Ukraine-Gespräche: Stubb und Støre telefonieren erstmals mit Putin
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie nächsten Gesprächsschritte in Abu Dhabi
- Stubb und Støre telefonierten erstmals mit Putin über Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges.
- Putin nannte Abu Dhabi als Ort für Gespräche in der ersten Novemberhälfte.
- Um Oleschky begann eine lokale Feuerpause mit geplantem humanitärem Korridor.
Stubb und Støre suchen direkten Draht zu Putin
Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben erstmals mit Kremlchef Wladimir Putin über den Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Das unangekündigte Telefonat sollte nach ihren Angaben Botschaften für künftige Verhandlungen über ein Kriegsende übermitteln.
Europäer wollen bei Gesprächen mitreden
Stubb und Støre hatten in der Vorwoche den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den US-Vermittler Steve Witkoff in Oslo getroffen. Nach Witkoffs anschließendem Gespräch mit Putin wurde eine Wiederaufnahme von Dreiergesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA vereinbart.
Der Kreml zeigte sich nach Angaben der dpa zudem offen für eine Einbeziehung europäischer Staaten. Diese unterstützen die Ukraine mit Waffen und finanziellen Hilfen. Stubb und Støre erklärten zugleich, nicht für Europa insgesamt gesprochen zu haben.
Putin nennt Abu Dhabi als nächsten Ort
Putin teilte nach dem Telefonat mit, in Abu Dhabi solle es in der ersten Novemberhälfte um Sicherheitsfragen Russlands und der Ukraine nach einer vollständigen Beendigung der Kampfhandlungen gehen. Für einen Frieden müssten auch russische Interessen berücksichtigt werden.
Der Kreml kritisierte zugleich die aus seiner Sicht konfrontative Politik der EU- und Nato-Staaten. Putin informierte die beiden Politiker auĂźerdem ĂĽber eine in der Nacht begonnene lokale Feuerpause bei der von russischen Truppen besetzten Frontstadt Oleschky im Gebiet Cherson.
Humanitärer Korridor für Oleschky geplant
In dem Gebiet soll ein humanitärer Korridor eingerichtet werden, damit Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden und fliehen können. Putin, Stubb und Støre vereinbarten nach Angaben des Kremls, telefonisch direkt in Kontakt zu bleiben.
Selenskyj begrĂĽĂźt den VorstoĂź
Stubb bezeichnete das Gespräch als offen und inhaltlich fundiert. Støre verwies auf die langfristigen Folgen von Leid und Zerstörung und betonte die Bedeutung einer Deeskalation.
Selenskyj dankte den beiden Politikern und sagte, sie hätten Putin unmissverständlich auf konkrete Schritte zum Schutz der ukrainischen Energieversorgung und Infrastruktur hingewiesen. Russland greift diese Anlagen vor dem fünften Kriegswinter mit Raketen und Drohnen an.
Dänemark kritisiert unabgestimmtes Vorgehen
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte sich skeptisch zu dem Telefonat. Die Initiative sei nicht mit anderen Partnern abgestimmt worden; Europa solle nach ihrer Auffassung zusammenhalten, statt in Einzelinitiativen aufzutreten.
Das Telefonat fällt in eine Phase, in der unter US-Vermittlung neue Gespräche zwischen Russland und der Ukraine vorbereitet werden. Nach Angaben des Kremls soll es in Abu Dhabi in der ersten Novemberhälfte um Sicherheitsfragen nach einem vollständigen Ende der Kampfhandlungen gehen. Damit rückt neben dem möglichen Format der Gespräche auch die Frage in den Mittelpunkt, welche Rolle europäische Staaten bei einem politischen Prozess einnehmen.
Europas Rolle zwischen UnterstĂĽtzung und Diplomatie
Finnland und Norwegen unterstützen die Ukraine politisch und militärisch und grenzen sich zugleich von Moskau ab. Stubb und Støre betonten, nicht für Europa insgesamt gesprochen zu haben. Der Vorstoß zeigt damit ein Spannungsfeld: Europäische Staaten wollen Einfluss auf Verhandlungen gewinnen, verfügen aber nicht automatisch über ein gemeinsames Mandat.
Die Reaktion aus Dänemark macht diese Schwierigkeit sichtbar. Während Helsinki und Oslo direkte Kontakte als Beitrag zur Deeskalation darstellen, warnt Kopenhagen vor unabgestimmten Alleingängen und fordert europäische Geschlossenheit. Für die Ukraine bleibt entscheidend, ob Gespräche konkrete Schritte zum Schutz der Energieversorgung und der Infrastruktur hervorbringen. Die geplante lokale Feuerpause bei Oleschky kann dabei allenfalls einen begrenzten humanitären Zweck erfüllen.
Abu Dhabi als nächster Prüfpunkt
Die geplante Gesprächsrunde in Abu Dhabi wird zeigen, ob aus den Kontakten ein belastbarer Verhandlungsprozess entsteht. Russlands Forderung, eigene Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen, steht dabei den ukrainischen und europäischen Erwartungen an Deeskalation und einen tragfähigen Frieden gegenüber. Der vereinbarte direkte Kontakt zwischen Putin, Stubb und Støre erweitert zunächst den diplomatischen Kanal, ersetzt aber keine gemeinsame europäische Position.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Ukraine-Krieg: Stubb und Støre reden mit Putin über Ukraine-Verhandlungen“ (27.10.2026)
Der Beitrag bestätigt das erstmals geführte Telefonat und ordnet es in die geplanten Gespräche unter US-Vermittlung ein. Als offenen Punkt nennt er den noch nicht festgelegten genauen Termin für Abu Dhabi.
Euronews: „Anruf bei Putin: Oslo und Helsinki wollen neuen Friedensprozess“ (27.10.2026)
Der Artikel stellt den direkten Kontakt als Zeichen einer stärkeren europäischen Bereitschaft zu Gesprächen mit Moskau dar und hebt zugleich die Kritik aus Dänemark hervor. Anders als der Stern legt Euronews einen Schwerpunkt auf die Frage eines möglichen europäischen Mandats und die Uneinigkeit über ein gemeinsames Vorgehen.
Beide Beiträge bestätigen den Gesprächskontakt und die geplante Fortsetzung der Verhandlungen. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung: Während der Stern den Ablauf und den weiteren Gesprächstermin hervorhebt, konzentriert sich Euronews stärker auf Europas Rolle und die politische Kritik aus Kopenhagen.
