Ukraine-Verhandlungen, Abu Dhabi

Ukraine-Gespräche: Frankreich sitzt in Abu Dhabi mit am Tisch

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 15:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Frankreich kündigt eigene Unterhändler für das Treffen unter US-Vermittlung an. Außenminister Jean-Noël Barrot verlangt zugleich, dass europäische Sicherheitsinteressen in den Gesprächen berücksichtigt werden.

Barrots Angaben zu den Delegationen

  • Frankreich will bei den Gesprächen in Abu Dhabi mit eigenen Unterhändlern vertreten sein.
  • Jean-Noël Barrot nannte noch nicht, wer Frankreich bei dem Treffen repräsentieren wird.
  • Die Verhandlungen sind für Dienstag und Mittwoch angesetzt und sollen nächste Schritte zum Frieden klären.
Frankreich werde in Abu Dhabi sein, um an den Ukraine-Russland-Gesprächen teilzunehmen, versicherte Barrot in einem Interview. (Archivbild) - Bild: Michael Brandt/dpa

Frankreich entsendet Unterhändler nach Abu Dhabi

Frankreich und Europa werden nach Angaben von Außenminister Jean-Noël Barrot bei den anstehenden Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter US-Vermittlung vertreten sein. Französische Unterhändler sollen in Abu Dhabi an den für Dienstag und Mittwoch geplanten Gesprächen teilnehmen.

Paris fordert europäische Mitsprache

Barrot sagte dem Sender RTL, Frankreich werde der Stimme Europas Gehör verschaffen, da Europa von den Gesprächen über seine Sicherheitsordnung unmittelbar betroffen sei. Wer Frankreich vertreten wird, ließ der Minister offen.

Die Verhandlungen sollen sich unter anderem mit den nächsten Schritten auf dem Weg zum Frieden im seit Jahren andauernden Ukraine-Krieg befassen. US-Präsident Donald Trump stellte dafür ein «großes Abkommen» in Aussicht, das ganz Europa und Russland umfassen soll.

Details zu Trumps Plan bleiben offen

Barrot erklärte, er kenne die Einzelheiten des angekündigten Abkommens nicht. Zugleich betonte er, kein Abkommen mit Folgen für die europäische Sicherheitsarchitektur könne ohne die Europäer ausgearbeitet oder auch nur diskutiert werden.

Kushner skizziert Sicherheitsordnung

Trumps Schwiegersohn und Unterhändler Jared Kushner beschrieb auf der Plattform X eine mögliche Sicherheitsordnung, die auf Kommunikation, militärischer Transparenz und der Verringerung von Eskalationsrisiken beruhen solle. Die USA würden sich am Rand der Gespräche eng mit den europäischen Partnern abstimmen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich skeptisch zu dem Vorschlag. Zunächst müsse darüber gesprochen werden, wie der Krieg beendet werde, schrieb er auf X.

Die angekündigte Beteiligung Frankreichs verweist auf einen zentralen Streitpunkt der geplanten Gespräche: Wer über eine mögliche Friedensregelung und die künftige Sicherheitsordnung Europas mitentscheidet. Paris beansprucht dabei nicht nur eine nationale Rolle, sondern will nach den Worten Barrots die europäische Stimme in den Verhandlungen vertreten.

Der Konflikt reicht über die unmittelbare Frage einer Waffenruhe hinaus. Ein Abkommen könnte Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die künftige militärische Präsenz in Europa und das Verhältnis zu Russland berühren. Deshalb drängen EU-Staaten darauf, dass Entscheidungen über Europas Sicherheit nicht ausschließlich zwischen Washington, Moskau und Kiew getroffen werden.

Offene Fragen für Abu Dhabi

Unklar bleiben vor dem Treffen sowohl die Zusammensetzung der Delegationen als auch die Inhalte des von Donald Trump angekündigten «großen Abkommens». Auch die Reihenfolge der Themen ist politisch relevant: Während die Ukraine zunächst über ein Ende der Kampfhandlungen sprechen will, setzt der US-Vorstoß offenbar breiter bei einer europäischen Sicherheitsordnung an.

Für die Gespräche in Abu Dhabi bedeutet die französische Ankündigung daher ein Signal gegen eine rein bilaterale Verständigung. Ob Paris gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern auftritt und welchen Einfluss die europäischen Regierungen auf die Verhandlungen erhalten, dürfte für die Akzeptanz eines möglichen Ergebnisses entscheidend sein.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Ende des Ukraine-Kriegs? Trump kündigt ‚großes Abkommen‘ an – Selenskyj warnt“ (07.11.2026)

Der Beitrag ordne die geplanten Gespräche in Trumps angekündigte umfassendere Sicherheitsvereinbarung für Europa ein. Anders als die dpa-Meldung stelle er die ukrainische Skepsis und die Forderung in den Mittelpunkt, zuerst das Ende der Kampfhandlungen zu verhandeln.

Deutschlandfunk: „Ukraine-Krieg - Nach Trump-Äußerungen: EU pocht auf Beteiligung Europas bei möglichen Friedensverhandlungen“ (06.11.2026)

Der Deutschlandfunk habe die Forderung führender EU-Politiker nach europäischer Beteiligung und die geplanten Verhandlungen in Abu Dhabi bestätigt. Sein Schwerpunkt liege auf der politischen Forderung, über die Ukraine nicht ohne Kiew und über Europas Sicherheit nicht ohne Europa zu entscheiden.

Beide Beiträge verbänden die Abu-Dhabi-Gespräche mit der Frage nach Europas Mitspracherecht. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau stärker ukrainische Vorbehalte und Trumps Plan beleuchte, konzentriere sich der Deutschlandfunk auf die europäische Beteiligung.

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