein vollstĂ€ndiger Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung trotz begrenzter Reserven und dĂŒnner Verteidigungslinien in diesem Jahr eher unwahrscheinlich.
Kallas will EU Plan mit Forderungen an Moskau vorlegen
Seit Wochen laufen intensive GesprĂ€che fĂŒr eine Beendigung des seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs. Zuletzt verhandelten Moskau und Kiew in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in Abu Dhabi unter US-Vermittlung miteinander. Alle Seiten lobten die Verhandlungen anschlieĂend als konstruktiv, konkrete Ergebnisse wurden allerdings nicht prĂ€sentiert.Â
Die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas kĂŒndigte bei «Table Media» an, den Mitgliedstaaten einen Plan mit Forderungen an Moskau fĂŒr einen Frieden vorzulegen. «Wenn der ukrainischen Armee BeschrĂ€nkungen auferlegt werden sollen, muss es auch BeschrĂ€nkungen fĂŒr die russische Armee geben.» In einem Ende Dezember von Selenskyj öffentlich Entwurf fĂŒr einen von den USA angestoĂenen Friedensplan war die Rede von einer StĂ€rke von 800.000 Soldaten der ukrainischen Armee in Friedenszeiten.
Russland setzte seine Angriffe auf das Nachbarland unterdessen fort. In der Hafenstadt Odessa wurde bei einem russischen Angriff ein Mensch verletzt und ein Infrastrukturobjekt beschÀdigt, wie MilitÀrverwalter Serhij Lyssak mitteilte.
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