Ukraine-Wahlen: Selenskyj nennt 60 Tage Feuerpause als Bedingung
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 16:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWahlorganisation nach Feuerpause
- Selenskyj nennt eine 60-tĂ€gige vollstĂ€ndige Feuerpause als Voraussetzung fĂŒr die Organisation von Neuwahlen.
- Seine regulÀre Amtszeit endete am 20. Mai 2024; wegen des Kriegsrechts finden derzeit keine Wahlen statt.
- Selenskyj verlangt Sicherheit fĂŒr die Bevölkerung und eine unbehinderte Beteiligung der Ukrainer in besetzten Gebieten.
Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hat sich unter Bedingungen zu Neuwahlen bereit erklÀrt und US-PrÀsident Donald Trump dabei in die Verantwortung genommen.
Feuerpause als Voraussetzung
Falls Trump den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zu einer vollstĂ€ndigen Feuerpause von 60 Tagen bewegen könne, hĂ€tte die Ukraine nach Selenskyjs Darstellung genĂŒgend Zeit, Wahlen zu organisieren.
Die Sicherheit der BĂŒrger mĂŒsse wĂ€hrend des Wahlprozesses garantiert sein, sagte Selenskyj in einem Interview des US-Senders ABC. Damit verknĂŒpfte er die Forderung aus Washington nach einem neuen ukrainischen PrĂ€sidenten mit einem konkreten Schritt Moskaus.
Amtszeit wegen Kriegsrecht verlÀngert
Selenskyjs regulÀre Amtszeit ist seit dem 20. Mai 2024 abgelaufen. Nach der ukrainischen Verfassung verlÀngert sich die Amtszeit wegen des Kriegsrechts auf unbestimmte Zeit, weil Wahlen unter diesen Bedingungen nicht möglich sind.
Der PrĂ€sident verweist zudem darauf, dass auch Ukrainer in den von Russland besetzten Gebieten ohne Behinderung an einer Wahl teilnehmen mĂŒssten. Eine solche Beteiligung gehört aus seiner Sicht zu den Voraussetzungen eines legitimen Urnengangs.
Kritik an Washington
Den politischen Druck aus Washington wertete Selenskyj als Ausdruck von Hilflosigkeit. Es sei einfacher, andere unter Druck zu setzen, als den Kremlchef zu stoppen, sagte er.
Selenskyj erklĂ€rte auĂerdem, Russland habe in derselben Woche 190 Energieanlagen angegriffen und 153 Zivilisten getötet. Russland verspĂŒre keinen Druck und wolle den Krieg fortsetzen, sagte der ukrainische PrĂ€sident.
Vorschlag fĂŒr Energiepause
Die Ukraine sei zu einer gegenseitigen Pause bei Angriffen auf Energieanlagen bereit, bekrÀftigte Selenskyj. Wenn Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung einstelle, werde die Ukraine ihre Angriffe auf die russische Erdölindustrie einstellen.
Wahlen bleiben an Kriegsrecht gebunden
Selenskyjs regulÀre Amtszeit endete am 20. Mai 2024. Das ukrainische Kriegsrecht verhindert seither regulÀre PrÀsidentschaftswahlen. Die verfassungsrechtliche Regelung soll verhindern, dass wÀhrend eines Ausnahmezustands zentrale staatliche Verfahren unter Bedingungen stattfinden, die eine freie politische Willensbildung und die Sicherheit der Bevölkerung gefÀhrden.
Selenskyjs Vorschlag verbindet die Wahlfrage deshalb unmittelbar mit einer militĂ€rischen Bedingung: Eine vollstĂ€ndige Feuerpause von 60 Tagen soll Zeit fĂŒr die Organisation des Urnengangs schaffen. FĂŒr Millionen Ukrainer wĂ€re das zugleich eine Sicherheitsfrage. Besonders schwierig bliebe die Beteiligung von BĂŒrgern aus besetzten Gebieten, auf die der PrĂ€sident wiederholt hingewiesen hat.
US-Druck trifft Verhandlungsfragen
Die Forderung aus Washington nach einem neuen ukrainischen PrĂ€sidenten fĂ€llt in eine Phase, in der die USA, Russland und die Ukraine ĂŒber mögliche Schritte zur Beendigung des Krieges sprechen. Der politische Streit ĂŒber Wahlen ĂŒberlagert damit die zentrale Frage, ob Moskau einer Feuerpause tatsĂ€chlich zustimmen wĂŒrde.
Auch der Vorschlag eines gegenseitigen Stopps von Angriffen auf Energieziele zielt auf eine begrenzte Entlastung der Zivilbevölkerung vor dem Winter. Er wĂ€re politisch und militĂ€risch jedoch an gegenseitige Einhaltung und ĂŒberprĂŒfbare Garantien gebunden. FĂŒr die Ukraine könnten Angriffe auf die Energieversorgung direkte Folgen fĂŒr Strom, WĂ€rme und Wasserversorgung haben; fĂŒr Russland berĂŒhren Angriffe auf Raffinerien und die Ălindustrie wichtige Einnahmen und militĂ€rische Logistik.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âUkraine: Trump setzt PrĂ€sident Selenskyj weiter unter Druckâ (11.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige, dass Trump erneut Wahlen und einen neuen ukrainischen PrĂ€sidenten fordere, und ordne die Forderung in den Streit ĂŒber das US-russische Diesel-Abkommen ein. Anders als die dpa-Meldung betone er die politische UnterstĂŒtzung fĂŒr Selenskyj in der Ukraine sowie die Kritik aus den USA und Europa; offen bleibe, wie stark Washington seine UnterstĂŒtzung tatsĂ€chlich verĂ€ndern werde.
MDR: âUkraine-News: US-Kongress soll Trumps Diesel-Deal blockierenâ (11.10.2026)
Der Livebericht bestĂ€tige Selenskyjs Bereitschaft, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, sofern Russland die ukrainische Energieinfrastruktur verschone. ZusĂ€tzlich stelle er den Streit in den Zusammenhang mit stockenden FriedensgesprĂ€chen und dem US-Druck auf Kiew; eine Einigung ĂŒber eine umfassende Feuerpause zeichne sich darin nicht ab.
Beide Berichte stellten den politischen Druck auf Selenskyj und die Möglichkeit begrenzter gegenseitiger Angriffspausen heraus. Unterschiede lĂ€gen vor allem im Schwerpunkt: WĂ€hrend die tagesschau die innen- und auĂenpolitischen Reaktionen betone, rĂŒcke der MDR die Energieangriffe und den weiteren Verhandlungsrahmen in den Vordergrund.
