Spaltung in Polens PiS: Morawiecki spricht von «Erpressung»
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 15:03 Uhr | dpa.de
Nach der Spaltung von Polens rechtskonservativer Oppositionspartei PiS hat Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki seinen parteiinternen Gegnern Intrigen und Erpressung vorgeworfen. «Liebe Intriganten, vielleicht war es ja genau das, was ihr beabsichtigt habt: uns aus der PiS zu verdrĂ€ngen», sagte Morawiecki.Â
Bis zuletzt habe er mit seinen AnhĂ€ngern um die Einheit der Partei gekĂ€mpft, betonte der Politiker. «Wir konnten nicht zulassen, dass man uns zwingt, LoyalitĂ€tserklĂ€rungen zu unterschreiben.» Die Gruppe seiner AnhĂ€nger zĂ€hle 40 Parlamentsabgeordnete. Morawiecki lieĂ zunĂ€chst offen, ob er eine eigene Partei grĂŒnden wolle. «Alle ZukunftsplĂ€ne mĂŒssen noch diskutiert werden.»
Machtkampf in der PiS
Zuvor hatte PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski bekanntgegeben, dass «mehr als 30 Abgeordnete» um Morawiecki ihre Mitgliedschaft in der PiS niedergelegt hĂ€tten. Diese Tatsache werde der Parteirat am Dienstag zur Kenntnis nehmen. Jeder Abgeordnete habe gewusst, was die Nicht-Unterzeichnung der LoyalitĂ€tserklĂ€rung fĂŒr Folgen habe, sagte Kaczynski weiter. Die PiS stellte bislang mit 186 Abgeordneten die gröĂte Fraktion im polnischen Parlament.
In der PiS tobte seit einigen Wochen ein Machtkampf zwischen dem 77 Jahre alten ParteigrĂŒnder Kaczynski und dem 58 Jahre alten Morawiecki. Dieser wollte den von Kaczynski verordneten Rechtsdrall nicht mittragen und hatte mit anderen Vertretern des wirtschaftsliberalen FlĂŒgels die Gruppe «Entwicklung Plus» gegrĂŒndet.Â
Doch Kaczynski war die Gruppe ein Dorn im Auge. Er verlangte mit einem Ultimatum ihre Auflösung und wollte, dass alle Mitglieder bis zum Donnerstag eine LoyalitĂ€tserklĂ€rung unterschreiben. Morawiecki verweigerte beides.Â
Die rechtskonservative PiS, deren Name «Prawo i Sprawiedliwosc» ĂŒbersetzt Recht und Gerechtigkeit bedeutet, regierte Polen von 2015 bis 2023. In dieser Zeit baute sie das Justizsystem maĂgeblich um, was unter anderem zur Konfrontation mit der EU-Kommission fĂŒhrte. Im Oktober 2023 verlor die PiS die Parlamentswahl und ist seitdem die gröĂte Oppositionspartei des Landes.
