Ukraine, Pipeline

Ukraine beschießt Pipeline: Problem fĂŒr deutsche Raffinerie?

22.08.2025 - 13:16:15

Ukrainische Drohnen beschĂ€digen Energieanlagen auf russischem Gebiet. Nicht nur Russland, sondern mehrere Öl-EmpfĂ€ngerlĂ€nder spĂŒren die Folgen.

Nach einem weiteren ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Ölpipeline Druschba werden mögliche Auswirkungen fĂŒr die ostdeutsche PCK Raffinerie in Schwedt geprĂŒft. Das sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Rosneft Deutschland auf dpa-Anfrage. Ungarn, ein EmpfĂ€nger von Öl aus der Leitung Druschba (Freundschaft), meldete einen Ausfall der Lieferungen. MinisterprĂ€sident Viktor Orban rief US-PrĂ€sident Donald Trump um Hilfe gegen das Kiewer Vorgehen an. Auch die Slowakei beschwerte sich.

Die Ukraine hatte am Donnerstagabend die Pumpstation Unetscha im westrussischen Gebiet Brjansk attackiert, wie der Kommandeur der Drohnentruppen, Robert Bowdi, auf Telegram mitteilte. Genaue Angaben zu SchĂ€den machte er nicht. Er fĂŒgte ein Video bei, das einen gewaltigen Brand angeblich in Unetscha zeigte. Russische Stellen Ă€ußerten sich zunĂ€chst nicht.

Wo steckt das Öl aus Kasachstan?

PCK in Schwedt an der Oder bezieht kein russisches Öl mehr, erhĂ€lt aber im Transit Öl aus Kasachstan. Es mĂŒsse geklĂ€rt werden, ob die nĂ€chste Lieferung bereits diese Pumpstation passiert habe, sagte Rosneft-Sprecher Burkhard Woelki in Berlin. FĂŒr die PumpplĂ€ne sei die kasachische Seite in Abstimmung mit dem russischen Pipeline-Betreiber Transneft zustĂ€ndig. 

Rosneft Deutschland importiert nach Woelkis Angaben monatlich 120.000 Tonnen Öl aus Kasachstan. Die Tochter des grĂ¶ĂŸten Ölkonzerns in Russland steht wegen des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine seit 2022 unter Bundesverwaltung. Das Energieministerium in Kasachstan teilte mit, die Ölexporte wĂŒrden durch den Angriff auf die Ölleitung nicht gestört, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete.

Ungarn erwartet fĂŒnf Tage Ausfall

Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto schrieb auf Facebook, der Durchfluss von Erdöl nach Ungarn sei unterbrochen. Er sprach von einem weiteren Angriff auf die Energiesicherheit seines Landes. Nach dem jĂŒngsten Angriff werde die Versorgung fĂŒr mindestens 5 Tage ausfallen.

Orban schrieb nach Angaben des ungarischen Fernsehens in einem Rundbrief an seine Wahlkampfhelfer: «Ich habe den amerikanischen PrĂ€sidenten um Hilfe gebeten. Die Ukrainer schießen stĂ€ndig die Freundschaft-Pipeline kurz und klein. Dasselbe haben sie mit (der Ostsee-Gaspipeline) Nord Stream getan. Auch dort kam die Wahrheit ans Licht. Trump reagierte.»

Schon am Montag hatte ein Angriff auf eine andere Druschba-Pumpstation die Versorgung Ungarns gestoppt. Am Dienstag konnte sie wiederhergestellt werden. «48 Stunden Zeit fĂŒr die Reparatur» schrieb der ukrainische Kommandeur Bowdi dieses Mal und fĂŒgte auf Ungarisch hinzu: «Russen, haut ab!» Das VerhĂ€ltnis zwischen den Nachbarn Ungarn und Ukraine ist gespannt. Aus Kiewer Sicht hĂ€lt Orban zu engen Kontakt nach Moskau und blockiert den Aufnahmeprozess der Ukraine in die EU.

Beschwerde bei der EU-Kommission

Szijjarto und sein slowakischer Kollege Juraj Blanar beschwerten sich auch in einem gemeinsamen Brief an die EU-Außenkommissarin Kaja Kallas und Energiekommissar Dan Jorgensen. «Jegliche GefĂ€hrdung der Energiesicherheit unseres Landes ist inakzeptabel», sagte Blanar. Er verwies auf eine ErklĂ€rung der EU-Kommission vom Januar, in der es um den Schutz der kritischen Infrastruktur geht. Angesichts der Milliardenhilfen fĂŒr die Ukraine seien die Schritte Kiews «völlig inakzeptabel». Der Pipelinebetreiber Transpetrol in der Slowakei bestĂ€tigte den Lieferstopp ab Donnerstagabend.

Die Pipeline Druschba ist ein verzweigtes System von mehreren Tausend Kilometern LĂ€nge, durch das die frĂŒhere Sowjetunion die sozialistischen LĂ€nder in Ost- und Mitteleuropa mit Erdöl belieferte. Wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine beziehen Deutschland, Polen und Tschechien kein russisches Öl mehr. Die Ukraine blockierte 2024 ihren Teil der Pipeline fĂŒr Lieferungen Richtung Slowakei und Ungarn, sie beziehen ĂŒber andere Teile der Pipeline aber weiter russisches Öl.

@ dpa.de