Hunter Biden, Joe Biden

Der Sohn als Wahlkampf-Ballast: Anklage gegen Hunter Biden

15.09.2023 - 03:03:51

Trockener Alkoholiker, Ex-Junkie, ein Mann mit windigen GeschÀften, nun eine Anklage wegen eines gesetzeswidrigen Waffenkaufes: Hunter Biden bereitet seinem Vater politisch zunehmend Probleme.

Der Sohn von US-PrĂ€sident Joe Biden ist mitten im Wahlkampf mit einer Anklage konfrontiert und wird zunehmend zur politischen BĂŒrde fĂŒr seinen Vater. Hunter Biden wird zur Last gelegt, er habe bei einem Waffenkauf im Oktober 2018 falsche Angaben gemacht und seine damalige DrogenabhĂ€ngigkeit verschwiegen. Das geht aus der Anklageschrift gegen den 53-JĂ€hrigen hervor, die im Bundesstaat Delaware veröffentlicht wurde.

Womöglich könnten noch weitere rechtliche Probleme wegen mutmaßlicher Steuervergehen folgen. FĂŒr die Wahlkampagne des Demokraten Joe Biden fĂŒr eine zweite Amtszeit stellt das ein Problem dar. Obwohl noch kein genauer Zeitplan fĂŒr einen möglichen Prozess feststeht, dĂŒrfte allein schon die Diskussion darĂŒber in den kommenden Monaten bis zur Wahl im November 2024 lange anhalten.

Hunter Biden macht seit Jahren negative Schlagzeilen: Alkoholsucht, DrogenabhĂ€ngigkeit, windige GeschĂ€fte, rechtliche Streitigkeiten mit einer Ex-Stripperin ĂŒber den Unterhalt fĂŒr ein uneheliches Kind. Die Anklage gegen ihn im Zusammenhang mit dem Waffenkauf ist nun der vorlĂ€ufige Höhepunkt.

In seiner Autobiografie «Beautiful Things: Meine wahre Geschichte», die 2021 veröffentlicht wurde, hatte Hunter Biden sein Straucheln auf vielen Ebenen in erstaunlicher Offenheit selbst publik gemacht. Auch deswegen wurde ihm der Waffenkauf von 2018 nachtrĂ€glich zum VerhĂ€ngnis. Da er damals laut seinen Memoiren «alle 15 Minuten» Crack konsumierte, hĂ€tte er den Revolver vom Typ Colt Cobra nicht erwerben und spĂ€ter nicht behalten dĂŒrfen. Die Anklage gegen ihn umfasst nun drei Punkte: eine Falschaussage beim Kauf, Falschaussagen gegenĂŒber dem HĂ€ndler und spĂ€ter der anhaltende Besitz einer Waffe trotz gesetzeswidrigem Drogengebrauch.

Die lange Vorgeschichte

Hunter Biden ist seit lĂ€ngerem im Visier der Justiz. Jahrelang liefen Ermittlungen gegen ihn, unter anderem wegen möglicher Steuervergehen. Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft in Delaware schließlich formale VorwĂŒrfe gegen den PrĂ€sidentensohn veröffentlicht. Konkret ging es dabei um den Vorstoß gegen das Waffenrecht - und darum, dass er 2017 und 2018 seine im Bund fĂ€llige Einkommenssteuer in Höhe von jeweils mehr als 100.000 US-Dollar nicht rechtzeitig bezahlt haben soll. Damals verkĂŒndete die Staatsanwaltschaft zunĂ€chst, man habe sich mit Hunter Biden auf eine Vereinbarung verstĂ€ndigt, um einen Prozess in beiden FĂ€llen abzuwenden. Dieser Deal fiel bei einer Anhörung vor Gericht Ende Juli jedoch durch.

Mitte August ernannte US-Justizminister Merrick Garland dann einen Sonderermittler in dem Fall: David Weiss, der bereits zuvor gegen Hunter Biden ermittelt hatte, bekam damit zusÀtzliche Befugnisse und trieb die Nachforschungen weiter voran. Eine zweite Anklage im Zusammenhang mit den Steuervergehen könnte noch folgen.

Die Bedeutung fĂŒr den Wahlkampf

Dass der Sohn eines amtierenden US-PrĂ€sidenten angeklagt wird, ist an sich bereits höchst ungewöhnlich - wenn nicht beispiellos. Und es ist politisch heikel. In diesen Zeiten gilt das umso mehr: mitten in den BemĂŒhungen seines Vaters um eine zweite Amtszeit und kurz nach der Erhebung von mehreren historischen Anklagen gegen den frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump.

In einer Zeit, in der das Land politisch gespalten ist wie selten und das Misstrauen in öffentliche Institutionen enorm, erhoben prominente Republikaner in den vergangenen Monaten den Vorwurf, es gebe in den USA eine Zwei-Klassen-Justiz: WĂ€hrend der fĂŒhrende politische Konkurrent des amtierenden PrĂ€sidenten auf juristischem Weg aus dem Weg geschafft werden solle, werde der Sohn des PrĂ€sidenten mit Samthandschuhen angefasst, behaupteten sie. Außer acht lassen sie, dass schon im Juli eine Sprecherin des PrĂ€sidenten gesagt hatte, dass er im Fall einer Verurteilung seinen Sohn nicht begnadigen wĂŒrde. Dass Hunter Biden nun wegen eines unrechtmĂ€ĂŸigen Waffenkaufes angeklagt wird, geht den Radikalen in der Republikanischen Partei lĂ€ngst nicht weit genug.

Die republikanische Rechtsaußen-Abgeordnete und glĂŒhende Trump-Getreue, Marjorie Taylor Greene, etwa warf auf der Plattform X die Frage auf, wo bitte die anderen Anklagen gegen Hunter Biden blieben: wegen «Steuerbetruges», «GeldwĂ€sche» und missbrĂ€uchlicher AuslandsgeschĂ€fte. Die Republikaner rund um Trump nutzen Hunter Biden seit Jahren fĂŒr politische Angriffe gegen dessen Vater. Nun bekommen sie reichlich neues Material dafĂŒr.

Trump selbst wiederum Ă€tzte auf seiner Plattform Truth Social schadenfreudig, die Demokraten hĂ€tten mit ihrer juristischen Hexenjagd gegen ihn die BĂŒchse der Pandora geöffnet – der illegale Waffenbesitz sei sicher nur eines der leichtesten Vergehen Hunter Bidens, raunten Trump und die Republikaner. «So traurig!»

Das andere Problem

Im US-ReprĂ€sentantenhaus treiben die Republikaner seit Monaten Nachforschungen zu dubiosen FinanzgeschĂ€ften Hunter Bidens voran. Und erst vor wenigen Tagen verkĂŒndete der republikanische Vorsitzende der Kongresskammer, Kevin McCarthy, unter dem Druck des rechten FlĂŒgels seiner Fraktion, er habe nun konkrete Ermittlungen fĂŒr ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen den PrĂ€sidenten angeordnet - wegen der angeblichen Verwicklung in dubiose AuslandsgeschĂ€fte seines Sohnes. Belege haben die Republikaner dafĂŒr bislang nicht prĂ€sentiert, und derzeit hat die Aktion keinerlei Aussicht auf Erfolg. Doch die Republikaner könnten die Ermittlungen einfach weit ins Wahljahr tragen, um stetig unliebsame Schlagzeilen fĂŒr Biden zu produzieren. Die vom Verfahren gegen Hunter Biden kommen nun noch hinzu.

@ dpa.de