Einsatz, Streumunition

Einsatz von Streumunition: meiste Opfer in der Ukraine

09.09.2024 - 14:00:36

Streumunition ist international geĂ€chtet, da sie unsagbares Leid in der Zivilbevölkerung verursacht. Die Zahl der Opfer ging im Vorjahr laut Human Rights Watch zurĂŒck - auch aus bestimmtem Grund.

  • Fast die HĂ€lfte aller gemeldeten Streumunitionsopfer im Vorjahr waren Kinder. (Archivbild) - Foto: Omar Albam/AP

    Omar Albam/AP

  • Verseuchtes Gebiet muss Zentimeter um Zentimeter abgesucht werden. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa

    Jens Kalaene/dpa

Fast die HĂ€lfte aller gemeldeten Streumunitionsopfer im Vorjahr waren Kinder. (Archivbild) - Foto: Omar Albam/APVerseuchtes Gebiet muss Zentimeter um Zentimeter abgesucht werden. (Archivbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Zahl der gemeldeten Opfer von Streumunition ist im vergangenen Jahr deutlich zurĂŒckgegangen. Das habe aber damit zu tun, dass in Konfliktzonen nicht alle FĂ€lle registriert und gemeldet wĂŒrden, berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), die den jĂ€hrlichen Streumunitionsbericht verfasst. 

Gemeldet wurden 219 Menschen, die durch Streumunition getötet oder verletzt wurden, 47 Prozent davon MinderjĂ€hrige. Ein Jahr zuvor waren es mehr als 1.000 gewesen. Die meisten Opfer habe es das zweite Jahr in Folge in der Ukraine gegeben, heißt es in dem Report. Eine genaue Zahl gibt es aber nicht. Sowohl russische als auch ukrainische StreitkrĂ€fte, die von den USA beliefert wurden, hĂ€tten die Munition eingesetzt. 

Was ist Streumunition?

Mit Streumunition werden viele kleinere SprengsĂ€tze bezeichnet, die in BehĂ€ltern aus Flugzeugen und Raketenwerfern abgeschossen werden. Sie werden dabei ĂŒberwiegend wahllos und großflĂ€chig verteilt und explodieren. Viele landen auch als BlindgĂ€nger in Böden und töten oder verletzen Menschen noch Jahre spĂ€ter. Die allermeisten Opfer sind Zivilisten. 

Das Übereinkommen ĂŒber das Verbot von Streumunition (Oslo-Konvention) trat 2010 in Kraft. Es wurde von mehr als 110 Staaten ratifiziert. Die Konvention umfasst ein kategorisches Verbot von Einsatz, Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Transfer von Streumunition.

Kritik an Deutschland

Human Rights Watch (HRW) kritisiert Deutschland, weil die US-StreitkrÀfte ihre hier gelagerte Streumunition im vergangenen Jahr durch Deutschland transportiert und in die Ukraine geschickt hatten, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) dokumentierte.

«Alle Mitglieder der Konvention sollten sich klar gegen die Lagerung von Streumunition im Ausland und gegen den Transit von Streumunition durch ihr Territorium, ihren Luftraum oder ihre GewÀsser aussprechen», verlangte HRW. Deutschland ist Vertragsstaat der Konvention, die USA ebenso wie die Ukraine und Russland sind es nicht. 

Nur zehn Vertragsstaaten behielten einsatzfĂ€hige Streumunition noch zu Studien- und Trainingszwecken, und darunter habe Deutschland die grĂ¶ĂŸte Menge.

28 LĂ€nder mit Munitionsresten verseucht

Streumunition wurde im vergangenen Jahr dem Bericht zufolge auch in Myanmar und Syrien eingesetzt. 28 LĂ€nder und Territorien seien vermutlich teilweise mit dieser Munition verseucht. 83 Quadratkilometer Land wurden im vergangenen Jahr gerĂ€umt, und dabei seien gut 73.000 StĂŒck Munition oder Munitionsreste zerstört worden. HRW verfasst den Bericht fĂŒr die Internationale Kampagne gegen Landminen und Streumunition (ICBL-CMC).

@ dpa.de