Vereinte Nationen, deutsche Außenpolitik

UN-Generalversammlung: Wadephul drängt auf stärkere Rolle der UNO

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 07:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Außenminister Johann Wadephul fordert vor der UN-Generalversammlung eine aktivere Rolle der Vereinten Nationen bei der Lösung weltweiter Krisen. Besonders die Sicherung wichtiger Handelsrouten und die Überwindung politischer Sprachlosigkeit zwischen Konfliktparteien stehen im Fokus seiner Reise nach New York.

Wadephul: UN müssen mehr für Ende von Konflikten tun
Vereinte Nationen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Außenminister Johann Wadephul (CDU) fordert eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen bei der Beendigung globaler Krisen und Konflikte. Vor seiner Abreise nach New York zur Teilnahme an der Generaldebatte der 81. UN-Generalversammlung mahnte er, die UN müssten wieder stärker als Schaltzentrale für eine friedliche internationale Ordnung wirken.

Wadephul wirbt für Kurswechsel bei den Vereinten Nationen

Wadephul erinnerte daran, dass die Staaten der Welt die Vereinten Nationen vor über 80 Jahren gegründet hätten, um nach dem Entsetzen des Zweiten Weltkriegs eine friedliche internationale Ordnung zu sichern. Die Perspektive auf ein nachhaltiges konfliktfreies Miteinander sei heute einem Modus der Dauereskalation gewichen; an diesen Zustand dürfe sich die Staatengemeinschaft nicht gewöhnen.

Man habe die Verpflichtung, die Kräfte zu bündeln, um eine Umkehr zu ermöglichen, sagte der Minister. Die zahllosen Gespräche in der Woche der Generaldebatte bezeichnete er als eine der wenigen Gelegenheiten, Fortschritte zu erzielen. Deutschland werde seinen Teil dazu beitragen und darauf hinarbeiten, die Sprachlosigkeit zwischen Konfliktparteien in Europa und im Mittleren Osten zu überwinden.

Mehr als Bestandsaufnahme der Krisen gefordert

Wenn die Staatengemeinschaft in diesen Tagen in New York zusammenkomme, dürfe es nach Ansicht Wadephuls nicht nur um eine Bestandsaufnahme der Krisen, Konflikte und Kriege gehen. Alle politisch Verantwortlichen sollten bereit sein, ernsthaft um jeden noch so kleinen Schritt zur Lösung zu ringen.

Wadephul forderte zugleich, dass die Staatengemeinschaft berät, wie sie gemeinsam mehr Verantwortung für maritime Sicherheit übernehmen kann. An der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab hielten Iran und seine Milizen nach seinen Worten seit Monaten die Lebensadern des freien Handelsverkehrs im Würgegriff.

Warnung vor Folgen für Handel und globale Versorgung

Durch die Bedrohungen für den Schiffsverkehr würden Energielieferungen, Düngemittel und Hilfsgüter unbezahlbar oder kämen kaum mehr dort an, wo sie dringend benötigt würden, warnte Wadephul. Unter den Folgen litten Deutschland und Europa, noch stärker jedoch viele Länder des globalen Südens, in denen steigende Preise und Ernteausfälle existenzbedrohend seien.

Für eine stabile internationale Ordnung brauche es aus Sicht des Ministers Vereinte Nationen, die Krisen und Konflikte nicht vor allem verwalten, sondern den Boden für Lösungen bereiten. Die UN sollten als handelnder Arm der Staatengemeinschaft etwa im Krieg im Sudan vermitteln, an der Deblockade von Handelsrouten mitarbeiten oder gegen Menschenrechtsverletzungen vorgehen.

UN sollen auch Zukunftsthemen aktiv gestalten

Schließlich betonte Wadephul, dass die Vereinten Nationen Verantwortung bei den Fragen der Gegenwart übernehmen müssten, etwa beim gemeinsamen Umgang mit Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz. Nur wenn die Staatengemeinschaft diese Themen gemeinsam angehe, könne eine tragfähige und friedliche internationale Ordnung entstehen.

Die Aussagen von Außenminister Johann Wadephul fallen in eine Phase, in der die Vereinten Nationen zunehmend unter Druck stehen, ihrer Rolle als Hüter der internationalen Ordnung gerecht zu werden. Viele Konflikte – von Europa über den Mittleren Osten bis nach Afrika – dauern seit Jahren an, ohne dass es zu belastbaren politischen Lösungen gekommen ist. Wadephul knüpft mit seinem Appell an die Ursprungsidee der UN an, nämlich Konflikte zu befrieden statt sie lediglich zu verwalten.

UN zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Im Zentrum seiner Kritik steht die Wahrnehmung eines „Modus der Dauereskalation“, der die internationale Politik prägt. Die Vereinten Nationen verfügen formal über Instrumente wie Vermittlungsmissionen, Sanktionen oder Blauhelm-Einsätze, sind aber oft auf den politischen Willen der Mitgliedstaaten angewiesen. Wenn dieser fehlt, bleiben Resolutionen wirkungslos oder werden gar nicht erst beschlossen. Wadephul fordert, dass die Staatengemeinschaft die UN stärker als handelnden Arm nutzt, etwa bei der Vermittlung im Sudan oder beim Freihalten zentraler Handelsrouten.

Globale Folgen maritimer Unsicherheit

Besonders die Lage an der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab verdeutlicht die Verflechtung von Sicherheitspolitik und Wirtschaft. Angriffe und Drohungen gegen Schiffe, Blockaden und militärische Spannungen können Lieferketten stören, Energiepreise treiben und Hilfsgüter verzögern. Das betrifft nicht nur Europa, sondern insbesondere Länder des globalen Südens, die stärker von Importen abhängig sind und weniger Puffer gegen Preissteigerungen haben.

Bedeutung für Deutschland und Leserinnen und Leser

Für Deutschland sind sichere Seewege und funktionierende Handelsrouten zentral, da die Wirtschaft stark exportorientiert ist und Energie sowie Vorprodukte zu einem großen Teil über See importiert werden. Wenn Wadephul mehr Verantwortung der Staatengemeinschaft für maritime Sicherheit und eine lösungsorientierte UN-Politik fordert, zielt er auf stabilere Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Versorgungsketten. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies, dass außenpolitische Debatten über UN-Reformen und internationale Sicherheitsmissionen direkten Einfluss auf Preise, Versorgungssicherheit und die wirtschaftliche Entwicklung haben können.

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