Supreme Court: Trump darf mit Kriegsgesetz abschieben
08.04.2025 - 02:00:14US-PrĂ€sident Donald Trump darf mutmaĂliche auslĂ€ndische Kartellmitglieder auf Grundlage eines umstrittenen Kriegsgesetzes aus dem 18. Jahrhundert wieder abschieben. Das entschied das Oberste Gericht der USA. Die KlĂ€ger seien in Texas inhaftiert gewesen und hĂ€tten deshalb dort und nicht in der Hauptstadt Washington DC klagen sollen, urteilten die Richter. Der Supreme Court kippte damit eine Entscheidung des Richters James E. Boasberg, der in dem «Alien Enemies Act» von 1798 keine ausreichende rechtliche Grundlage fĂŒr die Abschiebungen gesehen und angeordnet hatte, sie zu stoppen.Â
Die «Washington Post» schrieb, das Urteil mit 5 zu 4 Stimmen, sei nicht auf die rechtliche Grundlage der Klage eingegangen. Es lasse die Möglichkeit offen, dass die Migranten ihren Fall in Texas erneut einreichen können. Richter Brett Kavanaugh betonte in seiner BegrĂŒndung, dass sich die Richter einig gewesen seien, dass die Migranten eine gerichtliche ĂberprĂŒfung erhalten sollten. Sie seien aber geteilter Meinung darĂŒber, wo der Fall verhandelt werden sollte. Hintergrund ist die Abschiebung von mehr als 200 Venezolanern nach El Salvador im MĂ€rz.
Trump spricht von groĂem Tag
Die Trump-Regierung feierte das Urteil. PrĂ€sident Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social in GroĂbuchstaben: «EIN GROSSER TAG FĂR DIE GERECHTIGKEIT IN AMERIKA!» Der Oberste Gerichtshof habe die Rechtsstaatlichkeit gestĂ€rkt, indem er dem PrĂ€sidenten ermöglicht habe, die Grenzen zu sichern und das Land zu schĂŒtzen. Heimatschutzministerin Kristi Noem jubelte, «ein aktivistischer Richter» könne den Willen des amerikanischen Volkes fĂŒr ein sicheres Land nicht aufhalten. Vize-PrĂ€sident JD Vance schrieb, das Urteil zeige, dass ein Ă€uĂerst linksgerichteter Richter in Washington nicht die Einwanderungsgesetze von PrĂ€sident Trump aufheben könne. «Das ist eine groĂe Niederlage fĂŒr die Irren und ein groĂer Sieg fĂŒr das amerikanische Volk.» Die Trump-Regierung hatte den Richter immer wieder massiv angegriffen.Â
Tren de Aragua zur Terrororganisation erklÀrt
Die US-Regierung gab damals an, dass es sich bei den Abgeschobenen um Mitglieder der kriminellen Organisation Tren de Aragua handele. Die venezolanische Regierung wies das zurĂŒck. Der Tren de Aragua ist eine venezolanische Bande, die in Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Menschenhandel verwickelt ist.Â
Trump erklĂ€rte die Gang zu einer auslĂ€ndischen Terrororganisation. Er argumentiert, dass Tren de Aragua «feindliche Handlungen» und «irregulĂ€re KriegsfĂŒhrung» gegen das US-Territorium ausĂŒbe - und erhebt den Vorwurf, die Bande folge dabei auch Anweisungen der Regierung von Venezuelas autoritĂ€rem PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro. Trump treibt seit seinem Amtsantritt einen harten Kurs in der Migrationspolitik voran.
Gesetz aus dem Jahr 1798 als Grundlage fĂŒr Abschiebungen
Zur Rechtfertigung der Abschiebung nach El Salvador beruft sich die Trump-Regierung hauptsĂ€chlich auf ein umstrittenes und kaum genutztes Gesetz aus dem Jahr 1798: Der «Alien Enemies Act» (Gesetz ĂŒber auslĂ€ndische Feinde) erlaubt es dem PrĂ€sidenten, Menschen in Kriegszeiten oder bei einer Invasion aus «feindlichen Nationen» ohne regulĂ€res Verfahren inhaftieren und abschieben zu lassen. Das Gesetz wurde etwa wĂ€hrend des Ersten und des Zweiten Weltkriegs angewandt, etwa zur Internierung von Deutschen oder Japanern.
Im Raum stand nun die Frage, ob dieses Gesetz auĂerhalb eines erklĂ€rten Krieges oder gegen andere Parteien als eine Nation angewendet werden kann. Trumps Regierung wandte sich nach der Niederlage vor einem Gericht in der US-Hauptstadt Washington an den Supreme Court. Sie argumentierte unter anderem, dass die Entscheidung dieses Gerichts die FĂ€higkeit der US-Regierung, AuĂenpolitik zu betreiben, gefĂ€hrde. AuĂerdem werde dadurch die Abschiebung gefĂ€hrlicher Gangmitglieder verhindert.Â
Nicht die erste Schlappe
Es ist nicht das erste Mal, dass die Richterinnen und Richter des Obersten Gerichts rechtlich Stellung zu Trumps Politik beziehen - in der Regel ging es dabei aber eher um technische Fragen. Anfang MĂ€rz etwa fuhr der Republikaner im Streit ĂŒber eingefrorene Milliardensummen fĂŒr Entwicklungshilfeprojekte eine vorlĂ€ufige Niederlage ein. In seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Mehrheit am Supreme Court mit mehreren Nachbesetzungen weit nach rechts verschoben.





