China-Kritiker Lai gewinnt Wahl in Taiwan
13.01.2024 - 14:17:34In einem RĂŒckschlag fĂŒr Peking hat William Lai von der bislang regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) die Wahl in Taiwan gewonnen. «Ich möchte den Menschen in Taiwan dafĂŒr danken, dass sie ein neues Kapitel in unserer Demokratie schreiben», sagte der 64-JĂ€hrige am Samstagabend (Ortszeit) in Taipeh. Die Gegenkandidaten hatten zuvor ihre Niederlage eingerĂ€umt.
Nach AuszĂ€hlung eines ĂŒberwiegenden Teils der Wahlzettel erreichte der bisherige VizeprĂ€sident laut lokalen Medien rund 40 Prozent der Stimmen. Dahinter rangierte sein Herausforderer Huo Yu-ih von der chinafreundlichen und konservativen Kuomintang (KMT) mit etwa 33 Prozent. Ein weiterer AnwĂ€rter von der Taiwanischen Volkspartei (TPP), Ko Wen-je, kam nach Zahlen der Sender auf ungefĂ€hr 26 Prozent.
Das offizielle Endergebnis wird fĂŒr den spĂ€ten Abend erwartet. Parallel entschieden die 19,5 Millionen Wahlberechtigten ĂŒber das neue Parlament, den Legislativ-Yuan, in dem die DPP bislang die absolute Mehrheit hatte.
Die Fortschrittspartei, die klar auf Distanz gegen China geht, setzte mit dem Wahlergebnis eine neue Bestmarke. Sie ist die erste Partei, die drei aufeinanderfolgende Amtszeiten gewinnen konnte - seit Taiwan im Jahr 1996 begann, den PrÀsidenten direkt zu wÀhlen. Das Staatsoberhaupt benennt in dem Inselstaat den MinisterprÀsidenten und ist auch Oberbefehlshaber der StreitkrÀfte.
Spannungen mit China
Eine weitere Regierung unter einer DPP-PrĂ€sidentschaft dĂŒrfte bedeuten, dass sich Taiwan weiter an die USA annĂ€hert, wĂ€hrend die Spannungen mit China anhalten und sich möglicherweise verschlimmern. Das VerhĂ€ltnis Taiwans zu China war im Wahlkampf ein bestimmendes Thema. Lai hatte angekĂŒndigt, die Linie seiner - von Peking scharf kritisierten - VorgĂ€ngerin Tsai Ing-wen, die nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte, weiterzufĂŒhren.
Der bisherige VizeprĂ€sident hatte auch erklĂ€rt, «das Ăberleben des Landes und das Leben der Menschen» schĂŒtzen zu wollen. Lai will die Landesverteidigung weiter stĂ€rken, mit dem demokratischen Lager enger zusammenarbeiten und Abschreckung nutzen, um den Status quo in der TaiwanstraĂe - der Meerenge zwischen China und Taiwan - aufrecht zu erhalten. «Frieden beruhe auf StĂ€rke, nicht auf dem Wohlwollen der Invasoren», sagte er.
Peking zĂ€hlt Taiwan zum Territorium Chinas, obwohl die Insel seit Jahrzehnten eine unabhĂ€ngige, demokratische Regierung hat. Die DPP steht allerdings fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans, obwohl Lai diese offiziell nicht erklĂ€ren will. FĂŒr China könnte jener Fall Grundlage sein, um die Lage in der TaiwanstraĂe eskalieren zu lassen.
Mehrfach hatte Peking bereits gedroht, militĂ€rische Mittel einzusetzen, sollte eine «Wiedervereinigung» Taiwans scheitern. Ein Konflikt in der wichtigen Schifffahrtsroute hĂ€tte enorme Folgen fĂŒr den Welthandel und wĂŒrde die USA als VerbĂŒndete Taiwans in den Konflikt hereinziehen.























