Trump-Drohungen: Streit um Grönland spitzt sich zu
06.01.2026 - 14:27:42Im Streit um Grönland wachsen die Spannungen zwischen den USA und DĂ€nemark. Die Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump hĂ€lt unbeirrt an ihrem Anspruch auf die Arktisinsel fest, die dĂ€nische Regierungschefin Mette Frederiksen warnt mit der UnterstĂŒtzung der groĂen europĂ€ischen Partner vor einem Ende der Nato.
Worum geht es in dem Streit?
Trump hatte in den vergangenen Tagen in Interviews bekrĂ€ftigt, die USA brĂ€uchten Grönland fĂŒr die nationale Sicherheit. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller bezeichnete den US-Anspruch sogar als «offizielle Position der US-Regierung». Beide ĂuĂerungen folgten auf den US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, Trump wĂŒrde seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie DĂ€nemarks, hat aber seit 1979 immer gröĂere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Ăber Bereiche wie AuĂen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter DĂ€nemark - durch die Anbindung an das Königreich ist Grönland auch Teil der Nato. Ein groĂer Teil der rund 57.000 GrönlĂ€nder wĂŒnscht sich die vollstĂ€ndige UnabhĂ€ngigkeit von DĂ€nemark.
Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geĂ€uĂert. Die DĂ€nen hatten zunĂ€chst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-PrĂ€sident seine AnsprĂŒche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militĂ€rische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen.
Was will Trump mit Grönland?
Trump nennt zwar die nationale Sicherheit als Hauptargument, es geht aber um mehr. Nicht nur die USA, sondern auch LĂ€nder wie China sind wegen der strategischen Lage und Rohstoffvorkommen unter dem Eis an Grönland interessiert. Die gröĂte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend fĂŒr die Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Seltene Erden stecken in allerlei tĂ€glichen GebrauchsgegenstĂ€nden wie Smartphones, Laptops und Fernsehern.
Trumps Sicherheitsargument wird zudem von Experten angezweifelt. Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen - unter anderem durch ein Verteidigungsabkommen von 1951. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-MilitĂ€r seit langem einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt. Dieser unterstĂŒtzt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und WeltraumĂŒberwachungsmissionen. Nach EinschĂ€tzung von Experten wĂ€re es fĂŒr die USA nicht notwendig, Grönland zu annektieren, um die Arktis sichern zu können.
Wie reagieren DÀnemark und Grönland auf Trumps Drohungen?
DĂ€nemark hat den US-Anspruch auf Grönland entschieden zurĂŒckgewiesen. DĂ€nemarks Regierungschefin Frederiksen sagte: «Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.» Das wĂ€re das Ende des westlichen VerteidigungsbĂŒndnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.
Der grönlĂ€ndische MinisterprĂ€sident Jens Frederik Nielsen rief seine Landsleute trotz der Drohungen dazu auf, Ruhe zu bewahren. Er verstehe, dass manche GrönlĂ€nder vor dem Hintergrund der Situation in Venezuela beunruhigt ĂŒber die Aussagen von US-PrĂ€sident Trump seien, sagte Nielsen dem dĂ€nischen Rundfunk zufolge bei einer Pressekonferenz in der grönlĂ€ndischen Hauptstadt Nuuk. «Aber Venezuela und Grönland sind nicht vergleichbar.»
Grönland und die USA hĂ€tten immer gut zusammengearbeitet. Eine Annexion Grönlands ĂŒber Nacht werde nicht passieren. «Diese Zeiten verlangen nach Zusammenhalt», sagte Nielsen dem Sender DR zufolge.
DĂ€nemark und Grönland hĂ€tten das US-AuĂenministerium um ein Treffen mit Minister Marco Rubio gebeten, berichtete der dĂ€nische Rundfunk unter Berufung auf die grönlĂ€ndische Politikerin Vivian Motzfeldt.Â
Was sagen die europÀischen Partner dazu?
In einer gemeinsamen ErklĂ€rung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, GroĂbritannien und DĂ€nemark am Dienstag klar: Grönland gehört den GrönlĂ€ndern. «Es ist allein Sache DĂ€nemarks und Grönlands, ĂŒber Angelegenheiten zu entscheiden, die DĂ€nemark und Grönland betreffen», hieĂ es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten ErklĂ€rung.
Die Unterzeichner betonten die groĂe Bedeutung der in der UN-Charta festgehaltenen Prinzipien der SouverĂ€nitĂ€t, territorialen IntegritĂ€t und Unverletzlichkeit der Grenzen. «Die Sicherheit in der Arktis» bleibe eine zentrale PrioritĂ€t fĂŒr Europa und sei von «entscheidender Bedeutung fĂŒr die internationale und transatlantische Sicherheit». Diese Sicherheit mĂŒsse aber gemeinsam erreicht werden, «in Zusammenarbeit mit den Nato-VerbĂŒndeten, einschlieĂlich der Vereinigten Staaten».
Auch die nordischen LĂ€nder solidarisierten sich in einer gemeinsamen ErklĂ€rung mit Grönland. AuĂerdem stellten die AuĂenminister von Finnland, Schweden, Norwegen, Island und DĂ€nemark klar: «Wir haben alle MaĂnahmen ergriffen, um die Abschreckung und Verteidigung in der Region zu stĂ€rken.» Die LĂ€nder hĂ€tten ihre Investitionen in die Sicherheit der Arktis erheblich erhöht, hieĂ es weiter. Sie seien «bereit, in enger Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und anderen Nato-VerbĂŒndeten noch mehr zu tun».
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