Putsch im Niger: Soldaten verkĂŒnden MachtĂŒbernahme
27.07.2023 - 01:39:07Im westafrikanischen Land Niger haben Soldaten im Fernsehen die MachtĂŒbernahme der Armee verkĂŒndet. Die Institutionen der siebten Republik seien aufgelöst, die Luft- und Landesgrenzen geschlossen und es herrsche eine landesweite Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr (Ortszeit), sagte Oberst Amadaou Abdramane am spĂ€ten Abend im nationalen Fernsehsender RTN.
Abdramane sprach von einem sogenannten Nationalen Rat fĂŒr die Rettung des Vaterlandes, der die Macht ĂŒbernommen habe. Offen war zunĂ€chst, ob Abdramane und die neun weiteren Soldaten im Fernsehen fĂŒr die ganze Armee sprachen.
Am Mittwochmorgen hatte die PrÀsidentengarde, eine Eliteeinheit der Armee, den seit 2021 amtierenden demokratisch gewÀhlten PrÀsidenten Mohamed Bazoum (63) in seinem Palast in der Hauptstadt Niamey festgesetzt und den Zugang zum Palast und mehreren Ministerien gesperrt.
Verhandlungen mit den Meuterern
Den Informationen der EU zufolge liefen am Abend Verhandlungen mit den Meuterern. Zudem sollte nach GesprĂ€chen mit anderen Staatschefs der Region eine Delegation aus Nigeria im Niger eintreffen. Nach Angaben von EU-Diplomaten haben Borrell und EU-RatsprĂ€sident Charles Michel gestern zweimal mit Bazoum gesprochen. Er war demnach bis zuletzt mit seiner Familie in seiner Residenz. Auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sprach mit Bazoum, wie ein Sprecher auf Twitter mitteilte. Er habe seine volle UnterstĂŒtzung und SolidaritĂ€t zum Ausdruck gebracht.
Ein Umsturz hĂ€tte weitreichende Folgen. Der Niger gehört mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt. Der Niger war nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wurde, und damit ein wichtiger Partner der USA und der EU im Kampf gegen wachsende InstabilitĂ€t in der Region. Erst Ende vergangenen Jahres hatte die EU eine MilitĂ€rmission im Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekĂ€mpfen.
Die Bundeswehr unterhĂ€lt in Niamey einen LufttransportstĂŒtzpunkt fĂŒr das militĂ€rische Engagement in Westafrika, auf dem rund 100 deutsche Soldaten arbeiten. Die Soldaten sind nach frĂŒheren Angaben des Verteidigungsministeriums vom Mittwoch in Sicherheit.


