Waffenlager, GefÀngnisse

ÜberfĂ€lle auf Waffenlager und GefĂ€ngnisse in Sierra Leone

26.11.2023 - 17:00:43

Unbekannte greifen in Sierra Leone das MilitÀr und GefÀngnisse an. Ist die StabilitÀt des westafrikanischen Landes gefÀhrdet?

Unbekannte TĂ€ter haben im westafrikanischen Sierra Leone am Sonntag ein Waffenlager des MilitĂ€rs und mehrere GefĂ€ngnisse ĂŒberfallen. In dem Waffenlager, das sich in der NĂ€he der Residenz von PrĂ€sident Julius Maada Bio in der Hauptstadt Freetown befindet, war es in den frĂŒhen Morgenstunden zu Schusswechseln gekommen, teilte das Informationsministerium mit.

Die Regierung verhĂ€ngte daraufhin eine landesweite Ausgangssperre und leitete eine Großfahndung nach den TĂ€tern ein. Die Situation sei aber unter Kontrolle, hieß es.

Bio bezeichnete den Vorfall als einen «SicherheitsverstoĂŸÂ», versicherte seinen BĂŒrgern jedoch, die Ruhe im Land sei wiederhergestellt und seine Regierung «entschlossen, die Demokratie in Sierra Leone zu schĂŒtzen».

SpĂ€ter bestĂ€tigte Informationsminister Cherno Bah, die TĂ€ter hĂ€tten auch mehrere Haftanstalten angegriffen, einschließlich eines HochsicherheitsgefĂ€ngnisses in Freetown. «Einige Gefangene wurden von den Angreifern entfĂŒhrt, wĂ€hrend viele andere freikamen», sagte Bah. Am Sonntagnachmittag machten SicherheitskrĂ€fte nach Angaben von Bah Fortschritte in der Fahndung nach den Angreifern. «Die Regierung behĂ€lt weiter die Kontrolle und den Überblick ĂŒber die Lage» so Bah. Die Lage in der Hauptstadt sei ruhig.

US-Botschaft veruteilt Überfall

Die US-Botschaft in Sierra Leone verurteilte den Überfall «aufs SchĂ€rfste». «Solche Aktionen haben keine Rechtfertigung. Wir fordern uneingeschrĂ€nkte Zusammenarbeit mit den laufenden EinsĂ€tzen der SicherheitskrĂ€fte der Regierung zur Inhaftierung der Verantwortlichen», hieß es in einer Mitteilung der Botschaft auf der Plattform X.

Auch die Vertretung der EuropĂ€ischen Union in Sierra Leone forderte die Achtung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung im Land. «Es gibt keine Rechtfertigung fĂŒr die gewaltsame Besetzung von MilitĂ€rkasernen», hieß es in einem X-Post.

Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas teilte mit, sie habe «mit völliger Abscheu von einer Verschwörung erfahren ..., sich Waffen zu beschaffen und den Frieden und die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung zu stören». Die Staatengemeinschaft bekrĂ€ftigte ihre «Null-Toleranz gegenĂŒber verfassungswidrigen Regierungswechseln».

Auch der UN-Sonderbeauftragte fĂŒr Westafrika und die Sahelzone, Leonardo Santos SimĂŁo, verurteilte den Versuch einer gewaltsamen Beschlagnahmung von MilitĂ€reinrichtungen in Freetown und begrĂŒĂŸte die Schritte der Regierung zur Wahrung von Frieden und Sicherheit.

Ende Juni war Bio trotz einer schweren Wirtschaftskrise in dem kleinen KĂŒstenstaat mit 8,8 Millionen Einwohnern wiedergewĂ€hlt worden. Einen Monat spĂ€ter nahm die Polizei mehrere ranghohe Offiziere wegen der Vorbereitung eines Aufstands fest. Sierra Leone, das von der FlĂ€che etwa Bayern entspricht, erlebte von 1991 bis 2002 einen der schlimmsten BĂŒrgerkriege Afrikas mit Zehntausenden Toten. 2014 stĂŒrzte ein Ebola-Ausbruch das Land in eine weitere jahrelange Krise. Die Wirtschaft hat sich seitdem nicht erholt. Viele Menschen vor allem auf dem Land leben unter extremer Armut.

Bio, der 1996 zwei Monate nach einem MilitĂ€rputsch regierte und zum Übergang zu den ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten beitrug, wird von vielen als «Vater der modernen Demokratie» des Landes verehrt. Seine seit 2018 amtierende Regierung fĂŒhrte kostenlose Schulbildung ein, förderte Gleichberechtigung, Wissenschaft und die Infrastruktur des Landes. Gleichzeitig steht Bio auch wegen seines Vorgehens gegen Gegner in der Kritik. Bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten durch staatliche SicherheitskrĂ€fte waren im August mehr als 20 Demonstranten und sechs Polizisten ums Leben gekommen.

@ dpa.de