Jugendproteste in Madagaskar heizen sich weiter auf
30.09.2025 - 20:22:27Proteste gegen Strom- und WasserausfĂ€lle in Madagaskar gewinnen trotz der Entlassung der Regierung weiter an Fahrt. In der Hauptstadt Antananarivo versammelten sich erneut Tausende, darunter neben jungen Leuten aus der Bildungsschicht erstmals auch zahlreiche Bewohner aus den Arbeitervierteln. SicherheitskrĂ€fte setzten TrĂ€nengas, Blendgranaten, Gummigeschosse und Platzpatronen ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Am frĂŒhen Abend kam es zu besonders heftigen ZusammenstöĂen, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete.
Die Proteste hatten am Donnerstag in der Hauptstadt des ostafrikanischen Inselstaats zunĂ€chst friedlich begonnen und sich auf weitere StĂ€dte ausgeweitet. Am Rande kam es zu PlĂŒnderungen und Gewalt; die Organisatoren weisen zurĂŒck, dass Demonstranten daran beteiligt gewesen seien. SicherheitskrĂ€fte griffen scharf durch und verwendeten dabei mutmaĂlich auch scharfe Munition. Nach UN-Angaben vom Montag wurden mindestens 22 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Regierung wies die Zahlen zurĂŒck.
«Gen Z» sieht Sturz der Regierung in Nepal als Vorbild
Die Bewegung wird von gut ausgebildeten jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren getragen, die sich nach dem Namen ihrer Generation «Gen Z» nennen und betonen, dass sie keine AnfĂŒhrer hĂ€tten. Mehr als die HĂ€lfte der Einwohner des Landes sind unter 30 Jahre alt. Die Demonstranten beklagen Misswirtschaft und Korruption. Als Vorbild dient unter anderem Nepal, wo Anfang September nach Protesten und schweren Unruhen der Regierungschef zurĂŒckgetreten war.
Der Schritt von PrĂ€sident Andry Rajoelina, am Montagabend als Antwort auf die Proteste die Regierung zu entlassen, befriedigt die Forderungen der Demonstranten nicht. «Das ist eine TĂ€uschung. Der Apfel ist faul, und das System wird sich nicht Ă€ndern, wenn man ihn mit neuen Köpfen aufpoliert», sagte ein Demonstrant in Antananarivo der Deutschen Presse-Agentur. Sie fordern den RĂŒcktritt des PrĂ€sidenten.
Madagaskar mit rund 32 Millionen Einwohnern liegt vor der OstkĂŒste Afrikas im Indischen Ozean. Ein GroĂteil der Bevölkerung lebt in Armut. Seit Amtsantritt von PrĂ€sident Rajoelina 2019 ist die Armut gestiegen und die Versorgung mit Strom und Trinkwasser hat sich verschlechtert. Trotz eines Oppositionsboykotts und niedergeschlagener Proteste war Rajoelina 2023 wiedergewĂ€hlt worden.


