Gaza-Krieg: EU fĂŒr Feuerpausen und Friedenskonferenz
27.10.2023 - 02:24:51Die EU-Staaten fordern Feuerpausen und geschĂŒtzte Korridore fĂŒr Hilfslieferungen in den Gazastreifen, um das Leid der Zivilbevölkerung dort zu lindern. Zudem befĂŒrworten sie in einem Gipfelbeschluss vom spĂ€ten Abend eine baldige internationale Friedenskonferenz fĂŒr den Nahen Osten. Der spanische Regierungschef Pedro SĂĄnchez schlug vor, eine solche Konferenz innerhalb von sechs Monaten auszurichten, «um eine Zwei-Staaten-Lösung fĂŒr Israel und fĂŒr PalĂ€stina zu finden».
Der Umgang der EU mit den dramatischen Ereignissen im Nahen Osten stand im Mittelpunkt des ersten Tages des EU-Gipfels in BrĂŒssel. Die Staats- und Regierungschefs diskutierten dabei rund fĂŒnf Stunden lang vor allem die Frage, was zum Schutz der Zivilbevölkerung im Gazastreifen und zur Verhinderung einer regionalen Eskalation des Konflikts getan werden kann.
Man rufe im Konflikt zwischen der islamistischen Hamas und Israel zu einem schnellen, sicheren, ungehinderten und kontinuierlichen Zugang fĂŒr Hilfslieferungen auf, hieĂ es am Ende in der GipfelerklĂ€rung. Um eine regionale Eskalation des Konflikts zu verhindern, mĂŒsse auch die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde einbezogen werden.
Deutschland auf der einen Seite - Spanien auf der anderen
Mit der ErklĂ€rung verschĂ€rft die EuropĂ€ische Union angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Situation im Gazastreifen ihren Ton gegenĂŒber Israel, das derzeit mit massiven Angriffen auf Ziele in dem KĂŒstenstreifen auf Massaker der dort herrschenden Hamas an Israelis reagiert. Deutschland und LĂ€nder wie Ăsterreich und Ungarn hatten sich eigentlich eine zurĂŒckhaltendere Sprache gewĂŒnschte, akzeptierten angesichts von deutlich weitergehenden Forderungen anderer Staaten aber letztlich einen Kompromiss. LĂ€nder wie Spanien hatten sich fĂŒr einen sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand und noch deutlichere Worte zu möglichen Völkerrechtsverletzungen ausgesprochen.
Der Kompromiss besteht nun in der Verwendung des Plurals «Pausen» statt «Pause». Mit dem Begriff «Feuerpausen» wollen LÀnder wie Deutschland klarstellen, dass die EU Israel nicht auffordert, den Kampf gegen die Hamas mit sofortiger Wirkung und dauerhaft einzustellen.
Israel will eventuell heute reagieren
Israels AuĂenministerium wollte die Forderungen der EU-Staaten gestern Abend zunĂ€chst nicht kommentieren. Ein Sprecher teilte auf Anfrage mit, man werde sich eventuell heute dazu Ă€uĂern.
Unklar blieb zunĂ€chst, wie genau die EU eine Friedenskonferenz unterstĂŒtzen will. Von Diplomaten hieĂ es, diese sei nur mit einer Teilnahme von Israel erfolgversprechend. Zugleich sei es eher unwahrscheinlich, dass sich Israel in absehbarer Zeit mit PalĂ€stinensern an einen Tisch setzen werde. Vermutlich werde eine Konferenz erst nach einer Bodenoffensive gegen die Hamas möglich sein.
Auch Abbas rief bereits zur Friedenskonferenz auf
Anfang der Woche hatte PalÀstinenserprÀsident Mahmud Abbas bei einem Besuch des französischen PrÀsidenten Emmanuel Macron in den PalÀstinensischen Autonomiegebieten die internationale Gemeinschaft zu einer Friedenskonferenz aufgerufen. Jegliche Teillösungen zum Gazastreifen lehnte er ab. Auch Macron sagte bei der Gelegenheit, dass die Wiederaufnahme von GesprÀchen notwendiger sei denn je. Am vergangenen Wochenende hatte bereits ein Friedensgipfel in Kairo stattgefunden - aber ohne israelische Beteiligung.
Macrons VorstoĂ fĂŒr Anti-Hamas-Koalition nur am Rande Thema
Bei seiner Nahost-Reise hatte Macron noch eine andere Idee geĂ€uĂert, die beim Gipfel nur am Rande eine Rolle spielte. Er schlug vor, die 2014 gegrĂŒndete Koalition zur BekĂ€mpfung der Terrororganisation Islamischer Staat auch gegen die Hamas einzusetzen. «Frankreich ist bereit dafĂŒr, dass die internationale Anti-IS-Koalition, in deren Rahmen wir uns fĂŒr unseren Einsatz im Irak und Syrien engagieren, auch gegen die Hamas kĂ€mpfen kann», sagte Macron. Der von den USA gefĂŒhrten Koalition gehört Stand heute auch Deutschland an.
Macron habe die Idee bei den Beratungen in BrĂŒssel zwar geĂ€uĂert, hieĂ es aus Teilnehmerkreisen. Sie sei aber nicht ausfĂŒhrlicher diskutiert worden.


