Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj

Ukraine: Trump fordert neuen PrĂ€sidenten fĂŒr Selenskyj

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 03:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

US-PrĂ€sident Donald Trump fordert einen neuen PrĂ€sidenten fĂŒr die Ukraine. Die Regierung in Kiew weist das zurĂŒck, wĂ€hrend Russland die Hauptstadt weiter beschießt und es Verletzte gibt.

Die ukrainische Regierung stellt sich hinter Selenskyj. Zuvor hatte Trump einen neuen PrÀsidenten gefordert. (Archivild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Die ukrainische Regierung stellt sich hinter Selenskyj. Zuvor hatte Trump einen neuen PrÀsidenten gefordert. (Archivild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump hat einen neuen PrĂ€sidenten fĂŒr die Ukraine gefordert, wĂ€hrend die Regierung in Kiew die UnterstĂŒtzung fĂŒr Wolodymyr Selenskyj bekrĂ€ftigt und Russland die ukrainische Hauptstadt weiter beschießt.

Regierung weist Trumps Forderung zurĂŒck

Außenminister Andrij Sybiha schrieb am Abend auf der Plattform X, Selenskyj genieße die UnterstĂŒtzung des ukrainischen Volkes. Dieses habe das Recht, selbst ĂŒber seine FĂŒhrung zu entscheiden. Äußerungen aus dem Ausland bestĂ€tigten lediglich, dass Selenskyj seine Aufgabe gut erfĂŒlle und UnterstĂŒtzung verdiene.

Verletzte bei Angriffen auf Kiew

Russland beschoss Kiew auch am Abend. BĂŒrgermeister Vitali Klitschko teilte ĂŒber Telegram mit, dass es acht Verletzte gebe, darunter ein 15-jĂ€hriges MĂ€dchen.

Trump verlangt neuen ukrainischen AnfĂŒhrer

Trump hatte am Samstag gesagt, die Ukraine solle sich einen neuen AnfĂŒhrer suchen, der eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges schließen könne. Selenskyj habe nach Trumps Darstellung mehrfach die Gelegenheit gehabt, den Krieg zu beenden, dies aber aus unbekanntem Grund nicht getan.

Streit ĂŒber DieselgeschĂ€ft und Raffinerieangriffe

Der Vorstoß steht im Zusammenhang mit Trumps angekĂŒndigtem DieselgeschĂ€ft mit Russland. Selenskyj hatte die Vereinbarung kritisiert, weil sie Moskau zusĂ€tzliche Einnahmen verschaffen könne. Trump warf dem ukrainischen PrĂ€sidenten zugleich vor, mit Angriffen auf den russischen Energiesektor zur Dieselknappheit beizutragen, und verlangte ein Ende dieser Angriffe.

Wahl wÀhrend des Kriegs nicht möglich

Ein Wechsel an der Staatsspitze durch eine regulÀre Wahl ist derzeit nicht möglich. Nach der ukrainischen Verfassung ist eine Wahl wÀhrend des Kriegs ausgeschlossen. Selenskyj hatte sich mehrfach zu direkten GesprÀchen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit erklÀrt, Einladungen nach Moskau aber abgelehnt.

Sorge um Geheimdienstkooperation

Aus dem Umfeld Selenskyjs wurde die Sorge geĂ€ußert, die USA könnten die Geheimdienstkooperation mit der Ukraine beenden. Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, wies Trumps Forderung zurĂŒck und betonte, ĂŒber die ukrainische FĂŒhrung entschieden die Ukrainerinnen und Ukrainer in freien Wahlen.

Russland bleibt Angreifer

Der Krieg begann mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Kremlchef Wladimir Putin lehnte nach Darstellung der ukrainischen Seite wiederholt Angebote fĂŒr einen bedingungslosen Waffenstillstand ab. Auch weitere diplomatische Initiativen fĂŒhrten bislang nicht zu einem Ende der KĂ€mpfe.

Politischer Druck aus Washington

Trumps Forderung nach einem neuen ukrainischen PrĂ€sidenten verschĂ€rft den Konflikt zwischen Washington und Kiew. Sie fĂ€llt in eine Phase, in der die US-Regierung zugleich mit Russland ĂŒber Diesellieferungen verhandelt und GesprĂ€che ĂŒber ein mögliches Ende des Krieges fĂŒhrt. Ukrainische UnterhĂ€ndler treffen dabei US-Gesandte; ein Ende der KĂ€mpfe ist bislang nicht absehbar.

FĂŒr die Ukraine geht es deshalb nicht nur um die persönliche Zukunft Selenskyjs. Ein erzwungener oder von außen verlangter FĂŒhrungswechsel wĂŒrde die politische HandlungsfĂ€higkeit des Landes und die Frage berĂŒhren, wer verbindlich ĂŒber Sicherheitsgarantien, Gebietsfragen und einen Waffenstillstand verhandeln kann. Nach der dpa-Meldung ist eine regulĂ€re Wahl wĂ€hrend des Kriegsrechts derzeit ausgeschlossen.

DieselgeschÀft und Kriegsfinanzierung

Der Streit verbindet Energiepolitik mit der KriegsfĂŒhrung. Trump begrĂŒndet seinen Druck mit ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien und der Belastung des Dieselmarktes. Selenskyj bewertet die Lockerung von Sanktionen dagegen als zusĂ€tzliche Einnahmequelle fĂŒr Moskau. Die unmittelbar angekĂŒndigte Liefermenge wĂ€re nach einer aktuellen EinschĂ€tzung zwar groß, gemessen am US-Verbrauch aber begrenzt; daraus ergibt sich kein belastbarer Hinweis auf eine schnelle grundlegende Entlastung an den Tankstellen.

Unmittelbare Bedeutung

FĂŒr die Menschen in der Ukraine bleibt der politische Streit mit der militĂ€rischen RealitĂ€t verbunden: WĂ€hrend die Debatte ĂŒber die Staatsspitze lĂ€uft, werden StĂ€dte wie Kiew weiter angegriffen. Die Reaktion der ukrainischen Regierung zeigt, dass sie Trumps Forderung derzeit als Einmischung zurĂŒckweist und die Entscheidung ĂŒber die politische FĂŒhrung bei der ukrainischen Bevölkerung sieht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Trump fordert Ablösung von Selenskyj: „Es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen PrĂ€sidenten bekommt““ (10.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tige Trumps Forderung nach einem FĂŒhrungswechsel und stelle sie in den Zusammenhang mit dem DieselgeschĂ€ft sowie ukrainischen Angriffen auf russische Ölanlagen. Er hebe zusĂ€tzlich hervor, dass Russland die Ukraine zeitgleich weiter angreife, und gebe der Kritik aus Deutschland und den USA breiteren Raum.

ntv: „Trump im Diesel-Streit: Ukraine sollte sich neuen PrĂ€sidenten suchen“ (10.10.2026)

Der Artikel bestĂ€tige den Zusammenhang zwischen Trumps Forderung und dem Streit ĂŒber russische Diesellieferungen. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stĂ€rker auf den innenpolitischen Druck vor den US-Wahlen und auf Trumps Darstellung der Ursachen fĂŒr gestiegene Energiepreise; offen bleibe, wie sich der Konflikt auf die weitere US-UnterstĂŒtzung auswirke.

Beide Berichte stellten die Forderung nach einem neuen ukrainischen PrĂ€sidenten und den Dieselstreit als miteinander verknĂŒpfte VorgĂ€nge dar. Der Tagesspiegel betone stĂ€rker die internationale und demokratiepolitische Kritik, wĂ€hrend ntv den energie- und innenpolitischen Hintergrund hervorhebe.

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