Expertin, Taschen

Expertin nach EU-Korruptionsskandal: Kann wieder passieren

08.12.2023 - 09:00:12

Taschen voller Bargeld und die VizeprĂ€sidentin im GefĂ€ngnis: Eine AffĂ€re um mutmaßliche Bestechung erschĂŒtterte 2022 das EU-Parlament. Experten sagen: Es ist zu wenig getan worden.

Ein Jahr nach Bekanntwerden des Bestechungsskandals im EuropĂ€ischen Parlament kritisiert die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International mangelnde Fortschritte bei der Aufarbeitung. «Solange wir die Kultur im Parlament nicht Ă€ndern, kann es wieder passieren», sagte Shari Hinds von Transparency International der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe zwar Vorschriften, aber sie wĂŒrden nicht richtig durchgesetzt und nicht ĂŒberwacht. «Im Moment gibt es praktisch keine Konsequenzen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden.»

Als die damalige VizeprĂ€sidentin des Europaparlaments, Eva Kaili, festgenommen wurde, war die Aufregung groß. Die Griechin stand im Zentrum eines handfesten Korruptionsskandals. Die VorwĂŒrfe: Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, GeldwĂ€sche und Korruption.

Hunderttausende Euro in bar

Der mutmaßliche Drahtzieher Antonio Panzeri war lange Jahre Abgeordneter im EU-Parlament, bevor er eine Nichtregierungsorganisation grĂŒndete. In seiner Wohnung fanden die Ermittler damals 600.000 Euro Bargeld. Auch bei Kaili wurden Medienberichten zufolge Taschen voller Bargeld entdeckt.

Ebenfalls in den Skandal verwickelt sind die noch amtierenden EU-Abgeordneten Marc Tarabella und Andrea Cozzolino sowie Francesco Giorgi, der LebensgefĂ€hrte Kailis. Panzeri will Tarabella nach eigenen Angaben fĂŒr seine UnterstĂŒtzung im Zusammenhang mit AuftrĂ€gen aus Katar in mehreren Raten mehr als 120.000 Euro in bar gegeben haben. Cozzolino soll von seinem Assistenten Giorgi Instruktionen fĂŒr politische Positionierungen zum Vorteil von Katar und Marokko entgegengenommen haben.

Sie alle blieben mehrere Monate in Haft beziehungsweise im Hausarrest. Kaili prangerte immer wieder die Haftbedingungen in Belgien an und kritisierte, dass sie anfangs ihre kleine Tochter nicht sehen durfte. Panzeri dient den Ermittlern nun als Kronzeuge. Sein Deal mit der Staatsanwaltschaft sieht unter anderem vor, dass er im Gegenzug fĂŒr seine Kooperation eine kĂŒrzere Haftstrafe erhĂ€lt.

Frage nach ImmunitÀt

Inwieweit die Anschuldigungen bewiesen werden können, ist bislang unklar. Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft bestĂ€tigt, dass bei den Ermittlungen derzeit auch mögliche Formfehler untersucht werden mĂŒssen. Bis Mitte Mai kommenden Jahres soll demnach geprĂŒft werden, ob bei den Ermittlungen gegen Kaili ihre ImmunitĂ€t verletzt wurde.

Das EU-Parlament reagierte auf den Skandal mit schĂ€rferen Transparenzregeln. Dazu zĂ€hlen etwa VermögenserklĂ€rungen am Anfang und am Ende eines Mandats sowie strengere Regeln fĂŒr die Annahme von Geschenken. Außerdem mĂŒssen deutlich mehr Treffen mit Lobbyisten veröffentlicht werden. Nach Ansicht von Transparency International geht das nicht weit genug. Das Hauptproblem sei demnach nicht angegangen worden: «Die Kultur der Straflosigkeit und der Mangel an IntegritĂ€t», sagte Hinds.

@ dpa.de