Trump, Kapitol-Angreifer

Trump stellt Kapitol-Angreifer erneut als Opfer dar

10.02.2025 - 01:51:33

Der US-PrÀsident beschreibt die Angreifer vom 6. Januar 2021 als Opfer staatlicher Repression - und ignoriert, dass unter den Begnadigten auch GewalttÀter sind, die Polizisten angegriffen haben.

US-PrĂ€sident Donald Trump stört sich nicht daran, dass sich unter den von ihm begnadigten Teilnehmern des Kapitol-Sturms auch verurteilte GewalttĂ€ter befinden. «Sie wurden von unserer Regierung angegriffen», entgegnete der Republikaner wĂ€hrend eines Flugs in der PrĂ€sidentenmaschine Air Force One auf die Frage eines Journalisten, warum er auch jene begnadigt habe, die an jenem denkwĂŒrdigen Tag vor vier Jahren Polizisten attackiert hatten. «Sie wurden sehr, sehr ungerecht behandelt», sagte Trump.

Trump Ă€ußerte sich auf dem Weg nach New Orleans, wo er als erster US-PrĂ€sident dem Super Bowl beiwohnte. Dort prĂ€sentierte er sich kurze Zeit spĂ€ter auf dem Spielfeld mit Angehörigen von Terroropfern und Polizeibeamten, die als Ersthelfer in der Stadt im Einsatz waren, nachdem bei einem Anschlag am Neujahrstag 14 Menschen getötet worden waren. Ein Reporter sprach ihn wĂ€hrend des Flugs darauf an und stellte den Zusammenhang zur Rolle der Polizisten am 6. Januar 2021 her.

Begnadigungen fĂŒr Rechtsradikale

Damals hatten Trumps AnhĂ€nger – angestachelt von ihm persönlich – gewaltsam das US-ParlamentsgebĂ€ude gestĂŒrmt, weil sie seine Wahlniederlage gegen den Demokraten Joe Biden nicht akzeptieren wollten. WĂ€hrend des Angriffs und in den Stunden danach kamen mehrere Menschen ums Leben. Zahlreiche Sicherheitsbeamte wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Ein Polizist erlitt am Tag nach dem Angriff einen tödlichen Schlaganfall.

Direkt zu Beginn seiner zweiten Amtszeit begnadigte Trump dennoch sÀmtliche Beteiligte des Kapitol-Sturms. Unter den Freigelassenen befinden sich auch Mitglieder der rechtsradikalen Gruppen «Oath Keepers» und «Proud Boys» und StraftÀter, die eigentlich zu hohen Haftstrafen verurteilt worden waren. Nach ihrer Freilassung zeigten sie sich demonstrativ triumphierend.

Trump erklĂ€rte auf dem Flug nach New Orleans, es habe «noch nie eine Gruppe von Menschen in diesem Land» gegeben, die «so schrecklich» behandelt worden sei – mit Ausnahme eines Falls, auf den er nicht nĂ€her eingehen wolle. Seine Entscheidung, sie zu begnadigen, bezeichnete er als «eine großartige Sache fĂŒr die Menschheit».

Angst vor politisch motivierter Gewalt

Trumps Rhetorik und sein Handeln nĂ€hren Sorgen, dass er extremistischen Gruppen weiteren Auftrieb verleiht und zu Gewalt anstachelt. Schon im Wahlkampf hatte Trump gezielt Ressentiments geschĂŒrt, insbesondere gegen Schutzsuchende aus Lateinamerika. Auch FBI-Beamte, die an den Ermittlungen zum Kapitol-Sturm beteiligt waren, fĂŒrchten, ins Visier zu geraten. Ähnlich ergeht es US-Journalisten, die um ihre Sicherheit bangen – nicht zuletzt, weil Trump sie immer wieder verbal attackiert und als Feinde dargestellt hat.

@ dpa.de